die Augen . 126 Es ist köstlich , mit seinem Glück dem Lenz entgegenzugehen . Blatt um Blatt trieben die Bäume im Niendorfer Garten , wie grüne Schleier hing es über dem sprossenden Walde , und überall blühten die Veilchen , in Trudchens ganzem Revier duftete es nach den blauen Frühlingskindern . Wie Lerchenschlag drang die Stimme der jungen Frau durch das alte Haus . Wenn Franz sonnenverbrannt vom Felde heimkehrte , flatterte oben aus den blinkenden Fenstern ein weißes Tuch , und kam er auf den Hof , so flatterte es auf der obersten Treppenstufe in ihrer Hand . » Liebster , da bist du ! « sagte sie dann innig . Und die Spaziergänge im Walde , die Abende , wenn er vorlas , und dann die Einrichtung des Hauses ! Wie süß war es , zusammen zu beraten , auszuwählen , einzukaufen , und wie freuten sie sich beide , wenn sie genau das nämliche gedacht hatten . So putzte sich allmählich das alte Haus . Tapezierer und Handwerker schafften darin , nur Frau Rosas Zimmer blieb unbehelligt und das traute Stübchen des Hausherrn , in dem sie ihre glücklichsten Wochen verlebt hatten . Und heute war alles fertig , gemütlich und wohnlich , aber ohne jeglichen Pomp . Die niedrigen Räume eigneten sich nicht zur Schaustellung kostbarer geschnitzter Möbel – so hatten sie beide im richtigen Gefühl nur einfache Sachen gewählt . » Wenn wir uns später ein neues Wohnhaus 127 bauen , Trudchen , dann wollen wir es schöner einrichten « , meinte er , und sie nickte : » Erst die Wirtschaft , Franz . Uns gefällt es ja so gut in den lieben Räumen . « Der Gartensaal war zum Speisezimmer umgeschaffen . Daneben ein Salon mit dunklen Tapeten und weichen Teppichen , an der Längswand das Hochzeitsgeschenk Onkel Heinrichs , zwei große Ölbilder – eine sonnendurchleuchtete Waldlandschaft und eine Seeküste bei Gewitter . Hinter grünen , üppigen Blattpflanzen leuchtete eine edle , schöne Hermesbüste . Sofas , Sessel und Sesselchen überall , und wo es nur irgend anging , befand sich eine gefüllte Blumenschale . Oben , neben des Hausherrn Gemach war das der jungen Frau hergerichtet , dort stand jetzt des Vaters Bild hinter dem Nähtischchen am Fenster . Die Tür , die die Gemächer verband , war weit zurückgeschlagen , und die bunten türkischen Vorhänge ließen Trudchen von ihrem Fensterplätzchen den Schreibtisch sehen , an dem er arbeitete . Und aus dem Fenster konnte der Blick hinausschweifen über den grünenden Garten zu den bewaldeten Bergen und weit und weiter , bis dort , wo sich der ferne Brocken in Wolken verhüllt . Die junge Frau hatte alle Spinde eingeräumt . In der Küche war das letzte Stückchen des neuen Geschirres an die Haken gehängt und blinkte und glitzerte in dem hereinfallenden Sonnenstrahl , als 128 wäre alles eitel Gold . In der Speisekammer standen Büchsen und Töpfe in Reih und Glied , und mit glücklichem Lächeln drehte sie den Schlüssel im Schloß und tat ihn in das funkelnagelneue Körbchen an ihren Arm . » Komm , Franz « , sagte sie zu ihm , der diese Herrlichkeit hatte bewundern müssen , » nun wollen wir noch einmal durch alle Stuben gehen . « » Es sind nicht viele , Trudchen « , lachte er . » Oh , genug für uns , Franz , wir brauchen nicht mehr . « Und sie gingen durch den Gartensaal und freuten sich über das stattliche Büfett und über die Lampe aus poliertem Messing , die über dem großen Eßtisch schaukelte . Sie traten in den Salon und freuten sich an den Bildern , welche die Sonne so schön beleuchtete ; und dann blieben sie stehen , sahen sich in die Augen und küßten sich . » Das ist alles so , wie ich es gern habe , Franz « , sagte sie , » einfach und gediegen . Nur nichts Falsches , nichts Nachgemachtes . Ich hasse den Schein . Es soll alles echt sein , so echt und wahr wie meine Liebe und wie dein Herz , du großer , lieber Mensch . – Und in der Wirtschaft ist jetzt alles komplett « , fuhr sie fort und nahm ein Fäserchen vom Teppich auf , » Franz , gar nicht zum Wiedererkennen , es ist das schmuckste kleine Gut weit und breit . Franz , sieh , und das alles hat noch lange nicht so viel gekostet , wie Jennys Aussteuer und Hochzeitsreise . « 129 Sie waren in die offene Saaltüre getreten , und der junge Mann sah mit leuchtenden Augen über den Garten hinweg und zu den Wirtschaftsgebäuden hinüber , die ihr schadhaftes Ziegeldach mit bläulich glänzendem Schiefer vertauscht hatten . » Du hast recht , Trudchen , es ist ein hübscher Anblick , wir wollen oft hier sitzen . – Und übermorgen beginnt der Bau der neuen Scheune ; sie soll fertig sein , wenn wir den ersten Roggen einfahren . « » Du « , fragte sie neckend , » denkst du noch immer so wie damals , acht Tage nach unserer Hochzeit , als wir zum ersten Male dieses Thema besprachen und du dich recht kindisch betrugst und absolut nichts von dem nehmen wolltest , was dir von Gottes und Rechts wegen zukommt ? Und es lieber den Kühen in den Futtertrog regnen lassen wolltest und den Knechten in die Betten ? « » Nein « , sagte er , » nicht mehr , Trudchen . « » Warum , du Eisenkopf ? « » Weil wir uns lieben , namenlos lieben – « » Das Beiwort ist gar nicht nötig « , tadelte sie . » Glaubst du nicht , daß man namenlos lieben kann ? « fragte er scherzend . » Es klingt wie eine Phrase ! « Er lachte jetzt hell und zog sie an die Brüstung der Veranda . » Unser Heim ! « sagte er . » Komm , laß uns durch