daß die Frau den Herrn von Hartwich nie leiden konnte und jetzt tut sie , als wolle sie vergehen vor Jammer ! “ „ Glaubt nur nicht , daß es ihr Ernst ist , “ brummte der Knecht , „ die tut nur so ! “ „ Ja , ja ! “ bestätigte Rieke , „ sie hat keine Träne vergossen — keine Träne , wie sehr sie sich auch mit der Schürze die Augen rieb ! “ „ Glaubt sie , Rieke ? “ fragte eine andere Magd . „ Nu freilich ! “ beteuerte Rieke schlau ; „ das ist ganz sicher , sie hat sich ja nicht ein einziges Mal die Nase geputzt ! “ „ Sie wollte vielleicht nicht die gute Schürze dazu gebrauchen , “ meinte die Andere begütigend . „ Ach was , “ fuhr Rieke , ohne sich irre machen zu lassen , fort : „ wer wirklich ordentlich weint , der muß sich die Nase putzen — er mag wollen oder nicht , und der nimmt , was er gerade in der Hand hat — und wer das nicht tut , dem glaub ’ ich auch nicht , daß er rechtschaffen betrübt ist , er mag mir vormachen , was er will ! Hat Einer von Euch schon , jemals geweint , ohne daß es Wasser gab ? Ich nicht ! “ „ Ich auch nicht ! “ riefen Mehrere . „ Es ist , wahr , sie hat Recht , “ murmelte der Haufe durcheinander , „ weder er noch sie haben sich geschneuzt . Das ist doch ein geriebenes Paar ! Uns für so dumm zu halten , daß wir nicht merken sollen , wie froh sie über des Herrn Tod sind . — Schade , daß das viele Geld in keine besseren Hände kommt . “ Damit zerstreuten sich die Leute und Jeder ging wieder gleichgültig an seine Arbeit . „ Das wäre so weit gut abgelaufen , “ meinte Leuthold , als er mit Bertha wieder oben ankam ; „ aber ein Genie für die Bühne hast Du nicht . “ „ Sei froh , da bist Du doch sicher , daß ich Dir nie eine Komödie vorspielen werde , “ sagte sie und schüttelte sich , als wolle sie den schrecklichen Eindruck des Gesehenen abschütteln , wie den Staub von ihrem Kleide . Das Mädchen war indessen mit dem Kinde zurückgekehrt und hatte den Tisch gedeckt . „ Wir wollen uns heute eine Flasche Champagner erlauben ! “ sagte Leuthold und nahm die Kellerschlüssel . „ Auf eine so große Gemütsbewegung bedarf man der Stärkung ! Laß auch die Lene Eis herauf holen . “ Damit ging er hinaus . Frau Bertha schickte das Mädchen nach dem Gewünschten und dachte selbstzufrieden : „ Die Eisgrube war doch der beste Gedanke meines Lebens ! “ Ihr Töchterchen , das noch vermöge seiner Fülle etwas unbeholfen , war einstweilen unter den Tisch gekrochen und hatte sich dann an dem herabhängenden Tischtuchzipfel aufrichten wollen , letzteres schlug jedoch fehl , da das Tuch nachgab , und ein paar herabfallende Teller und Messer begruben Gretchen unter sich . Bertha riß das schreiende Kind in die Höhe , gab ihm einige derbe Klapse , die weithin schallten und rief zornig : „ So , jetzt weißt Du doch , warum Du heulst ! “ Dann trabte und stampfte sie mit ihm im Zimmer auf und ab , um es zu beruhigen , weil sie wußte , daß ihr gestrenger Gatte kein Kindergeschrei hören wollte . Gretchen wurde eben noch zu rechter Zeit still , als der Papa mit dem Champagner eintrat . Lene brachte Eis und die Flasche wurde hineingestellt . Während sich das Ehepaar zu Tische setzte , ließ Bertha die Trümmer der herabgefallenen Teller wegräumen . „ Ach Gott ! “ murmelte sie , „ nichts als schlechte Zeichen ! Wenn nur unser Glück nicht wie dies Porzellan in Stücke geht ! “ „ Unverbesserliche Närrin ! “ schalt Leuthold , „ wenn wir Alles , was wir wünschen , so sicher hätten , wie unser in gerichtlichen Dokumenten niedergelegtes Erbe , dann tummelte sich in einem Fürstensaale Gretchens künftiger Mann , — dann stünde jetzt schon der beste französische Koch an unserem Herde , — dann . . . “ „ So ! “ unterbrach ihn Bertha gereizt , „ genügt Dir meine Kochkunst nicht mehr , daß Du Dir einen Franzosen wünschest ? “ „ Nur ein solcher wäre im Stande , Dich zu ersetzen , “ erwiderte der Gatte , der sich einstweilen in der feinen Liebenswürdigkeit üben wollte , welche er später den Damen der großen Welt gegenüber zu gebrauchen dachte . Er küßte ihr die Hand und fuhr schmeichelnd fort : „ Ich wünsche nicht , daß diese rosigen Finger sich ferner an glühenden Fleischtöpfen versengen und an Reibeisen verwunden . Überlasse Du das einem im Feuer gestählten Jünger der Gastronomie ! “ Frau Bertha starrte ihn verwundert an . „ Ja , können denn die Gastronomen auch kochen ? “ „ Nun gewiß , was könnten sie denn sonst ? “ „ Ei , ich glaubte , die guckten nur in die Sterne ! “ Leuthold faltete , wie zerschmettert , die Hände und blickte gen Himmel . „ Großer Gott ! wenn ich mir denke , daß Du dergleichen in einer unserer künftigen Gesellschaften sagen könntest , — da befällt mich eine so tiefe Zerknirschung , daß ich im Stande wäre , mein Vermögen einem geistlichen Orden zu vermachen und mich selbst in ein Büßerhemd zu stecken ! Frau , Frau , muß ich Dich noch den Unterschied zwischen Gastro ­ nomie , Kochkunde und Astronomie — Sternkunde lehren ? ! „ Gastronomie oder Astronomie ! “ sagte Bertha ärgerlich , während sie die dampfende Krebssuppe herausschöpfte , „ es ist besser , daß ich das Kochen ver ­ stehe , als den fremden Namen , den Du ihm gibst . Hättest Du