um des Philistus willen verscherzen sollten . 15. Learch an Aristipp . Ich will dir nicht verbergen , lieber Aristipp , daß es ( wie du zu vermuthen scheinst ) Dionysius selbst war , von dem ich durch einen Freund in Syrakus ersucht wurde , mich bei dir nach Philisten zu erkundigen . Wie wenig dieser auch bisher durch sein Betragen während seiner Verbannung aus Sicilien Anlaß gegeben , ihm heimliche Anschläge und Vorkehrungen zu einer eigenmächtigen Rückkehr zuzutrauen , so gewiß scheint es doch , daß der alte Tyrann ( der mit dem zunehmenden Gefühl der Abnahme seiner Kräfte immer mißtrauischer und argwöhnischer wird ) durch das schnelle Verschwinden Philist ' s aus Italien und durch seinen Aufenthalt in einem weit entfernten Freistaat ( wo es um so leichter scheint , die Anstalten zu einer solchen Unternehmung zu verheimlichen ) merklich beunruhigt worden ist ; zumal da sein Bruder Leptines zeither neue sehr ernstliche Versuche gemacht hat , ihn zur Zurückberufung seines Schwiegersohnes zu vermögen . Mehr bedurfte es nicht , um den Verdacht bei ihm zu erregen , daß man mit einem Entwurf schwanger gehe , dessen Ausführung seine Einwilligung allenfalls entbehrlich machen könnte . Wenn ich den Dionysius recht kenne , ist es indessen doch weniger die Furcht , daß Philist etwas gegen seine Person zu unternehmen fähig sey , als sein Widerwille , einem so schwer beleidigten ehmaligen Freund wieder ins Gesicht zu sehen , und wenigstens stillschweigende Vorwürfe eines kaum verzeihlichen Undanks in seinen Augen zu lesen , was den stolzen alten Selbstherrscher so unbeweglich gegen die Vorstellungen seines Bruders und die anhaltenden Bitten der Frauen des Palastes macht . Bei so bewandten Dingen habe ich für gut befunden , ihm deinen Brief an mich in der Urschrift mitzutheilen , um ihn desto eher zu überzeugen , daß er sich von dieser Seite völlig sicher halten könne . Er hat mir eine für dich und mich sehr schmeichelhafte Antwort geben lassen ; aber daß ich meine Absicht nur sehr unvollkommen erreicht habe , davon werdet ihr in kurzem einen Beweis in der Erscheinung eines Abgesandten sehen , der bei eurer Republik um die Erlaubniß ansuchen soll , hundert Freiwillige , aber geborne und angesessene Angehörige von Cyrene , unter sehr annehmlichen Bedingungen zu Vermehrung der Leibwache des Tyrannen anzuwerben . Daß der Abgeordnete neben diesem öffentlichen noch einen geheimen Auftrag hat , wozu jener nur der Vorwand ist , nämlich Philisten aufs genaueste zu beobachten , brauche ich dir nicht erst zu sagen ; denn auf alle Fälle ist die bisherige Leibgarde stark genug , um durch den Zuwachs von hundert Cyrenischen Bauerjungen nicht viel furchtbarer zu werden . Inzwischen ist auch Leptines überall von Späheraugen umringt , und ihm sowohl als allen andern Syrakusiern ist alle Gemeinschaft mit Philisten von neuem aufs schärfste untersagt . Dieser wird also wohl thun , sich mehr als jemals ruhig zu verhalten . Vielleicht ist die Zeit seiner Erlösung näher als er glaubt . Denn die Gesundheit des Alten soll in so großen Verfall gerathen seyn , daß ( wie die Rede geht ) alle Kunst der Hippokratischen Schule sein Leben höchstens noch ein paar Jahre fristen kann , wenn anders seine Leibärzte nicht etwa aus Gefälligkeit gegen den Nachfolger in Versuchung gerathen , es vielmehr abzukürzen als zu verlängern . Uebrigens kann ich ihm nicht sehr verdenken , wenn er gegen alles , was sich ihm nähert , immer mißtrauischer wird , seitdem die Welt an dem berühmten Thessalier Jason ein neues Beispiel gesehen hat , wie unsicher das Leben solcher Fürsten ist , die sich , ohne einen andern Titel , als das stolze Gefühl ihrer persönlichen Ueberlegenheit , aus dem Privatstand auf den Thron geschwungen haben . Seit dem Peleiden Achilles brachte Thessalien keinen Mann hervor , der würdiger war ein König zu seyn als Jason ; und wenn Dionys ihm auch an den Talenten , die dazu erfordert werden , gleich oder vielleicht noch überlegen war , so stand er hingegen an allem , was den Menschen Zutrauen und Liebe abgewinnen kann , desto weiter unter ihm . Gleichwohl mußte der großherzige Jason schon im vierten Jahre seiner Regierung unter Mörderhänden fallen , und der verhaßte Dionysius beherrscht die unlenksamen Sicilier schon im sechsunddreißigsten ! Dieß sollte , scheint es , diesen sicher machen ; aber das Bewußtseyn , wie viele Gewalt und List , welche nie ermüdende Wachsamkeit und Anstrengung es ihm gekostet sich so lange zu erhalten , wirkt gerade das Gegentheil . Diese sich immer auf allen Seiten vorsehende , allenthalben hinlauschende , argwöhnische , überall Gefahr witternde Aufmerksamkeit ist ihm zur andern Natur geworden ; sie besteht sogar mit der höhnischen faunenhaften Art von lustigmacherischer Laune , die ihm eigen ist . Daher glaube ich auch , daß er bei weitem nicht so unglücklich ist , als Plato seinen Tyrannen schildert ; ungeachtet er das Mißtrauen so weit treibt , daß niemand ( selbst seinen Bruder und seine Gemahlin nicht ausgenommen ) sich ihm nähern darf , ohne vorher aufs genaueste durchsucht worden zu seyn , und daß er sich in seinen Wohnzimmern bloß von zehnjährigen Kindern in leichtem fliegendem Gewande , wie unsre Maler die Zephyrn und kleinen Liebesgötter zu kleiden pflegen , bedienen läßt . Diese vorsichtigen Maßnehmungen mögen nicht ganz überflüssig seyn ; ob sie aber auch gegen die Tränkchen seiner Leibärzte helfen werden , muß die Zeit lehren . Was Philists Sicilische Geschichte betrifft , so denke ich , wie du , daß ihm niemand wehren konnte , einen Mann , der von seinen Gegnern vor der ganzen Hellas verleumdet wird , in eine Beleuchtung zu stellen , worin die großen und guten Eigenschaften , die ihm seine bittersten Feinde selbst kaum streitig machen können , so stark hervorstechen , daß sie eine dem Ganzen vortheilhafte Wirkung thun . Was ich tadeln möchte , ist bloß , daß er diese seine Absicht nicht besser zu verbergen gewußt hat . Gern will ich ihm zugeben , daß