mich den Anordnungen meines Gatten , seines Vaters , unterwerfe . Das ist alles , dünkt mich , was ich heute zu erklären nöthig habe . Was weiter zwischen ihm und mir über meine und Valerio ' s Zukunft festzusetzen ist , mag unentschieden bleiben , bis ich es mit meinem Stiefsohne selbst berathen kann . Sie verneigte sich darauf vor dem Justitiarius und vor dem Caplan wie vor ihr völlig fremden Männern und verließ das Gemach in derselben feierlichen Weise , in welcher sie es betreten hatte . Der Justitiarius und der Caplan blieben , weil ihre Geschäfte es erheischten , an dem Tage ganz im Schlosse ; aber Vittoria kam nicht wieder zum Vorscheine . Erst spät am Abende ließ sie den Geistlichen zu sich entbieten . Er fand sie auf ihrem Ruhebette ; sie erhob sich jedoch bei seinem Eintritte , nöthigte ihn , Platz zu nehmen , und sagte : Es drängt mich , mit Ihnen zu sprechen , Hochwürden , aber ich benachrichtige Sie im voraus , daß ich von Ihnen keine Vermittlung zu meinen oder meines Sohnes Gunsten zu begehren denke . Ich habe meine weltlichen Angelegenheiten nur mit meinem Stiefsohne zu ordnen , - sie bezeichnete , was sie sonst stets vermieden hatte , Renatus heute immer nur mit diesem Namen , - und da ich die Bestimmungen des Freiherrn angenommen habe , ist eigentlich Alles gethan , denn meine Zusage ist mir heilig . Der Caplan , welcher nicht voraussehen konnte , was diese befremdliche Einleitung bedeuten sollte , hielt sich an ihre letzten Worte , und ihr ernsthaft in das Auge blickend , sprach er : Wollte der Himmel , daß Sie damit die Wahrheit redeten , wollte der Himmel , Sie hätten Ihre Zusage stets so heilig gehalten , als es Ihre Pflicht gewesen wäre , so hätte es des Freiherrn .... Sie ließ ihn nicht zu Ende sprechen . Ich weiß , was Sie sagen wollen , rief sie lebhaft , und eben deshalb habe ich Sie gebeten , mich noch heute zu besuchen . Sie hielt einen kleinen Augenblick inne , dann hob sie wieder an : Ich habe die Demüthigung , die Buße , welche der Freiherr mir aufzulegen für gut befunden hat , gelassen hingenommen . Es war eine sehr bittere Stunde ! Indeß ich hatte , wie ich den Freiherrn kannte , irgend etwas der Art erwarten müssen und mich darauf vorbereitet . Er hat mich schwer dafür bestraft , daß ich mit achtzehn Jahren , daß ich , aus dem Kloster kommend , nicht mehr Einsicht in meine eigene Natur , nicht mehr Lebenserfahrung besessen habe , als der welt- und herzenskundige Mann , der mich in sein herbstliches Leben wie ein Spielzeug aufnahm . Sie sprach das so lebhaft , daß ihre Wangen sich rötheten und die Fülle ihrer schwarzen Locken ihr weit über die Stirn und die Wangen herabfiel . Mit schneller Handbewegung warf sie das Haar zurück und mit stolzem Tone sprach sie : Sie haben mir oftmals meine Sünde vorgehalten ; aber haben Sie es auch dem Freiherrn eben so oft vorgehalten , Hochwürden , daß er ein Unrecht , ein schweres Unrecht an mir begangen hat , als er meine blinde Urtheilslosigkeit und mein noch völlig schlafendes Herz benutzte , um mich zu der Seinigen zu machen ? Nicht eine Stunde , aber nicht eine Stunde bin ich glücklich gewesen in diesem Lande , in diesem Hause , bis zu dem Tage , an dem ich - wie Sie es nennen und wie das Gesetz es nennt - zur Sünderin geworden bin . Frau Baronin , sagte der Caplan , es ist meines Amtes in der Beichte , Ihre Geständnisse ganz so anzuhören , wie Ihr Herz Sie zwingt , sie vor mir niederzulegen , und ich habe mich Ihrem Vertrauen , so schmerzlich es mir gewesen ist , nicht entzogen . Ich habe ihm nach meinem besten Wissen , nach meiner heiligsten Ueberzeugung zu begegnen und Sie immer wieder auf den Pfad der Pflichterfüllung hinzuweisen gesucht . Zum Vertrauten Ihrer verbrecherischen Phantasieen fühle ich mich nicht berufen . Er erhob sich bei den Worten und wollte sie verlassen . Indeß sein strenger Blick , seine abweisende Bewegung schreckten sie nicht zurück . Nun denn , rief sie , ich stehe an einem Scheidewege meines Lebens ; ich habe zu brechen mit einer langen Vergangenheit voll schmerzlicher Verstellung , voll martervoller Lüge ; so hören Sie denn als Beichtiger meine Beichte , da Sie mir nicht als Berather zur Seite stehen wollen . Hören Sie meine Beichte , Herr Caplan ! Sie stand auf , trat an einen Seitentisch heran , trank , sich zu beruhigen , schnell ein Glas Wasser aus , und vor dem Geistlichen niederknieend , der sich in stillem Gebete zu sammeln getrachtet hatte , wollte sie selber ein Gebet beginnen ; aber nur ihre Hände fanden sich in die altvertraute Form , ihr Sinn wollte sich nicht beugen ; und sich eben so schnell emporrichtend , als sie sich niedergeworfen hatte , rief sie : Das ist ' s , das ist ' s , was ich Ihnen zu sagen habe und was früher oder später doch einmal ausgesprochen werden muß : ich glaube nicht mehr , ich glaube nichts , nichts , gar nichts mehr ! Die Welt , der Himmel , Alles ist mir entgöttert , nur Eines ist mir heilig , Eines - und das ist dahin ! In Thränen aufgelöst , wie in einem Krampfe weinend , warf sie sich auf das Lager nieder ; der Caplan stand sprachlos vor ihr . Er mußte dem wilden Anfalle Zeit lassen , vorüberzugehen ; aber es waren wundersame Gedanken , die ihn bewegten , und noch vermochte er nicht völlig auf den Grund des Herzens zu sehen , das sich ihm in so gewaltsamer Weise enthüllen zu müssen meinte . Was hatte er in diesem Hause alles erleben sehen und mit erlebt