, als den mich der Knabe geführt , einen Weg , der Anfangs auf sanftem Rasengrunde gerade bergab leitete , so daß das Thal im letzten Abendschein zu uns heraufgrüßte , dann eine Strecke unter hohen Buchen , wo es sehr dunkel war , so daß Paula mich sorgsam an der Hand hielt , bis wir dann wieder an lichtere Stellen kamen und das Thal abermals vor uns lag , aber jetzt schon ganz in Grau gehüllt , so daß ich glaube , der Weg hinab müsse länger gewesen sein , als der hinauf , obgleich er mir so kurz vorkam , so kurz ! Dann sehe ich uns , das heißt : die Mutter , Paula , Oskar und mich an einem gedeckten Tischchen in einer der Lauben vor dem Hotel sitzen und der Schein des Lichtes in der Glasglocke fällt hell in die sanften Züge der Blinden , die von Zeit zu Zeit mit ihrer weichen Hand über meine Stirn streicht , und in Paula ' s liebes Antlitz , das von innerer Glückseligkeit mit einem holden Glanz überstrahlt ist , und in das bildschöne , jugendfrische Gesicht Oskars , dessen dunkle Augen blitzen , während er erzählt , wie er einen großen Auftrag von einem jungen , englischen Lord , dessen Bekanntschaft er in Rom gemacht , erhalten habe ; - mächtige Wandgemälde für das Schloß seiner Herrlichkeit in den schottischen Hochlanden ; - und wie er , bevor er dahin gehe , doch erst mit der Schwester , seinem Lehrer und Meister , habe sprechen und ihren Rath einholen müssen ; und dabei schüttelte der Jüngling sein langes Haar nach hinten und hebt das volle Glas mit dem perlenden Champagner und leert es auf unser Wohl , und die Mutter lächelt uns freundlich zu , und in der Oeffnung der Laube erscheint , als unsere Gläser zusammenklingen , jener Kopf mit dem grauen Schnurrbart und dem krausen weißen Haar , der in der modernen Kunstgeschichte eine so überaus wichtige Rolle spielt . Dann stehe ich am offenen Fenster meines Zimmers und horche dem Rauschen des Nachtwindes in den Zweigen und dem Plätschern des Brunnens in dem Garten vor dem Hotel und meine Blicke hangen an einem Stern , der vor den andern aus dem nächtlichen Himmel gar herrlich strahlt . Und die alte Wehmuth regt sich tief in meinem Herzen und meine Augen füllen sich mit Thränen . Aber als ich wieder hinzuschauen vermag , strahlt der Stern noch herrlicher , denn zuvor , als wäre es ein Auge , das aus den Gefilden der Seligen liebevoll auf mich herniedergrüßte . Dreiunddreißigstes Capitel . Ich bin in der Geschichte meines Lebens bis zu dem Punkte gekommen , bis zu welchem ich dieselbe von vornherein zu bringen beabsichtigt hatte . Freilich sagte ich mir schon damals , und sage es mir jetzt wieder , daß ich es damit nicht Allen recht machen würde . Einer wird finden , daß die Geschichte nicht ganz uneben sei , und er in Ermangelung von etwas Besserem noch ganz wohl ein paar hundert Seiten weiter gelesen hätte ; ein Anderer wird meinen , nach seiner Erfahrung ( er ist nämlich ein Mann von großer Erfahrung ) fange das Leben genau da an , interessant zu werden , wo ich abbreche . Jugendgeschichten sähen sich so ähnlich wie Kinderkrankheiten , die jeder durchmachen müsse , und die gerade darum nichts Besonderes seien ; erst , wenn der vollkommen entwickelte Mann in das große Leben trete und sich an der Lösung der Aufgaben des Jahrhunderts praktisch betheilige , oder wenn er , als Privatmensch , in jenen Conflicten , die in keiner Ehe ausblieben , in dem Verhältnisse des Vaters zu den Kindern , das niemals ohne alle Trübungen sei , Gelegenheit gehabt habe , seinen Charakter zu bethätigen - erst dann verlohne es sich vielleicht - Ich fühle schwer das Gewicht dieser Einwürfe , aber einmal war ich , wie gesagt , darauf gefaßt , daß ich es dem Einen oder dem Andern , ja , wie es sich jetzt herausstellt , dem Einen und dem Andern nicht zu Dank machen würde ; und sodann , meine ich , der Eine findet gewiß mit leichtester Mühe ein viel amüsanteres Buch zur Ausfüllung seiner müßigen Stunden , und was den Anderen ( den Vielerfahrenen ) betrifft , so dürfte ich am Ende seinen großen Ansprüchen ( die zu machen er ja vollauf berechtigt ist ) beim besten Willen nicht genügen . Ich wüßte , und wollte ich mich noch so interessant machen , von ehelichen Conflicten und von Trübungen meines Familienlebens nichts , was der Rede irgend werth wäre , zu erzählen , und wenn ich - wie ich mir in besonders hochmüthigen und hoffährtigen Stunden schmeichle - wirklich an der Arbeit unserer Zeit redlich mitgeschafft habe und Alles in Allem kein verächtlicher Arbeiter gewesen bin - nun , so möchte ich ungern meinen Lohn vorwegnehmen , und denke , es findet sich vielleicht ein guter Freund , der mir ihn in Form einer preislichen Grabschrift , oder gar in der eines förmlichen Nekrologs , welcher durch die Zeitungen geht , in volltönenden Worten auszahlt . Im Ernst , Du lieber Leser , der Du mein Freund geworden bist - sonst hättest Du wohl nicht bis hierher gelesen - Du , für den ich allein geschrieben habe , und für den allein ich auch dies Schlußcapitel noch schreibe , im Ernst , ich glaube Dir und mir einen Gefallen zu thun , wenn ich hier abbreche . Ich weiß nicht , ob Du ein Techniker , ob Du ein Mann von Fach bist , und ich müßte es doch eigentlich wissen , um die Geschichte eines Technikers , wie ich es bin , so zu erzählen , daß sie Dir in dem einen Falle genügt , oder Dich in dem andern nicht allzusehr langweilt ; ja , ich weiß nicht einmal , ob Du überhaupt ein Mann , und nicht vielmehr eine Dame