vorläufig nicht mehr dahin zurückzukehren . Die Jahre gingen , andere Zeiten kamen . Das Verhältnis , das einen Winter lang so viel Trost und Freude gewährt hatte , schien tot und erst sechsundzwanzig Jahre später sehen wir den Kronprinzen , nun König Friedrich , abermals in Tamsel . Aber wie anders sieht ihn jetzt Tamsel an ! Es ist am 30. August 1758 , fünf Tage nach der Schlacht bei Zorndorf . Das Schloß ist von den Russen ausgeplündert , alle Bewohner sind geflohen , der zurückgebliebene Lehrer der Wreechschen Kinder liegt erschlagen im Park , alles ist wüst , öde , halb verbrannt und nur mit Mühe konnte ein Tisch für den König herbeigeschafft werden . Und jetzt gedenkt er entschwundener Tage und alter Pflicht und alter Liebe , und angesichts der Zerstörung , die sein Herz an diesem Orte doppelt trifft , richtet er noch einmal einige Zeilen an die schöne Frau . Keine Verse sind eingeschlossen , aber ein Besseres hat er sich in der Schule des Lebens erobert – ein echtes Gefühl . Der Brief selbst aber lautet : » Madame ! Ich habe mich nach der Schlacht vom 25. hierher begeben und eine volle Zerstörung an diesem Orte vorgefunden . Sie mögen versichert sein , daß ich alles nur mögliche tun werde , um zu retten , was noch zu retten ist . Meine Armee hat sich genötigt gesehen , hier in Tamsel zu fouragieren , und wenn freilich die verdrießliche Lage , in der ich mich befinde , es ganz unmöglich macht , für all ' den Schaden aufzukommen , den die Feinde ( vor mir ) hier angerichtet haben , so will ich wenigstens nicht , daß von mir es heiße , ich hätte zum Ruin von Personen beigetragen , denen gegenüber ich die Pflicht , sie glücklich zu machen , in einem besonderen Grade empfinde . Ich halte es für möglich , daß es Ihnen selbst , Madame , eben jetzt am Notwendigsten gebricht , und diese Erwägung ist es , die mich bestimmt , auf der Stelle die Vergütung alles dessen anzuordnen , was unsere Fouragierungen Ihnen gekostet haben . Ich hoffe , daß Sie diese Auszeichnung als ein Zeichen jener Wertschätzung entgegennehmen werden , in der ich verharre , als ihr wohlgewogener Freund Friedrich . « Frau von Wreech empfing diesen Brief am selben Tage noch , woraus sich schließen läßt , daß sie auf einem der benachbarten Güter Zuflucht gesucht hatte , denn dem Briefe sind von der Hand der Empfängerin die Worte hinzugefügt : » Empfangen am 30. August 1758 , in demselben Jahre , in dem ich alles verlor , das ich mein nannte « – oder wie es im Originale heißt : » L ' année où j ' ai perdu tout ce que j ' avais dans le monde pour vivre . « Diese Worte der Frau von Wreech sind charakteristischer , als sie auf den ersten Blick erscheinen mögen . Der Brief des Königs hatte zweifellos den Zweck , ein Trostbrief zu sein ; der Ausdruck seiner Teilnahme , zugleich die Zusage für alles aufkommen zu wollen , was die Verpflegung seiner Truppen gekostet hatte , alles das bezeugt genugsam , daß er aufzurichten wünschte , tatsächlich , aber auch in Worten . Frau von Wreech indessen , unberührt von dem schönen Inhalte des Briefes , scheint nur dem einen bitteren und niederdrückenden Gedanken gelebt zu haben : Ich war reich und bin nun arm ; ich konnte geben und helfen und bin nun selber hilfebedürftig . Es würde gewagt sein , aus der kurzen Notiz : » das Jahr , in dem ich alles verlor , was ich mein nannte « , so weitgehende Schlüsse auf die damalige Stimmung der Frau von Wreech zu ziehen , wenn nicht die Korrespondenz , die sich von jenem 30. August an zwischen Jugendfreund und Jugendfreundin entspann , keinen Zweifel darüber ließe , von welchen Empfindungen das Herz der freilich schwer heimgesuchten Frau damals ausschließlich erfüllt wurde . Und wenn die Jugendbriefe des Kronprinzen uns mehr mit der Empfängerin in Tamsel als mit dem Küstriner Verfasser sympathisieren ließen , so wendet sich jetzt das Blatt und der König kommt zu seinem Recht . Auch auf die zweite Korrespondenz werfen wir noch einen flüchtigen Blick . Sie besteht nur aus fünf Briefen und diese wirken neben der Jugendkorrespondenz , wie die Billetts eines sich mit Anstand zurückziehenden Ehemanns neben dem Briefpäckchen , das er als Bräutigam geschrieben . Aber sie verlieren dadurch nichts von ihrem Wert . Im Gegenteil . Von verschiedenen Punkten aus datiert , wohin der Krieg den schwerbedrängten König gerade rief , von Dresden , Breslau , Leipzig aus , gereicht jeder einzelne dem Schreiber zu hoher Ehre . Aus ihrem Inhalt ergibt sich , daß Frau von Wreech nicht müde wurde , den König erst um Unterstützung für die verarmten Bauern der Wreechschen Güter , dann um Darlehen für sich selbst zu bitten . Diese Gesuche waren sicherlich dazu angetan , die Geduld des Königs zu erschöpfen , der z.B. einen dieser Briefe kurz nach dem schwer erkauften Siege von Torgau , will also sagen in einem Augenblick empfing , wo die halbe Monarchie ziemlich ebenso verwüstet war wie die Güter der Frau von Wreech ; aber seine Antworten zeigen nirgends Ungeduld oder jenen herben Ton , durch den er so schwer verletzen konnte , und selbst da , wo er auf das bestimmteste ablehnt , lehnt er nur ab , weil er muß . Er schreibt eigenhändig von Breslau aus : » Madame , Sie stellen sich die Dinge sehr anders vor , als sie sind . Bedenken Sie , daß ich seit einem Jahre weder Gehalte noch Pensionen zahle ; bedenken Sie , daß mir Provinzen fehlen , daß andere verwüstet sind ; denken Sie an die enormen Anstrengungen , die ich machen muß , und Sie werden einsehen , daß meine Ablehnung nur in der völligen Unfähigkeit ihren Grund hat