sieht sie an mit verklärtem Gesicht und scheint sich nichts Besseres zu wünschen als so ’ n unartig Ding . – Ich begreife seine Geduld nicht ! Ich hätte May ’ mal so mißachtend behandeln sollen , na , ich glaube , es wär ’ in selbiger Stunde aus gewesen mit ihm . “ „ Nun , er liebt sie eben , “ entschuldigte Tante Emilie das Benehmen des Bräutigams . „ Es ist immer so , “ wehklagte die Rätin , „ die zweiten Frauen haben es besser als ihre Vorgängerinnen . Wenn ich denke , wie die erste um ihn herum war ! Alles las sie ihm an den Augen ab , aber Aenne thut nicht dergleichen . Wenn sie sich wenigstens um die Kinder bekümmern möchte ! Ach , [ 102 ] lieber Gott , ich wollte , die Hochzeit wäre vorbei , und das erste Ehejahr auch , bis sie sich ein bißchen eingelebt hätten miteinander ! Manchmal , Emilie , manchmal es ist ja freilich Sünde – manchmal denke ich , sie wird nicht glücklich , so sonderbar ist sie jetzt . Tante Emilie hatte auf den Lippen , zu sagen : Diese Gedanken kommen etwas spät , meine Beste ! Wär ’ s mein Kind gewesen , ich hätte gesagt Besinne dich einmal , du hast ja den Mann gar nicht lieb ! Aber – heiraten nur heiraten , weiter denkt ihr Mütter nichts ! „ Weißt du was ? “ sagte sie dann laut , „ ich hab ’ Sehnsucht nach frischer Luft und die Korinthen da sind fertig , ich geh ’ die Aenne im Park suchen . Im ganzen Schloßgarten ist kein Weg vom Schnee frei als eben der Mittelgang zur Terrasse empor , und dort läuft sie ja wohl auf und ab und wird leicht zu finden sein . Ich will sie ’ mal so ein bißchen ausfragen , die närrische Marjell . “ „ Du kannst lange suchen , “ grollte die Rätin , „ seit der Herzog hier ist , geht der Schneepflug durch alle Wege . “ „ I nä , laß mich nur machen , bin schon lange neugierig auf den Park im Schnee . Und damit erhob sich Tante Emilie und kam nach zehn Minuten , mit einem altmodischen , innen mit Hamster gefütterten Pelz und einer ebenso altmodischen Kapuze angethan , wieder herunter , nickte noch einmal in die Stube hinein und verließ dann das Haus . Der alten Frau war nachgerade angst und bange um ihren Liebling . Das Mädchen benahm sich in ihren Augen wie eine na – die nicht auf rechten Wegen geht . „ Gott verzeih ’ meine Dummheit “ , murmelte sie vor sich hin „ manchmal denk ’ ich , sie trifft den Heinz Kerkow heimlich ! Sie geht mit einer Ausdauer spazieren , die vollständig unbegreiflich ist , ebenso unbegreiflich wie das schroffe Ablehnen jeder Begleitung . “ Sie trippelte nun schon innerhalb des Schloßgartens auf dem weißen festen Schnee dahin , ganz leise schneite es weiter , und die winzigen Flocken legten sich wie ein zarter Hauch auf die schwarzseidene Kapuze und den Mantelkragen . Wie schön das war , wie weihnachtlich , und wieviel trauter konnte es noch sein , wenn auch im Hause alles so klar und rein wäre ! Die Jungen würden zum Feste kommen , und unter dem Lichterbaume sollte ein Brautpaar stehen – aber das letztere hatte sich Tante Emilie anders gedacht ! Die Aenne wurde alle Tage blasser und stiller , und dann wieder war es , als ob sie Reue über ihr Wesen empfände , und sie schwatzte und lachte wie eine , die nicht recht gescheit ist . Und dies ins Theater Gehen , jeden Abend , den Gott werden läßt , das heißt , so oft gespielt wird – – – Sie war ein paarmal mitgegangen , die Tante Emilie , um zu sehen , ob Aenne des neugebackenen Hofmarschalls wegen hingehe , aber der war nur an einem der Abende erschienen , und da sah Aenne mit ein paar grenzenlos gleichmütigen Augen über ihn weg , und ebenso gleichgültig betrachtete sie seine Braut , das blasse hochmütige Ding , ihr ganzes Interesse gehörte der Vorstellung . Aber das könnte ja auch täuschen , dachte sie , und es kam Tante Emilie vor , als sei dieses Interesse an der Bühne fast zu groß , um natürlich zu sein , einmal war es ihr sogar , als ob Aenne jemand auf der Bühne leicht zunickte . „ Goldköpfchen , wen grüßt du denn da ? “ hatte sie gefragt , aber die Antwort blieb Aenne schuldig . Ach , liebe Zeit , das Kind war ja nur so unstet , so unglücklich , weil es den Kerkow immer in der Nähe wußte , weil ’ s nicht vergessen konnte , weil ’ s in seiner Verzweiflung dem Günther in die Arme gerannt war und nun sich graute vor dieser Ehe ! Wäre nur erst die Hochzeit droben vorüber und das Paar nach Italien gereist ! Aber Gott mochte wissen , was man bis dahin noch erleben würde ! – Die alte Dame blieb am Fuße des Schloßberges stehen , hinter einem kleinen , nun ganz verschneiten Pavillon , um sich an dieser zugfreien Stelle ein wenig zu verschnaufen . Sie hatte bis jetzt in dem weiten Garten nicht einen Menschen erblickt und war schon ganz entmutigt , da hörte sie Kinderstimmen hinter sich , und sich wendend , gewahrte sie Oberförsters Dreie , die Fräulein Stübken an die Luft führte . Der Kleinste saß im Kinderschlitten , der Junge auf der Pritsche und Mariechen zog das Gefährt , Fräulein Stübken endlich stapfte gravitätisch hinterher . Tante Emilie trat hinter dem Pavillon hervor und begrüßte die Näherkommenden . „ Ja , das ist aber ein Vergnügen für euch kleines Volk ! Schönen guten Tag , liebes Fräuleinchen – -- sagen Sie , haben Sie nicht unsere Aenne gesehen