kriechenden Queckenranken , die ihn auf dem wenig beschrittenen , grasigen Wege als lebendige Fußangeln umstrickten , und deren er sich nur erwehren konnte , indem er sie zertrat ... 10. Zwei Tage waren seitdem verstrichen . Gestern war der Baumeister im Hirschwinkel gewesen ; er hatte sich mit den Plänen des Gutsherrn vollkommen einverstanden erklärt und ein möglichst rasches Vorgehen in Aussicht gestellt . Herr Markus hatte ihn bei Besichtigung der Vorwerksgebäude begleitet – selbstverständlich hatte er die Schwelle der Haustür nicht überschritten , dazu war er ja viel zu standhaft in seinen Beschlüssen ; aber er könnte es doch nicht hindern , daß der Amtmann an das Fenster kam , um ihm für den Korb seinen Weines , den er sofort nach seiner Heimkehr auf das Vorwerk geschickt , in feuriger Lobpreisung der edlen Gabe zu danken . Er hatte es auch dankend annehmen müssen , daß ihm ein Gegenbesuch in Aussicht gestellt wurde – und er war auch gekommen , der alte Herr , einige Stunden darauf , so zwischen » hell und dunkel « . Herr Markus hatte in dem Gartenhäuschen auf der Mauer gesessen , und da waren zwei Gestalten am Rand des Gehölzes erschienen – eine männliche , die , den Gehstock schwerfällig aufstapfend , mühselig dahergehumpelt war , und ein weibliches Wesen , auf dessen Arm sich der alte Mann gestützt hatte ... Hatte Frau Griebel nicht gesagt , daß das Fräulein Erzieherin genau eine solche Hopfenstange sei , wie die fremde Magd ? – Nun ja , das war sie gewesen , eine große , schlanke Dame in tadellos sitzendem , weichfallendem , dunklem Kleid – ein grauer Schleier hatte vom kleinen , weißen Strohhut geweht und auch wie ein grauverstaubtes Spinnengewebe über dem Gesicht gelegen . Geradezu lächerlich aber war es gewesen , zu sehen , wie die erbitterte schöne Dame bei Herrn Markus ' Heraustreten auf das Freitreppchen dem Onkel eilig etwas zugeflüstert hatte , um gleich darauf mit wenigen Schritten in das Gehölz zu fliehen und spurlos zu verschwinden ... Und der alte Herr hatte seinen Stock mitten auf den Weg gestemmt , hatte mit steifgewendetem Nacken der Entflohenen verblüfft nachgestarrt und ein heiliges Donnerwetter hinterdrein geschickt , bis ihm die Erleichterung geworden war , sich auf den Arm des herbeigeeilten Gutsherrn stützen und über die alberne Zimperlichkeit der jetzigen jungen Frauenzimmer erbost schimpfen zu können . Es war ein schweres Stück Arbeit gewesen , ihn das Freitreppchen hinaufzubringen ; droben aber hatte er sich behaglich in das weiche Ecksofa gedrückt und vergnüglich das » allerliebste Junggesellennestchen « auf der Mauer gemustert . Gleich darauf hatten Zigarren und zwei grünfunkelnde Römer auf dem Tische gestanden , und der köstliche Duft des edlen Rheinweines war der langhalsigen Flasche entquollen . Herr Markus hatte die neue Hängelampe angezündet , und mit dem Aufflammen des weißen Lichtes war auch der Grund für die zwischen » hell und dunkel « verlegte Besuchsstunde zutage getreten – es war ein gar zu fadenscheiniger , sorgsam geflickter Rock gewesen , der über den hageren Schultern des alten Herrn wie über einem Kleiderstock gehangen hatte . Aber die Wäsche war bezüglich der Weiße und Sauberkeit tadellos gewesen , und auf dem Oberhemd hatte ein unechter Stein in altmodischer Fassung als Busennadel geglänzt . Und das konnte sich Herr Markus nicht verhehlen – es war eine sehr angenehme Stunde gewesen , die er da verlebt hatte . Der alte Mann hatte höchst interessant über Welt und Leben gesprochen und sich als wissenschaftlich gebildet entpuppt , und der seltsame Zug in der Natur dieses leichtlebigen Verschwenders , nach welchem er allezeit und in allen Dingen den besten und wohlbegründetsten Rat für andere , nie aber für sich selber gehabt haben sollte , war dadurch als vollkommen bewahrheitet hervorgetreten . Später hatte der Gutsherr seinen Besuch selbst nach Hause geführt – das war nun wieder nicht zu vermeiden gewesen ; denn allein konnte der Halbgelähmte nicht so weit gehen , und es war niemand gekommen , ihn abzuholen . Zwar hatte Herrn Markus ' scharfes Ohr ein verdächtiges Schlüpfen durch die Stämme an der Wegseite hin aufgefangen ; aber diejenigen , die es so verletzend vermieden , mit ihm in Berührung zu kommen – mochte es nun Fräulein Erzieherin oder die verhaßte Prüde sein – die ließ er auch unbeachtet ; und so hatte er im Weiterschreiten laut zu dem etwas schwerhörigen Amtmann gesagt , es müsse sich Wild in das kleine Gehölz verirrt haben , er höre es vorbeischlüpfen ; und mit einem leisen , spöttischen Auflachen war er weitergegangen , auf dem rechten Arm die ganze Last des weinseligen alten Herrn , und im linken ein Paket Bücher , welche sich der Amtmann vom Eckbrett herabgeholt mit dem Bemerken , daß er nach guter Lektüre förmlich lechze ; er habe ja aus Mangel an Raum seine ganze kostbare Bibliothek , in die er Tausende gesteckt , verkaufen oder vielmehr zu Schandpreisen verschleudern müssen ... Mit Pachter Griebel hatte sich Herr Markus rasch verständigt . Der Wackere hatte sich sofort bereit erklärt , den Gutsherrn bei seinem Samariterwerk zu unterstützen , und seine brave Ehehälfte hatte mit dem Bemerken zugesagt , was ihr Peter einmal wolle , das geschehe ja doch , und wenn er zehnmal seine duckmäuserische stille Miene aufstecke – er habe es eben faustdick hinter den Ohren , und da sage sie denn in Gottesnamen Ja und Amen . Aber verwehren könne es ihr doch niemand , wenn sie den Kopf schüttle und die Hände zusammenschlage über den jungen Herrn , dem ' s jedenfalls zu wohl sei , denn sonst ginge er doch wohl nicht so tanzlustig aufs Eis ... Mit der Frau Amtmann und allenfalls der Fräulein Erzieherin würde sich ' s ja vielleicht leben lassen – es käme ihr nicht darauf an , die alte Frau zu heben und zu tragen und des Nachts bei ihr zu wachen – das täte sie recht gerne , und die stolzen Mucken der Erzieherin , na