Geschwistern . Die alte Frau hing ihren Gedanken nach , und jedesmal , wenn so ein flammender Schein durch die schwüle Luft fuhr , dann dachte sie : wenn nur die Liesel erst wieder daheim wär ’ ! „ O weh , es regnet morgen , “ flüsterte sie vor sich hin , da wird nichts aus der Waldpartie mit Pastors . Na , da müssen sie sich halt hier verlustiren ; „ ’ s wird zwar einen Kribbel-Krabbel geben in der alten Mühle – wie viel hab ich denn zu Tisch ? Da sind aus der Pfarre allein acht Personen , und dazu die beiden Oberförsters und – – Gerechter Himmel ! “ schrie sie dann auf , „ Liesel , wie hast Du mich erschreckt ! “ und sie bog sich zu dem jungen Mädchen hinunter , das wie leblos zu ihren Füßen niedergesunken war und den Kopf in ihren Schooß barg . „ Was ist Dir denn , mein Kind ? Liesel , so sprich doch ! Was ist Dir ? “ fragte sie und streichelte das Köpfen . „ Mein Gott , “ fuhr sie fort , „ bist Du denn krank , mein Herzblättel ? “ Aber sie erhielt keine Antwort . Nur der Kopf des Mädchens richtete sich empor ; zwei Arme schlangen sich um ihren Hals , und heiße , zitternde Lippen preßten sich innig auf die ihren , – dann war das flüchtige Mädchen verschwunden , und die alte Frau hörte den leichten Schritt auf der Treppe und bald darauf , wie die Stubenthür geschlossen wurde . „ Wunderliches Kind , “ murmelte sie und schüttelte den Kopf . Sie sah ja nicht , wie ihr Liebling dort oben ruhelos auf und ab schritt und wie endlich ihr müdes Köpfchen auf einem thränennassen Kissen lag und die kleinen Hände sich so fest falteten , um ein Gebet zu sprechen für den Army , mit dem sie einst als kleines Mädchen gespielt , und der sie jetzt so gar nichts anging auf der Welt , – ach , so gar nichts mehr ! 8. Droben im Schloß kehrte heut noch lange nicht die Ruhe ein . Die junge Braut zwar zog sich bald in ihr Zimmer zurück ; sie war noch so verwirrt , wie sie sagte ; es sei Alles so plötzlich , so überraschend gekommen . Sie duldete freilich die Schmeicheleien , welche die alte Baronin ihr mit strahlendem , freudig überraschtem Gesichte sagte , und hörte die bewegten Worte an , die ihres Army Mutter ihr zuflüsterte , aber dann war sie müde , und die hohe Thür ihres Gemaches flog eilig hinter ihr in ’ s Schloß ; das kindlich süße Lächeln verschwand von dem schönen Gesichte , und Sophie , die Kammerjungfer , hatte eine sehr ungnädige Gebieterin . Endlich saß sie dann im Nachtkleide an ihrem Schreibtisch , und die Feder flog über das Papier wie gejagt , und um den Mund zuckte es wie im tiefsten Verdruß . Um Army aber schlangen sich drunten im Wohnzimmer die Arme seiner Mutter , und ihre Augen ruhten auf den seinen , die so glücklich leuchteten . „ Mein alter , guter Junge , “ flüsterte sie , „ mögest Du doch glücklich werden ! Es ist so rasch gekommen , Army , und Du bist noch so jung . Gott gebe Euch seinen Segen ! “ Die alte Baronin , die lebhaft im Zimmer hin und her schritt , blieb nun vor der Gruppe stehen , als eben der junge Mann seinen Mund auf denn der Mutter preßte . „ Army , “ begann sie , augenscheinlich ärgerlich über die sentimentale Scene , „ Du weißt , was Du zunächst zu thun hast . Du reisest zur Tante und hältst in aller Form um Blanka an , und dann hoffe ich , daß alles Andere auch bald arrangirt sein wird , – an Blanka ’ s Vater schreibst Du nur ; ich denke , mit dem Menschen kommen wir in keine weitere Berührung ; jedenfalls – “ „ Gewiß , Großmama , ich reise , “ unterbrach er sie mit leicher Stimme . Er war zu Nelly getreten , die , in einen großen Lehnstuhl gekauert , das Gesicht in beide Hände barg . „ Kleine , “ sagte er leise , „ hast Du denn kein freundliches Wort für mich ? “ „ Ach , Army , “ schluchzte sie , „ ich – ich erschrak so heftig , [ 739 ] als ich Dich dort mit der Cousine sah , und ich bin so traurig , daß – “ „ Aber Nelly ! Es ist doch ein großes Glück für uns Alle , daß es so gekommen und ich habe sie so lieb , die Blanka . “ „ Hat sie Dich auch lieb ? “ fragte das junge Mädchen ernst , und erfaßte seine Hände , „ weißt Du das genau ? “ „ Aber Herzchen , “ sagte er lachend , „ denkst Du , sie würde mich sonst heirathen mögen ? Sie , die so schön ist und der so gehuldigt wird ? “ Nelly schüttelte den Kopf und sah mit ihren verweinten Augen an dem Bruder vorüber . „ Ich hab es mir so ganz anders vorgestellt , “ flüsterte sie . „ Närrisches kleines Ding ! “ sagte er und strich zärtlich über ihre Locken . „ Aber , nicht wahr Nelly , es ist doch auch schön , wenn Du mich so recht glücklich weißt ? “ Sie nickte unter Thränen und verließ dann schnell das Zimmer . Draußen rollte der erste Donner des heraufsteigenden Gewitters durch die schwüle Nacht . „ Ich glaube , Nelly ist krank , “ sagte besorgt die Mutter , „ sie hat so glühend heiße Hände . “ „ Ach was , unartig ist sie ; sie schmollt , weil nach ihrer Meinung ihrem Lieschen heut zu viel geschah , “ erklärte die alte