folgende Wort : A-c-c-e-n-t . Französischem Azent - Richtig . Deutsch mit französischem Azent - das heißt , man hört ' s ihm nicht an , daß er kein Franzose ist - Oder vielmehr ... Grade ! Man hört ' s ihm an ... Aha ! Also man muß französisch ... Ein Bischen muß man - Können Sie französisch ? Kümmerlein ? Kümmerlein behauptete , als ehemaliger Klempnergesell in Frankreich gewandert zu sein ; er wiederholte aber , daß ja der Franzose deutsch spräche ... Richtig , sagte Mullrich ; aber ... Azent ! Kümmerlein war etwas verlegen über die Auskunft , die er geben sollte und las deshalb kleinlauter im Papiere weiter : Hier steht ' s wie er heißt ... Louis ... Armand ... besondere ... Bemerkung : Man hat ihn im ... Umgange mit ... Handwerkern , besonders ... Willing ' schen Maschinenarbeitern ... aha ! ... zu beobachten - Ah so ! Das ist politisch ! Französische Aufwiegelei ! Deutsch mit ' nem Azent ! Da wollen wir doch aufpassen ; denn das Politische - Pst ! Stille ! bedeutete Mullrich und sah sich rasch um ... Eine maskirte Gestalt huschte an den beiden Lesern vorüber und warf aus einer grünen gemalten Brille über der gewaltigen Nase einen scharfen Blick auf die beiden in ihren Charakterstudien vertieften Polizeiagenten , indem sie eine Secunde etwas hustend stehen blieb ... Wünschen Sie etwas ? fragte Kümmerlein . Pardon ! war die Antwort und die Maske mit der grünen Brille huschte rasch wieder in ' s Dunkel und verschwand mit ihrem etwas röchelnden Husten hinter den Büschen . Pardon ? riefen die beiden Collegen ... Pardon ? Das war ja - Französisch - Mit ' m Azent - Kommen Sie doch ! sagte Kümmerlein , ich glaube , der echappirte auf den Saal zu und überhaupt sollen wir auf Loge Nr. 18 vigiliren . Eine grüne Brille ? Merken wir uns Das , Mullrich ! Es war ein Franzose ! Mullrich konnte diese Bezeichnung Nr. 18 nicht hören , ohne gleich an die Thüren seines Familienhauses zu denken und bei Nr. 18 fiel ihm Nr. 17 ein . Indem er sich die Möglichkeit dachte , daß diese abgefeimte Nr. 17 , die Maler-Guste , doch wol nicht nach Hamburg gegangen und mit ihrer Schuld an seine Ehegattin leicht auf dem Fortunaball auftauchen konnte , folgte er Kümmerlein , der durch das Gedränge dem Saale zu sich Bahn machte und von dem Anblick der Lichter , die aus den Saalfenstern schimmerten und manche Mädchen , die ihn lachend grüßten , so verblendet war , daß er die Spur der grünen Brille bald aus dem Auge verlor und Mullrichen erinnerte , daß sie ja noch das zweite Signalement zu lesen hätten . Um auf Nr. 18 zu kommen , durfte man jedoch nicht durch den Tanzsaal , auch nicht durch die eleganten Restaurationszimmer gehen , sondern diese kleine Loge war eigends in dem Bauplane des Unternehmers , des Kaufmanns Hitzreuter , von der Polizeibehörde vorgeschrieben worden . Diese kleine versteckte Loge hatte einen eignen Aufgang vom Tunnel aus und machte eine dauernde Beziehung zwischen der Beobachtung des Tanzsaales und der Beobachtung des Tunnels möglich . » Verbotener Eingang « lautete die Aufschrift der Treppe im Tunnel , die zu dieser Loge führte . Es wurde diese kleine Loge Nr. 18 in der kecken Sprache dieser zweideutigen Sphäre die Sternwarte genannt . Hier » vigilirte « man . Von diesem Punkte aus sollten sich heute Mullrich und Kümmerlein eine Übersicht über den Saal erhalten . Da sie in Amtstracht waren , so hatte der kluge Pax wol nur im Sinn , bei den zweideutigen Besuchern des Fortunaballes die Idee zu erwecken , die Beobachtung wäre ganz allein auf die » Sternwarte « beschränkt , während die wahren beobachtenden Füchse gerade da schlichen und witterten , wo man sie am wenigsten vermuthete . Das zweite Signalement zu lesen , war es die höchste Zeit . Im Tunnel wurde man zuvörderst von einem undurchdringlichen Rauche empfangen . Hier standen drei grünbezogene Billards und einige kindische Glücksspiele , die aber gerade um so besuchter waren , je weniger sie Nachdenken kosteten ; denn mit den großen Geistern haben es die kleinen gemein , daß sie , wenn sie spielen , nicht denken wollen . Hier im Tunnel wurden die feineren Observanzen der oberen Räume nicht beobachtet . Hier sah man den eigentlichen Stamm der Besucher solcher Festlichkeiten , leichtsinnige , meist junge Geschäftsmenschen , die das Vergnügen lieben . Während oben die im Tanze rasten , die vielleicht erst auf dem Wege zum Verbrechen waren , hielten sich hier unten Manche auf , die , dem Arme der Gerechtigkeit schon einmal verfallen , sich zu bessern suchten und einmal gewöhnt an Nachtschwärmerei , hier unten einen Schein bürgerlicher Solidität fanden , in dessen Ausstrahlungen sie den Vigilanten bessergeworden erschienen . Nun so rasch ? rief eine Stimme vom Büffet , wo man Getränke verabreichte , den auf die Thür : Verbotener Eingang zuschreitenden scharfsichtigen , spähenden Dreimastern zu . Sie wandten sich um und traten näher . Man wich ihnen aus , so besetzt auch das Büffet war . Auf dem Fortunaball fand sich jene Demokratie nicht ein , die im ewigen Hader mit den Dienern der Gerechtigkeit lebte . Mancher scheue , trotzige Blick begrüßte sie freilich auch hier ; aber Zusammenrottungen , Verhöhnungen äußerer Amtszeichen fanden nicht statt , umsoweniger , als sich der Ex-Kaufmann Hitzreuter als einer jener outrirten Royalisten gebehrdete , die bei jeder Gelegenheit sich mit ihrer Gesinnung vordrängten und aus Dankbarkeit , daß man ihm sogar von Seiten des Hofes eine Summe für seinen Bau geliehen hatte , in den Reubund getreten war und mit diesen Fortunafestlichkeiten zuweilen auch patriotische Zwecke verband , überall royalistische Embleme anbrachte , die Landesfarben und die Landeszeichen , und in seinen Räumen auf loyale Ordnung sah . Ei , Frau Peters , sagte Mullrich , wie kommen Sie denn daher ? Es war