Ihre Stimmungen und halten Sie noch Betrachtungen über die Kirche davon fern ! Fassen Sie die Kirche als ein großes Ganzes ! Daß Sie als Kind am Freitage fasteten , was sagte es denn ? Es sagte : Ich gehöre einer Gemeinschaft an , die das Vernunftgesetz über das Naturgesetz erhoben hat ! Daß wir der Wildheit die Gesellschaft abrangen , daß wir einen Bund der Gesittung , der Künste , Wissenschaften , der Ordnung , eine Gesellschaft haben , wo die Tyrannen nicht herrschen , die Räuber , die Mörder schweigen und abseits treten müssen , wem anders verdanken wir denn das , als der Zähmung unserer natürlichen Begierden ? Monika schwieg ... Sie beschloß , dem Vernommenen nachzudenken ... Schon der bald sanfte , bald strenge Ton hatte sie erhoben ... Bonaventura schloß : Kehren Sie bald , bald wieder ! Absolvo te in nomine patris , filii et spiritus sancti ! Er machte das Kreuzeszeichen , zog sein Fenster zu und lehnte sich eine Weile in seinen Stuhl zurück - tief , tief - unzufrieden mit sich selbst ... Aber Ruhe , Kampf der Seele , Sieg gab es da wenig . Die Zahl der Harrenden war angewachsen . Schon meldete sich ' s am andern Fenster ... Er zog den Vorhang zurück . Er that es mit dem Gefühl : Welch ein Stümper erscheinst du doch bei wirklichen Leiden ! Kannst du dies Holz denn verlassen und einem Priester begegnen , ohne daß ihr beide vor einander die Augen niederschlagt ? Schon sprach wieder eine sanfte Stimme die übliche Anrede . Auch diese Stimme kam von einem Weibe . Auch sie ertönte aus den Umhüllungen eines zwar nicht schönen , aber jugendlichen Hauptes . Ein kostbarer Pelz lag dicht am Gitter und berührte fast sein Beichttuch ... Hochwürdiger Vater , ich bin unglücklich ! ... Der Beichtstuhl , mein Kind , hört nur das Unglück durch Sünden ... Ich sündige wider die Gebote der Kirche und doch spricht mein Herz mich frei ! Sollte die Versuchung des armen Leviten nicht enden ! Bonaventura erklärte die vernommenen Worte für einen Widerspruch und wünschte Aufklärung ... Ich werde in wenig Wochen Mutter sein ! Mein Gatte ist Protestant und ich bin zweifelhaft , das Kind in meinem Glauben taufen zu lassen ! Verlangt Ihr Gatte das Gegentheil ? Er verlangt es nicht ! Er verdankt seine Lebensstellung mir , er ist die Rücksicht selbst ! Dennoch schenkt ' ich gern unser seit zehn Jahren ersehntes Kind ganz nur ihm ! Da thun Sie Unrecht ! Sie bringen dem einen das , was er nicht begehrt , das kann Großmuth sein ; aber Sie entziehen es einem andern , der darauf Ansprüche hat ; das ist ein Raub ! Ich bin meinem Gatten Großmuth schuldig , ich bin ihm Genugthuung schuldig ! Und gerade vor meiner Familie , die ihn kränkt , zurücksetzt , sich freut , zwischen uns eine Trennung zu wissen ! Ich fühle , daß ich ihm mein Kind schenken muß um der Liebe willen , um der Liebe ein Zeugniß zu geben ! Sagen Sie denn auch wie alle andern Priester , daß mein Kind im Jenseits von mir getrennt sein wird ? Die Schrift sagt : » Bei unserm himmlischen Vater gibt es viele Wohnungen . « Vertrauen Sie auf seine Gnade , wenn Sie sich nicht noch anders besinnen und von Ihrem Gatten zu Ihrer Religionspflicht zurückführen lassen . Gaben Sie bei Ihrer Verbindung dem Geistlichen , der Sie traute , kein Versprechen über Ihre Kinder ? Man verlangte es damals nicht ! Das ist über zehn Jahre her ... ... Die Fälle der gemischten Ehen kamen jetzt so oft im Beichtstuhl vor . Dennoch horchte Bonaventura auf und gedachte der Zerwürfnisse im Kattendyk ' schen Hause , dem Hause , wo Treudchen und Lucinde wohnten ... Glauben Sie auch , hochwürdiger Vater , fuhr die zitternde Stimme fort , daß ich nicht die Aussegnung erhalten werde ? Die Aussegnung einer Wöchnerin bei ihrem ersten Kirchgang ist ein Brauch , kein Sakrament ... Nach dem Glauben meiner Mutter und Geschwister werd ' ich , wenn ich ohne Aussegnung sterben sollte , als ruheloser Geist Nachts mit einer Kerze in der Hand so lange um diese Kathedrale gehen müssen , bis eine andere Lebende sich für mich aussegnen läßt ! Bonaventura wurde irre , ob ein solcher Glaube in einem gebildeten Hause herrschen konnte . Fast an der Anwesenheit der Frau Hendrika Delring zweifelnd , sagte er : Welche Thorheit ! Nur fürcht ' ich , daß Sie nach Ihrer Handlungsweise überhaupt nicht im Schoose unserer Kirche bleiben werden ; denn die Gnadenmittel müssen Ihnen entzogen werden ! Eine Pause trat ein ... Auch Sie sprechen wie Kanonikus Taube ! sagte die Stimme ... Wir sprechen alle , wie die Mutter Kirche spricht ! Sie will keines ihrer Kinder sich entzogen sehen und ist streng gegen die , die ihrer Liebe ein neues Kind vorenthalten ! Erwägen Sie Ihre künftigen Leiden ! Ihr Gatte ist edel ; wie denn wird er von Ihnen ein solches Opfer verlangen ! Hendrika Delring weinte ... Es währte lange , bis sie sich sammeln konnte ... O diese Welt ! rief sie plötzlich heftig aus ... Warum nur beruhigt Sie der Friede dieses Gottestempels nicht ? Warum sprechen Sie in dieser Aufregung ? Erzählen Sie , was Ihnen begegnete ! Schon oft , hochwürdiger Vater , wollte ich zu Ihnen kommen ! Ich hörte täglich von Ihrer Weisheit und Güte . Neulich noch , als meine Familie sich um mich versammelt hatte , ein Marienbild in meinem Zimmer entschleierte und , indessen alle auf den Knieen lagen , zu ihm ein Gelübde sprach , sie würden , wenn ich mein Kind nicht im Glauben des Vaters taufen ließe , eine Wallfahrt antreten und in einem gräflichen Hause bei Witoborn , wo geistliche Uebungen gehalten werden , sechs Wochen lang sich einschließen und die Exercitien mitmachen , da schon