schnellste Flucht ergriffen vor den Vollstreckern der gefürchteten heimlichen Acht . Die zum Mordbrand Verschwornen , sammt ihren Söldnern und Gesellen hatten sich nicht minder , von blindem Schreck gejagt , nach allen Seiten hin zerstreut . Der Unbändigste und Frechste aus ihrer Mitte war vom schnellen Tod dahingerissen worden , den seine frevelnde Zunge gerade herbeigerufen , - und Jeder der Übrigen war sich mancher schweren Schuld geheim bewußt . Die Spannung der Trunkenheit war gewichen , die Erschlaffung der Kräfte und die Pein des Gewissens war zurückgeblieben . Ohne ferner an die Verübung des gräßlichen Mordplans zu denken , irrten die Teilnehmer desselben in den Gassen der Stadt umher , und ihre Furcht wuchs mit jedem Augenblicke mehr heran , denn mit Staunen und Herzklopfen hörten sie , wie plötzlich , rasch hintereinander alle Glocken auf den Kirchthürmen wach und lebendig wurden , wie die Wächterhörner von den Zinnen bliesen , laut und dringend , wie das Gämperlein1 läutete , die Schnurre durch die Straßen lief , wie die Trommel vor dem und Quartier der Söldner wirbelte und die Trompete die Reisigen zu dem Sammelplatze rief . Lichter und Laternen wurden allenthalben ausgesteckt , in allen Häusern wurde es hell und lebhaft . Die Zünfte , Rotten und Fähnlein der Bürger und Söldner strömten zusammen auf ihren Lärmplätzen . Die Bürgermeister mit den Bannern , den laufenden Gesellen und den Zünften der Altstadt hielten auf dem Samstagsberge und vor dem Falkenstein ; in der Neustadt riefen die Hauptleute vor St. Marthen und Katharina die ihrigen auf . Der Schultheiß jagte zu Pferde , wie ein Wüthender zu seinen Reitern auf dem Liebfrauenberge ; und nach Sachsenhausen hinüber der Oberstrichter , um dort den Befehl zu übernehmen , und die verdächtigen , daselbst gelagerten Ägypter zu bewachen und zu beobachten . Um die Verbindung mit der Stadt zu unterhalten , blieben die Brückenthore offen , wiewohl mit Wachen und freiwillig herbeieilenden Bürgern besetzt ; denn es hatte sich das Gerücht verbreitet , die Stadt sollte mörderisch angestoßen werden mit Feuer und Schwert , und jeder zitterte für seine Habe , und jeder entbrannte in Begierde , für das gemeine Wesen sein Schwert zu ziehen . Die vielen Fremden , aus dem Schhlummer aufgeschreckt durch das Getöse und die Besorgniß ihrer Wirthe , hatten sich , in Landsmannschaften getheilt , und bewaffnet , um ihre Niederlage versammelt ; streifende Rotten von Spiesknechten durchflogen die Straßen , aufgreifend Alles , was verdächtig schien , und vor dem Römer glimmten die Lunten der Hakenschützen , kampf- und streitfertig . Noch suchte jedoch das Auge der Gewarnten und Gerüsteten vergebens den bewehrten Feind . Er hatte die Waffen weggeworfen und . irrte vermummt und verzweifelnd über Plätze und Gassen , das Dunkel suchend , und einen rettenden Ausweg . Dieser letztere war aber nicht zu finden , und so mußten die Verschwornen sich begnügen , einen Schlupfwinkel für den gefährlichsten Augenblick zu erspähen . Am Schlimmsten war daran der von Leuenberg , in dessen Gehirne noch der Taumel des Weins tobte , während seine Füße Blei waren , und der Hornberger , der mitleidig bei ihm aushielt , alle Mühe hatte , ihn mit Gewalt von der Stelle zu schleppen . Zodick ' s Hinrichtung hatte den fürchterlichsten Eindruck auf ihn gemacht , und er sah sich selbst schon unterm Schwert des Nachrichters . So prahlend seine Zunge sonst gewesen , so feige war sie jetzt , und er hätte sich zum Mönch scheeren lassen um den Preiß seiner Rettung . Aber diese Rettung war ihm nicht beschieden . Die schwarze Stunde trat auf seine Ferse . Am Ausgang eines Gäßleins warf sich den Flüchtigen ein Trupp von Fußknechten in den Weg , und trennte sie . Während auf der einen Seite der Hornberger angehalten wurde , und seine Kunst , so frech zu lügen , daß man ' s glauben mußte , in Anwendung brachte , verbarg sich Leuenberg unter die Bank eines Eckhauses , und kroch schwerfällig hervor , da die Söldner weiter gezogen waren . Mit aller Schwere seines Körpers und seines eiligen Laufs fiel er einem unfern gehenden Manne , den er für Hornberg hielt , um den Hals und in die Arme . » Pest und rother Hahn ! « rief er , obwohl leise genug : » Du hast Dich meisterlich durchgelogen , Veit ; und nun laß ' uns weiter gehen . « - Der Mann brummte einige unverständliche Worte , und suchte sich los zu machen . Um so fester klammerte sich der Leuenberg an ihn , und raunte ihm hastig und bebend in ' s Ohr : » Hornberger ! Du wirst mich doch jetzt nicht verlassen wollen ? Nur jetzt nicht Bruder , denn beim Teufel , ich bin schwach wie ein Kind , und in meinem Herzen spür ' ich ' ne Angst , wie ich sie nicht verspürt , da ich dem Dürning den Rest gab , ob ' s gleich mein erstes Stücklein war . « - Da stieß der Mann , Veits böser Engel - einen gellenden Schrei der Überraschung aus , und eine derbe Faust packte den Raubjunker wild bei der Brust . » Hund ! « rief eine fremdartige Stimme : » Du bist ' s also ? Du der Schelm , der meinen Herrn ermordet hat ? Nieder mit Dir , Mordbube ! « - Beim auflodernden Schein eines Pechkranzes sah Veit mit sträubendem Haar in ein wüstes , grausam verzerrtes Gesicht , und dieser Blick war sein letzter , denn Ammon ' s Jagdmesser übte die langgenährte Blutrache fürchterlich und schnell , daß kein Laut dem Darniedersinkenden mehr über die erbleichenden Lippen ging . Ammon stand eine Weile mit wilder Zufriedenheit bei dem Entseelten , steckte den rächenden Stahl in die Scheide , und murmelte : » Wenn das nur Zufall war , so bin ich ein Schurke , und will schlechter seyn , als der gemeinste Heide . Nach so langer Frist mußte ich