Schläfe zurück ... ich entfloh ... Als Mörder ! Denn Sie durften annehmen , daß er diesmal nicht wieder zum Leben erwachte ! Der Mörder schwieg ... Es war eine Bejahung . Die tückische List seiner Erzählung stellte nicht ganz die Aufrichtigkeit aller seiner übrigen Geständnisse in Abrede . Er kam auf seine Bekanntschaft mit der Hauptmännin von Buschbeck , auf die Vermittelung ihrer Anliegen wegen ihrer Gelder , ihren bösen , menschenfeindlichen Sinn , er deutete die Beziehungen dieser Frau zu dem Krieger , Jäger , dann Mönche Hubertus an , Beziehungen , die in Erfahrung zu bringen Bonaventura wiederholt ablehnte , und berief sich für seine letzte That auf das , was bereits vor den Assisen von ihm bekannt war ... Der schrillste Nachklang , der durch alle diese Worte hindurchtönte , blieb die Andeutung über Dominicus Nück . Sie war eine Rache für den verweigerten Griff in die Dose ... Vielleicht auch hatte der Mörder ein Entkommen durch Nück gehofft , vielleicht Nück durchschaut , der ihn am liebsten für immer aus der Welt geschafft sah . Ein noch Lebender , rastlos und muthvoll in der Gegenwart wirkend , lag da nun in seinem tiefsten Lebensgeheimnisse aufgedeckt vor den Augen eines Priesters , der täglich mit ihm verkehren , täglich harmlos und scheinbar unbefangen mit ihm sprechen konnte , auch so nur mit ihm sprechen durfte ! ... Das sind Bürden ! sprach es in Bonaventura ' s Innerstem ... Zwar wandte er noch die ganze Kraft seiner Beredsamkeit an , die Stunde , die er an diesem düstern Orte verweilt hatte , zu einer für den Bewohner desselben heilsamen zu machen ... Um den Segen Gottes für den Unglücklichen betete er , wünschte ihm Muth für seine letzte Stunde und war im Begriff , mit den Fragen : Haben Sie mir keinen weitern Auftrag auszurichten ? An Ihre Mutter ? An sonst Zurückbleibende ? eine heilige Handlung abzuschließen , die ihn selbst mehr erschütterte , als den Verbrecher ... Lauernd sprach dieser : Ich könnte noch etwas Gutes thun ! O thun Sie es ! Gott wird es Ihnen anrechnen ... Es war eine That im Werke ... Ein neues Verbrechen ? Eine Urkunde - die ich - schreiben ließ - Eine verfälschte - ! Sie sollte bei einer - angelegten Feuersbrunst - All ihr Heiligen ! rief Bonaventura . Wer ist davon bedroht ? Wen kann ich über die Gefahr warnen ? Ist die Gefahr schon nahe ? Einen Menschen hatt ' ich gewonnen ... einen - der sich verbergen muß ... den ich nicht nennen kann ... Ich will ihn nicht genannt hören , ich will ihn mahnen , ohne daß ich ihn kenne ! Durch irgendeine Adresse ! Reden Sie ! Was kann ich thun , ein solches Verbrechen zu hindern ? Hammaker schwieg plötzlich ... Bonaventura ' s Eifer riß ihn zu den Fragen hin : Wer ist es , den die falsche Urkunde benachtheiligen soll ? Wer hat Sie selbst zu dieser That überredet ? Wer ist der Leiter dieses Complotts ? Reden Sie ! Reden Sie ! Bei dem Angesichte Gottes , das Sie in wenig Stunden - In diesem Augenblick rollten wieder die Kugeln über der Zelle hin und vergegenwärtigten Hammakern die dünne Bauart der Decke ... Blitzesschnell schienen sich die Gedanken des Mörders zu ändern ... Hoffnung belebte seine Gesichtszüge ... Bonaventura stand erwartungsvoll , aber vergebens . Hammaker schwieg . Reden Sie ! donnerte Bonaventura . Das Geräusch über ihnen dauerte fort ... Hammaker sprang auf ... Die Kette riß ihn nieder ... Unverwandt starrte er auf die Decke ... Wenn dich doch noch Nück befreite ! stand auf seinen verzerrten Gesichtszügen ... Reden Sie ! wiederholte Bonaventura ... Lassen Sie es , stöhnte Hammaker , ohne mich - kommt die Sache nicht zur Ausführung ... Sie verharren in der Lüge ! rief Bonaventura . Wer ist gedungen ? Wer sind die Bedrohten ? Eine Fälschung ? Eine Urkunde ? Eine Feuersbrunst ? Hammaker schwieg ... Bonaventura versuchte jede Kunst der Ueberredung ; vergebens ... Hammaker sprach nur dumpf : Ohne mich kommt nichts zur Ausführung ! Ich habe bekannt ! Es ist - vorüber . Ich kann - in Frieden - sterben ... Bonaventura mußte tiefseufzend nachgeben . Er betete um die Gnade Gottes und entfernte sich in einem Zustande , wie ihn die Märchen erzählen von Hirten , die in eine Felsenspalte sahen , die Geister belauschten und für immer verstummten ... Wie schwer trug seine Seele , als er von dannen schritt ! Auf dem Gange traf er alle , die ihn hinaufbegleitet hatten ... Nück ' s Nachkommen wußte er nicht und fand ihn auch nicht mehr ... Doch am folgenden Morgen klagte sich im Beichtstuhl eine ihm bekannte Stimme aller Leidenschaften , aller Laster der Erde , aber auch der Verbitterung durch Unglück und des Menschenhasses an ... In ihrem Tone , in einem tief eingeschüchterten Aufblick zweier scharfer Augen lag eine Angst und Beklommenheit , die Bonaventura wieder auf einen Verbrecher schließen ließen . Er erkannte die Stimme nicht sogleich . Erst nach den Andeutungen von seinem Beruf und einem Hinweis auf so manche Verschleierung der Wahrheit , die er sich im Processe Hammaker erlaubt hatte , begriff Bonaventura ... Es war Nück ... Entsetzen ergriff ihn ... Nück beichtete mancherlei , aber offenbar war er nur gekommen , um zu hören , wie Bonaventura mit ihm sprechen würde ... Des Priesters mildes Herz fühlte sich gedrungen , Nück ' s Verzweiflung zu beruhigen . Er deutete an , daß auch für ihn die Beichte dieselbe Bedeutung hätte , wie sie für jenen Bischof gehabt haben soll , der , der Sage , nicht Geschichte nach , sich eher von einem Fürsten in die Wellen der Moldau werfen ließ , als daß er ein Geheimniß verrieth , das er von dessen Gattin unter dem Siegel der Beichte wußte . Kein Wunder , daß Nück sich mit neuem Lebensmuth erhob und den