der Reiter um ihn versammelten , wurden die Artilleristen und eine Anzahl Nizams an die Kanonen kommandirt , und man versuchte eine derselben durch Menschenhände auf dem Felsendamm vorwärts und näher dem Eingange der Palanka zu bringen . Mit vieler Mühe und nach langer Arbeit gelang es , eine Kanone bis auf 300 Schritt heran zu bringen . Noch in dieser Entfernung trafen die Kugeln der Griechen und namentlich aus der Büchse des Generals oft ihr Ziel , und die Türken hielten es daher für räthlich , hier ihren Halt zu machen . Unterdeß hatten die um den Emir Abdallah versammelten Araber sich auf die erhaltenen Befehle nach allen Seiten hin zerstreut . Der Führer der Mainoten hatte alle diese Anstalten der Feinde eifrig und nicht ohne Besorgniß beobachtet . Der entfernte , fortdauernd von Zeit zu Zeit rollende Donner des Geschützes benachrichtigte ihn , daß in der Ferne gleichfalls ein harter Kampf geschlagen wurde gegen seine Truppen , die des Führers durch seine eigene Unvorsichtigkeit beraubt waren . Mit einem kleinen Fernrohr , das er bei sich hatte , verfolgte er die Araber , die sich in die Berge zwischen die Bäume und Büsche verloren - er konnte sehen , wie sie mit ihren Yatagans leichte Zweige und Aeste abhieben und zu starken Bündeln zusammen banden . Im Augenblicke stand die Absicht der Gegner vor seinen Augen - sie machten Faschinen , um die Schlucht , die sie vom Platean trennte , zu füllen . Seine Augen flogen umher , um ein Gegenmittel zu suchen und fanden es . Zwischen dem Wall und dem Thurme lag ein ziemlich großer Vorrath von trockenen Reisern , Röhricht und Binsen aus den Sümpfen , den die Hirten hier zu ihrem Gebrauch aufgehäuft . Dasselbe Mittel , das ihr Verderben bereitete , sollte die Gegner schlagen . Während zwei der Mainoten fortwährend auf dem Thurme Wache hielten , traf der kühne Palikarenführer seine Vorbereitungen . Stunden waren mit dem ersten Angriff und mit diesen beiderseitigen Vorkehrungen seither vergangen - der Mittag nahte und die Zeit , da die Kranken und Verwundeten in die Hand des schwarzen Engels gegeben sind . Eine furchtbare - entsetzliche Scene hatte im Thurm der Palanka , im Kerker des Türkenmädchens , begonnen , den weder Grivas noch sein Neffe wieder betreten . Die Feder weigert den Dienst , jene Thaten niederzuschreiden , mit der die Krieger des Kreuzes die heldenmüthige Vertheidigung der Palanka von Protopapas entweihten ; doch der Schriftsteller hat die Pflicht der Gerechtigkeit , und mit Grauen über die Bestialität in der menschlichen Natur , muß er Scenen schildern , wie sie zwischen Völkern vorkommen , welchen seit Jahrhunderten Tyrannei und Fanatismus , Rohheit und Haß das Entsetzliche zum Gewöhnlichen gemacht haben . Zu dem General kam der Mainot Constantin Comodouro und meldete ihm , daß der Engel des Todes an das Lager seines Verwandten getreten sei , und daß dieser wünsche , von ihm Abschied zu nehmen und zum Sterben eingesegnet zu werden . Die rauhen Krieger der Maina , deren Religion noch immer ein phantastisches Gemisch von altem Aberglauben und den Lehren der griechischen Kirche ist , während sie seit Jahrhunderten bereits muthig für das Kreuz in den Tod gehen , - hängen fanatisch an ihren Priestern . Wenn der Tod sie fern von denselben ereilt , ist es der Capitano , der das Recht hat , jenen zu ersetzen und ihnen die Absolution und den letzten Segen zu ertheilen . Ein sterbender Krieger verlangte ihn , und der wilde Palikarenführer zögerte nicht , den Wunsch zu erfüllen , so lange die Waffenruche es erlaubte . - Ein Halblicht , durch zwei enge hochangebrachte Schießscharten der Mauer , zu denen steinerne Stufen führten , hereinfallend , beleuchtete das ziemlich große Gemach , an dessen einer Wand halb aufgerichtet der Sterbende ruhte , während auf der andern Seite auf dem Lager von Binsen und Laub das gefesselte Türkenmädchen lag , mit dem Gesicht - nach dem Krieger gekehrt , dem ihre Kugel den Tod gebracht , und ein Zug hohnlächelnden Frohlockens war in ihren dämonischen Augen und um den festgeschlossenen Mund . Der General betrat allein das Gemach und setzte sich auf einen Stein an die Seite des Verwundeten . Es war ein Kakavouniot , der wildeste und grausamste Stamm der wilden und grausamen Mainoten , ein Mann , längst über das mittlere Lebensalter hinaus und ein Häuptling seiner Familie , der bereits mit dem General in mehreren Schlachten des ersten Befreiungskrieges gefochten . Die Natur von Eisen , die an vierzig Jahre lang den blutigsten Kämpfen getrotzt , unterlag jetzt der Kugel eines Mädchens . Grivas reichte dem Getreuen die Hand und verkündete ihm die Stellung des Gefechts und die Vorbereitungen , die der Feind und er selbst getroffen , - das war sein Trost zum Tode , und die Augen des alten Klephten funkelten bei der Erzählung des Empfangs , den seine Gefährten den Türken bereiteten . » Lebt wohl , Capitano , « sagte er , » und mögen die Heiligen Euch beschützen und die Unterirdischen Euch helfen ! Ich gehe zum Acheron und die Panagia möge mir gnädig sein . Habt Ihr die Zeit , so laßt ein Grab für mich bereiten , damit die Moslems , wenn der Teufel ihnen den Sieg giebt , nicht meinen grauen Kopf nehmen . Gebt mir den Segen , Capitano , denn mein Athem ist kurz und ich habe noch von den Kindern der hohen Maina zu scheiden . « Der General sprach ein kurzes Gebet und machte das Zeichen des Kreuzes über ihn . Dann fragte er , ob er vielleicht das Türkenmädchen entfernen solle , damit ihr Anblick seine letzten Augenblicke nicht störe . Der Klephte aber machte heftig das Zeichen der Verneinung , und noch ein Mal ihm die Hand reichend schied Grivas von dem Krieger . Draußen befahl er dem Neffen , am Eingang des Walles Wache zu halten ; er selbst übernahm den Posten auf der Höhe des Thurmes