Beichtstuhl in einer Stimmung verließ , als könnte er mit seinem einzigen Arme einen der Riesenpfeiler der Kathedrale ausheben . So viel Kraft lag dem Doctor Abadonna in dem magischen Worte : Rom und sein Glaube . Winterlich weiße Leichenfelder lagen in Bonaventura ' s Brust . So öde und schauerlich wehte Schneesturm durch sein Inneres , wie auf der Alpeneinsamkeit , die der Dechant beim Bericht seines Besuches auf dem St.-Bernhard geschildert ... Auch der Morgue des St.-Bernhard mußte er gedenken ... Muth und Ausdauer sprachen ihm die Stimmen der Augustinerchorherren nicht mehr so beredsam wie einst . 5. Eine wie eitle Matrone ! sagte sich Bonaventura , als er durch das kleine Schiebfensterchen seines Beichtstuhls eine graue Locke unter einem Hute hervorgeglitten auf einem Taschentuche liegend bemerkte . Ein Matronenhaar in Locken ! Dann aber hörte er die klangvolle Anrede und staunte eine Greisin zu finden , die sich einen so reinen jugendlichen Ton der Rede bewahrt hatte ... Nach den ersten geflüsterten Anreden und Erwiderungen stellte er die Frage um die letzte Beichte . Er hörte , daß diese in Wien bei dem Beichtvater der Hospitaliterinnen stattgefunden ... Dann sagte die Frau , die er für eine Matrone hielt , daß sie gerade deshalb zu ihm gekommen wäre , weil sie ihn schon einigemal beim Austheilen des heiligen Abendmahls gesehen und nicht nur die Geduld bewundert hätte , mit der er unter Hunderten beim Ausspenden des Brotes die Worte sprach : » Herr , ich bin nicht werth , daß du eingehst unter mein Dach ; aber sprich nur ein Wort , so wird meine arme Seele gesund ! « sondern wie er jene Worte auch jedem so , als wenn er ihn persönlich kannte , gesprochen , jedem so , als wenn sie gerade für ihn bestimmt wären . Deshalb wage sie , ihn mit sich selbst zu belästigen , fürchtend freilich , daß seine Zeit zu gemessen wäre ... Bonaventura hatte die Absicht , Lob und Sorge um seine Zeit mit einer Handbewegung abzulehnen . Da blickte er etwas auf und erkannte unter der damals üblichen Form des Hutes mit langgeschweiften Seiten , die die Wangen verdeckten , ein jugendliches Antlitz und nun in Vergleichung mit den Locken und nach der Erwähnung Wiens war es nur die Oberstin von Hülleshoven aus Benno ' s zutreffender Beschreibung ... Noch ehe er vor Ueberraschung mehr als ein ermunterndes und beruhigendes : Bitte ! erwidert hatte , sprach schon die Beichtende : Ich bekenne mich zu der Unruhe , in welche die Seele durch Grübeln und Denken versetzt wird , bekenne mich zum Zweifel an allem , an Gott , dem Erlöser , an Kirche und künftigem Gericht ! Bonaventura verhüllte sich in seine Stola und sprach nach einigem Bedenken auf dies schmerzlich entschiedene Wort : O ihr Heiligen ! Sie geben Ihrem Zustand vielleicht viel schneller einen Namen , als Sie ihn noch ergründet haben ! Sie hatten sich des religiösen Lebens vielleicht nur entwöhnt . Plötzlich drängt Sie irgendeine Stimmung zu ihm zurück und nun erschrecken Sie , nicht mehr alles so zu lieben und zu glauben , wie Sie in Ihrer Kindheit es liebten und glaubten . Machen Sie doch diese Rückkehr nicht zu übereilt ! Vor der Feuertaufe des Herrn kam die Wassertaufe des Johannes ! Legen Sie sich doch erst Uebungen zum Uebergange auf ! Keine Geißelung des Körpers , keine Entbehrung Ihrer Sinne , nur eine gewisse Ascetik des Denkens . Sehen Sie , gewöhnen Sie sich einfach , überall den Finger Gottes zu suchen . Nehmen Sie nichts mehr , was Ihnen begegnet oder was Sie vom Schicksal anderer , ja vom Leben der ganzen Welt in Erfahrung bringen , in dem leichten Sinne , der nur die Erscheinung als solche betrachtet . Streben Sie vielmehr darnach , alle Erfahrungen , die Sie machen , zu verbinden , ihren geheimen Sinn und Zusammenhang zu ergründen , ihrer Folgerichtigkeit nachzuspüren und nennen Sie dann das , was Sie sonst in der Sprache des Denkens Zufall , Ungefähr , Wille , eigene Absicht nannten , einfach und kurzweg Gott . Wenn Sie diese Begegnung Gottes in kleinen Dingen stündlich suchten , würde das Aberglaube werden . Aberglaube kann es sein , die ganze majestätische Größe Gottes immer auch bei kleinen Leiden und Freuden sich gegenwärtig zu denken . Aber jenen Fußtapfen der wandelnden Gottheit nachgehen , die in Ernstem und Wichtigem liegen , gibt Erhebung . Sie werden staunen , wo Sie überall diese Schritte abgedrückt finden , wenn Sie nur erst anfangen , für alles das , was die Welt gleichsam namenlos hinstellt , gleichsam mit einem » Man « einführt oder mit einem » Es « ( » es wird sich zeigen « ) oder sonst mit einer Form der reinen Genüge des Menschen an sich selbst , den Herrn der Welt einzuführen . Versuchen Sie das ! Zu einem Gott sich erheben , der außer uns und unendlich hoch über uns wohnt , ist allerdings schwer ; denn je näher wir ihm da zu kommen suchen , desto entfernter rückt er . Nehmen Sie also Gott zu Ihrem steten Begleiter , nur daß er einige Schritte vorangeht , nicht immer Ihnen zur Seite , nehmen Sie ihn zum Erfüller aller der Pausen , die Ihnen das Leben läßt , zu der zweiten Person , die in Ihrem Gewissen mit Ihnen redet , zu dem unsichtbaren Freunde , der in einem dunkeln Zimmer , wo Sie über irgendein Vorhaben brüten , mit Ihnen Rath hält ! Ist das von Ihnen eine Zeit lang versucht worden , so werden Sie auch allmählich wieder anfangen , christgläubig und kirchlich zu denken . Es wäre also der umgekehrte Weg , den ich früher einschlug , alles , was mir sonst Gott hieß , gerade anders zu nennen ! sagte Monika und ihre Gedanken verweilten einen Augenblick bei der Gräfin Erdmuthe , die noch gestern beim Abschiede gesagt hatte : » Der Herr schenkt mir