hübsch du bist , Victoire . « Schach empfing am selben Tage noch ein Antwortsbillet , das ihm unumwunden die herzliche Freude seiner alten Freundin ausdrückte . Manches Bittre , was sie gesagt habe , mög er vergessen ; sie habe sich , lebhaft , wie sie sei , hinreißen lassen . Im übrigen sei noch nichts Ernstliches und Erhebliches versäumt , und wenn , dem Sprichworte nach , aus Freude Leid erblühe , so kehre sich ' s auch wohl um . Sie sehe wieder hell in die Zukunft und hoffe wieder . Was sie persönlich zum Opfer bringe , bringe sie gern , wenn dies Opfer die Bedingung für das Glück ihrer Tochter sei . Schach , als er das Billet gelesen , wog es hin und her und war ersichtlich von einer gemischten Empfindung . Er hatte sich , als er in seinem Briefe von Victoire sprach , einem ihr nicht leicht von irgendwem zu versagenden , freundlich-herzlichen Gefühl überlassen und diesem Gefühle ( dessen entsann er sich ) einen besonders lebhaften Ausdruck gegeben . Aber das , woran ihn das Billet seiner Freundin jetzt aufs neue gemahnte , das war mehr , das hieß einfach Hochzeit , Ehe , Worte , deren bloßer Klang ihn von alter Zeit her erschreckte . Hochzeit ! Und Hochzeit mit wem ? Mit einer Schönheit , die , wie der Prinz sich auszudrücken beliebt hatte , » durch ein Fegefeuer gegangen war « . » Aber « , so fuhr er in seinem Selbstgespräche fort , » ich stehe nicht auf dem Standpunkte des Prinzen , ich schwärme nicht für › Läuterungsprozesse ‹ , hinsichtlich deren nicht feststeht , ob der Verlust nicht größer ist als der Gewinn , und wenn ich mich auch persönlich zu diesem Standpunkte bekehren könnte , so bekehr ich doch nicht die Welt ... Ich bin rettungslos dem Spott und Witz der Kameraden verfallen , und das Ridikül einer allerglücklichsten › Landehe ‹ , die wie das Veilchen im verborgnen blüht , liegt in einem wahren Musterexemplare vor mir . Ich sehe genau , wie ' s kommt : ich quittiere den Dienst , übernehme wieder Wuthenow , ackre , melioriere , ziehe Raps oder Rübsen und befleißige mich einer allerehelichsten Treue . Welch Leben , welche Zukunft ! An einem Sonntage Predigt , am andern Evangelium oder Epistel , und dazwischen Whist en trois , immer mit demselben Pastor . Und dann kommt einmal ein Prinz in die nächste Stadt , vielleicht Prinz Louis in Person , und wechselt die Pferde , während ich erschienen bin , um am Tor oder am Gasthof ihm aufzuwarten . Und er mustert mich und meinen altmodischen Rock und frägt mich : › wie mir ' s gehe ? ‹ Und dabei drückt jede seiner Mienen aus : › O Gott , was doch drei Jahr aus einem Menschen machen können . ‹ Drei Jahr ... Und vielleicht werden es dreißig . « Er war in seinem Zimmer auf und ab gegangen und blieb vor einer Spiegelkonsole stehn , auf der der Brief lag , den er während des Sprechens beiseite gelegt hatte . Zwei- , dreimal hob er ihn auf und ließ ihn wieder fallen . » Mein Schicksal . Ja , › der Moment entscheidet ‹ . Ich entsinne mich noch , so schrieb sie damals . Wußte sie , was kommen würde ? Wollte sie ' s ? O pfui , Schach , verunglimpfe nicht das süße Geschöpf . Alle Schuld liegt bei dir . Deine Schuld ist dein Schicksal . Und ich will sie tragen . « Er klingelte , gab dem Diener einige Weisungen und ging zu den Carayons . Es war , als ob er sich durch das Selbstgespräch , das er geführt , von dem Drucke , der auf ihm lastete , frei gemacht habe . Seine Sprache der alten Freundin gegenüber war jetzt natürlich , beinah herzlich , und ohne daß auch nur eine kleinste Wolke das wiederhergestellte Vertrauen der Frau von Carayon getrübt hätte , besprachen beide , was zu tun sei . Schach zeigte sich einverstanden mit allem : in einer Woche Verlobung und nach drei Wochen die Hochzeit . Unmittelbar nach der Hochzeit aber sollte das junge Paar eine Reise nach Italien antreten und nicht vor Ablauf eines Jahres in die Heimat zurückkehren , Schach nach der Hauptstadt , Victoire nach Wuthenow , dem alten Familiengute , das ihr , von einem früheren Besuche her ( als Schachs Mutter noch lebte ) , in dankbarer und freundlicher Erinnerung war . Und war auch das Gut inzwischen in Pacht gegeben , so war doch noch das Schloß da , stand frei zur Verfügung und konnte jeden Augenblick bezogen werden . Nach Festsetzungen wie diese trennte man sich . Ein Sonnenschein lag über dem Hause Carayon , und Victoire vergaß aller Betrübnis , die vorausgegangen war . Auch Schach legte sich ' s zurecht . Italien wiederzusehen war ihm seit seinem ersten , erst um wenige Jahre zurückliegenden Aufenthalte daselbst ein brennender Wunsch geblieben ; der erfüllte sich nun ; und kehrten sie dann zurück , so ließ sich ohne Schwierigkeit auch aus der geplanten doppelten Wirtschaftsführung allerlei Nutzen und Vorteil ziehen . Victoire hing an Landleben und Stille . Von Zeit zu Zeit nahm er dann Urlaub und fuhr oder ritt hinüber . Und dann gingen sie durch die Felder und plauderten . Oh , sie plauderte ja so gut und war einfach und espritvoll zugleich . Und nach abermals einem Jahr , oder einem zweiten und dritten , je nun , da hatte sich ' s verblutet , da war es tot und vergessen . Die Welt vergißt so leicht und die Gesellschaft noch leichter . Und dann hielt man seinen Einzug in das Eckhaus am Wilhelmsplatz und freute sich beiderseits der Rückkehr in Verhältnisse , die doch schließlich nicht bloß seine , sondern auch ihre Heimat bedeuteten . Alles war überstanden und das Lebensschiff an der