folgenden Erklärung sehr gelassen entgegenzusehen ; er lehnte sich an den Baum und erwartete ruhig den Kommenden . Ein halb verächtlicher Ausdruck lag dabei auf seinem Gesichte ; aber der Angriff sollte mit einer Waffe geführt werden , an die er nicht gedacht . Ottfried trat ihm keineswegs in hellem Zorn entgegen ; im Gegentheil , sein Gesicht war wieder vollkommen glatt und ruhig ; aber ein boshaftes Lächeln spielte um seine Lippen und mit einem unverkennbaren Hohne begann er : „ Erlauben Sie mir , Hochwürden , Ihnen etwas zurückzustellen , was Sie im Eifer Ihrer Beschützerrolle ganz und gar vergessen zu haben scheinen . Das Werk hier ist doch wohl Ihr Eigenthum , oder ziehen Sie es vor , zu behaupten , daß Fräulein Günther sich auf ihrem Waldspaziergange mit Spinoza beschäftigt hat ? “ Der Stich traf doch . Benedict erbleichte einen Moment lang und ein heftiger Blick glitt über den verrätherischen Band , den Ottfried in Händen hielt ; aber er faßte sich sofort wieder . „ Das Buch gehört mir ! “ sagte er ruhig , die Hand danach ausstreckend . Ottfried jedoch schien die Herausgabe vorläufig noch weigern zu wollen . „ Ein höchst interessantes Studium ohne Zweifel ! “ fuhr er boshaft fort . „ Nur ist die Beschäftigung damit , so viel ich weiß , im Kloster auf ’ s Strengste verboten und mit den schwersten Bannstrafen belegt ; oder sollte ich mich irren ? Vielleicht können Sie mir darüber Auskunft geben , Hochwürden . “ Zu der Verachtung in Benedict ’ s Antlitz gesellte sich jetzt ein leiser Zug von Ironie , als er entgegnete : „ Sie haben vollkommen Recht , Herr Graf . Sie sehen , ich lese das Buch auch nicht im Kloster ; ich nehme es mit mir in den Wald hinaus . Uebrigens steht es Ihnen frei , bei dem Herrn Prälaten den Angeber zu machen , wenn Sie sich sonst mit diesem ritterlichen Geschäft befassen wollen . “ „ Herr Pater , ich verbitte mir dergleichen beleidigende Aeußerungen ! “ sagte der Graf in hohem Tone . [ 87 ] „ In Ihren Worten sollte doch wohl eine solche Drohung liegen , “ gab Benedict kalt zurück . „ Ich habe nur diese eine Antwort darauf ! “ Ottfried hatte jedenfalls geglaubt , einen ausgezeichneten Trumpf in der Hand zu haben ; er sah jetzt , daß auf diesem Wege nichts zu erreichen war , und ließ deshalb den Gegenstand fallen . „ Es handelt sich nicht darum , “ sagte er scharf , „ sondern um Ihre unberufene Einmischung in meine Angelegenheiten . Ich weiß , daß mein Vater Sie zu meinem Beichtiger bestimmt hat , und diese Bestimmung gab jedenfalls den alleinigen Anlaß dazu ; aber ich möchte Sie denn doch darauf aufmerksam machen , Hochwürden , daß ich Ihnen außerhalb des Beichtstuhls keine Befugniß zuerkenne , mein Thun und Lassen einer Kritik zu unterziehen , am allerwenigsten in der Art und Weise , wie es vorhin geschah . Den Bauern mag dies unfehlbare Auftreten imponiren , und ihnen gegenüber mag es auch am Platze sein – ich beanspruche andere Rücksichten ! “ Die dunklen Augen Benedict ’ s richteten sich fest und stolz auf den Grafen . „ Was mir das Recht zum Einschreiten bei den Bauern giebt , wird wohl auch Ihnen gegenüber am Platze sein , Graf Rhaneck . Uebrigens handelte ich diesmal nicht in meiner Eigenschaft als Priester , ich erfüllte einfach meine Pflicht als Mann , indem ich ein junges , unerfahrenes Kind vor Einflüsterungen und Betheuerungen bewahrte , denen es wahrscheinlich geglaubt hätte , und die in Ihren Augen jedenfalls so leicht wiegen , daß sie nicht über die Zeit Ihres Aufenthaltes hier hinausreichen . Wenn Sie sich überhaupt im Rechte fühlten , warum wichen Sie dann meiner Autorität ? Ihrer Bewerbung steht ja wohl der Weg nach Dobra offen , ich bezweifle aber , daß Sie eine solche beabsichtigten . “ „ Ich werde Sie schwerlich zum Vertrauten meiner Entschlüsse machen ! “ unterbrach ihn Ottfried hochfahrend , „ und ich wiederhole es Ihnen , ich dulde fernerhin dergleichen Einmischungen nicht . Wenn ich mich diesmal fügte , so geschah es aus Rücksicht für meinen Vater und meinen Oheim , nicht aus Rücksicht für Sie . “ „ Ich weiß es ! Auch beanspruche ich weder , noch wünsche ich eine Rücksicht von Ihnen , Herr Graf ! “ Der kalte verächtliche Nachdruck , den Benedict auf die letzten Worte legte , hätte wohl auch einen Anderen als Ottfried gereizt , den jungen Grafen , der gewohnt war , sich für unnahbar anzusehen , empörte er . „ Erinnern Sie sich gefälligst , mit wem Sie sprechen , Herr – Bruno . Sie scheinen ganz zu vergessen , daß Sie das Priestergewand , das Sie allein so kühn macht , einzig der Gnade meines Vaters danken . Ohne diese Gnade ständen Sie jetzt im Bedientenrock hinter meinem Stuhle und müßten meiner Befehle gewärtig sein . “ Ottfried hatte , als er diese verletzenden Worte hinwarf , doch wohl nicht geahnt , welche furchtbare Wirkung sie hervorbrachten . Benedict war leichenblaß geworden , seine Hände ballten sich krampfhaft und seine Augen schossen einen Blick , daß der Graf einen Schritt zurücktrat und unwillkürlich sein Gewehr fester faßte . „ Sie werden diese Beleidigung zurücknehmen ! “ stieß er heraus und der kochende Ingrimm erstickte fast seine Stimme . „ Hier auf der Stelle werden Sie das thun ! “ Ottfried hatte inzwischen seine augenblickliche Bestürzung überwunden und sich wieder gefaßt . „ Ei , Hochwürden , das ist ja ein recht priesterliches Benehmen ! “ höhnte er . „ Wollen Sie mich nicht lieber gleich auf Pistolen fordern ? Ihr Aussehen ist ganz darnach ! “ Was die Beleidigung begonnen , das vollendete der Hohn : außer sich gebracht , that Benedict einen Schritt ihm entgegen und der Ausdruck seines Gesichtes war derart , daß Ottfried ’