Solch ' Echo bin ich nicht : all ' meiner Seele Schwung Entspringt aus einem nur , aus der Bewunderung Womit ich vor dir steh ' ; dein Tun , das in mir lebt , Dein Schicksal ist ' s allein , was mich zu dir erhebt . Es huldigt mir dein Wort ; ich habe des nicht Leid , Ist doch huldvolles Wort der Hoheit schönstes Kleid , Und du , du botest mehr , der Grazien schöne Hand Gestaltete zum Lied , was deine Huld empfand , Du gabst mehr Ehre mir , als je mein Herz erfuhr , Und all ' mein Sein ist Dank und stille Huld ' gung nur . Dies sei genug . Auffallend ist es , daß sich in diesen Versen , die spätere Ruhmesbezeichnung gleichsam antizipierend , bereits der Ausdruck » le grand Frédéric « vorfindet . Das bewundernde Hinaufblicken aber zu diesem grand Frédéric erklärt sich wohl überwiegend aus der erst kurze Zeit zurückliegenden » Küstriner Tragödie « , die den Kronprinzen , vor aller Welt Augen , mit einem Märtyrer- und Glorienschein umkleidet hatte . Ich sagte , die Sechsfüßler , die der Kronprinz seinen Briefen beilegte , waren doppelter Art : einerseits Huldigungen gegen Frau von Wreech , andererseits kleine literarische Beilagen , die ein Geplauder , einen Meinungsaustausch , eine espritvolle Kontroverse wachrufen sollten . Begreiflicherweise sind es diese letzteren , denen ich ein besonderes Gewicht beilege , weil sie das ästhetisch-literarische Fundament des Verhältnisses ungleich besser charakterisieren , als jene Huldigungsstrophen . Diese literarischen Beilagen bestanden zunächst aus Satiren , ebenfalls in den unvermeidlichen Alexandrinern geschrieben . Er rächt sich in ihnen für alle während seiner Gefangenschaft erlittene Unbill und jeder , der ihn gepeinigt oder auch nur vorübergehend gelangweilt hat , erhält seinen Geißelhieb . Der Gouverneur von Lepel , der Kammerdirektor Hille , die neidische Frau von Wolden , alle ziehen sie noch einmal vorüber , zuletzt die Colonelle Eberts , von der es heißt , » daß sich über ihre Dummheit eine ganze Äneide schreiben ließe . « An Noten , Erläuterungen und Randbemerkungen ist kein Mangel , und in einem Postskriptum erfahren wir , daß die ganze Satire in etwa vierzehn Tagen geschrieben und doch immer noch voller Fehler sei , während alles Gute darin dem Horaz oder Juvenal entstamme . Oder auch dem Boileau . So waren die Verspakete , die die kronprinzlichen Briefe nach Tamsel hin begleiteten . Diese selber glichen Aufsätzen und hoben das literarische Interesse weit über das Herzensinteresse hinaus . Etwa um die Mitte November , kurz vor seiner völligen Aussöhnung mit dem Vater , schreibt er : » Verehrteste Cousine ! Des guten Glaubens , daß Sie zu meinen besten Freunden in diesen Gegenden zählen , kann ich nicht unterlassen , Ihnen einen Plan mitzuteilen , der sich auf meinen demnächstigen Einzug in Berlin bezieht . Es ist ungefähr folgendes , was ich Ihnen darüber mitzuteilen habe . Der Zug soll durch eine Herde jener verpönten Tiere von zartem Fleisch und unzarten Gewohnheiten eröffnet werden , denen die Aufgabe zufallen wird , aus Leibeskräften und in Gemäßheit angeborener Instinkte zu schreien . Dann folgt eine Schaf- oder Hammelherde unter Führung eines meiner Kammerdiener . Danach eine Herde podolischer Ochsen , die mir unmittelbar voraufgehen . Nun ich selbst . Mein Aufzug ist folgender : ein großer Esel trägt mich , so einfach als möglich aufgeschirrt . Statt der Pistolenhalfter befinden sich zwei Getreidesäcke vor mir , und ein tüchtiger Mehlsack vertritt die Stelle von Sattel und Schabracke . So sitz ich da , einen Knüttel als Peitsche in der Hand und einen Strohhut statt des Helmes auf dem Kopf . Zu beiden Seiten meines Esels marschiert ein halbes Dutzend Bauern mit Sensen , Pflugscharen und anderen Attributen der Landwirtschaft , und müht sich Schritt zu halten und einen Ernst zu zeigen , wie er der Sache angemessen ist . Dann folgt , auf der Höhe eines schwerbeladenen Heuwagens , die heroische Gestalt des Seigneur von Natzmer , der Wagen selbst von vier Ochsen und einer Stute gezogen . Ich bitte Sie , verehrteste Cousine , mich bei Anordnung dieser Zeremonie unterstützen zu wollen . Was mich angeht , so zieh ' ich es vor , eine wirkliche Ursache zu Hohn und Spott zu geben , als ohne allen Grund von einem frechen Volkshaufen ausgelacht zu werden . Ich treffe alle Vorbereitungen für diesen meinen Einzug und warte nur noch Ihrer Ordre , um sie ins Werk zu setzen . « Dieser Brief , mit allen seinen Vorzügen und Schwächen , was ist er anders , als ein kleiner humoristischer Versuch , der der schönen Freundin in Tamsel übersandt wird , um bei nächster Gelegenheit einiges Schmeichelhafte darüber zu hören . Noch einmal , die ästhetisch-literarischen Bedürfnisse des Kronprinzen schufen und unterhielten das Verhältnis , und wenn die Gefühle des jungen Poeten , wie kein Zweifel ist , zu Zeiten die Gestalt einer leidenschaftlichen Zuneigung annahmen , so bleibt es doch mindestens ungewiß , ob diese Neigung eine glückliche , eine gegenseitige war . Wenn wir darüber die Schlußsätze des letzten Briefes vom 20. Februar zu Rate ziehen , so scheint es beinahe , daß Frau von Wreech einfach hinnahm , was sie nicht ändern konnte , und daß sie , namentlich nach Ablauf einer ersten Epoche poetischer Bewunderung , des Kronprinzen Liebe mehr duldete als erwiderte . Diese Schlußsätze des prinzlichen Briefes lauten : » So schicke ich Ihnen denn mein Bild . Ich hoffe , daß es mich wenigstens dann und wann in Ihre Erinnerung bringen und Sie zu dem Zugeständnis veranlassen wird ; er war au fond ein guter Junge ( un assez bon garçon ) , aber er langweilte mich , denn er liebte mich zu sehr und brachte mich oft zur Verzweiflung mit seiner unbequemen Liebe . « Diese Worte , die fast wie ein Resümee klingen , sind mir als besonders charakteristisch erschienen . Ende Februar verließ der Kronprinz Küstrin , um