, die diese ihm zuwarf . Er ließ sich auch durch Gretens Eintreten nicht stören und gab seine Herrin erst frei , als diese sich nach der Tür hinwandte und in halblautem Tone fragte : » Wen suchst du , Kind ? « » Ich suche die Domina . « » Das ist sie . « Und dabei zeigte sie nach dem Stuhl gegenüber . Die Gestalt , die hier bis dahin zusammengekauert gesessen hatte , richtete sich jetzt auf , und Grete sah nun , daß es eine sehr alte Dame war , aber mit scharfen Augen , aus denen noch Geist und Leben blitzte . Zugleich erhob sich auch der Hund und legte seinen Kopf zutraulich an Gretens Hand , was ein gutes Vorurteil für diese weckte . Denn » er kennt die Menschen « , sagte die Domina . Diese hatte mittlerweile Greten an ihren Stuhl herangewinkt . » Wie heißt du , Kind ? Und was führt dich her ? Aber stelle dich hier ins Licht , denn mein Ohr ist mir nicht mehr zu Willen , und ich muß dir ' s von den Lippen lesen . « Und nun erzählte Grete , daß sie zu den fahrenden Leuten gehöre , die gestern in die Stadt gekommen seien , und daß einer von ihnen , der ihr nahegestanden , in dieser Nacht gestorben sei . Und nun wüßten sie nicht , wohin ihn begraben . Einen Sarg hätten sie machen lassen , aber sie hätten kein Grab für ihn , kein Fleckchen Erde . Wohl sei sie bei dem alten Prediger gewesen und hab ihn gebeten , aber der habe sie hart angelassen und ihr den Kirchhof versagt . Den Kirchhof und ein christlich Begräbnis . » Bist du christlich ? « » Ja . « » Aber du siehst so fremd . « » Das macht , weil meine Mutter eine Spansche war . « » Eine Spansche ... ? Und im alten Glauben ? « » Ja , Domina . « Die beiden Damen sahen einander an , und die Domina sagte : » Sieh , Ilse , das hat ihr der Roggenstroh von der Stirn gelesen . Er sieht doch schärfer , als wir denken . Aber es hilft ihm nichts , und wir wollen ihm einen Strich durch die Rechnung machen . Er hat seinen Kirchhof und wir haben den unsren . Und auf unsrem , denk ich , schläft sich ' s besser . « » Ja , Domina . « » Sieh , Kind , das sag ich auch . Und ich warte nun schon manches Jahr und manchen Tag darauf . Aber der Tag will nicht kommen . Denn du mußt wissen , ich werde fünfundneunzig und war schon geboren und getauft , als der Wittenbergsche Doktor gen Worms ging und vor Kaiser Carolus Quintus stand . Ja , Kind , ich habe viele Zeiten gesehen , und sie waren nicht schlechter , als unsre Zeiten sind . Und morgen um die neunte Stunde , da komm nur herauf mit deinem Toten , und da soll er sein Grab haben . Ein Grab bei uns . Und nicht an schlechter Stell und unter Unkraut ; nein , wir wollen ihn unter einem Birnbaum begraben oder , so du ' s lieber hast , unter einem Fliederbusch . Hörst du . Verlaß dich auf mich und auf diese hier . Denn die hier und ich , wir verstehen einander , nicht wahr , Ilse ? Und wir wollen die Klosterglocke läuten lassen , daß es der Roggenstroh bis in seine Stube hört und nächsten Sonntag wieder gegen uns predigt , gegen uns und gegen den Antichrist . Das tut er am liebsten , und wir hören es am liebsten . Und nun geh , Kind . Ich hasse den Hochmut und weiß nur das eine , daß unser All-Erbarmer für unsre Sünden gestorben ist und nicht für unsre Gerechtigkeit . « Und danach ging Grete , und der Hund begleitete sie bis an die Tür . Als die beiden Frauen wieder allein waren , sagte die Domina : » Unglücklich Kind . Sie hat das Zeichen . « » Nicht doch ; sie hat schwarze Augen . Und die hab ich auch . « » Ja , Ilse . Aber deine lachen und ihre brennen . « » Du siehst zuviel , Domina . « » Und du zuwenig . Alte Augen sehen am besten im Dunkeln . Und das Dunkelste ist die Zukunft . « Und so kam der andre Morgen . Die neunte Stunde war noch nicht heran , als ganz Arendsee die Klosterglocke läuten hörte . Und auch Roggenstroh hörte sie ; das verdroß ihn . Aber ob es ihn verdroß oder nicht , von der tiefen Einfahrt des Gasthofes her setzte sich ein seltsamer Zug in Bewegung , ein Begräbnis , wie die Stadt noch keines gesehen ; denn die vier Puppenspieler trugen den Sarg , der auf eine Leiter gestellt worden war , und hinter ihnen her ging Grete , nur auf Zenobia gestützt , die sich heute von allem Rot entkleidet und statt dessen an ihren Spitzhut wieder ihren langen schwarzen Schleier mit den Goldsternchen befestigt hatte . Und dann kamen Kinder aus der Stadt , die vordersten ernst und traurig , die letzten spielend und lachend , und so ging es die Straße hinunter , in weitem Bogen um den Kirchhof herum , bis an die Seeseite , wo , von alter Zeit her , der Eingang war . In Nähe dieses Einganges , unter einem hohen Fliederbusch , der mit seinen Zweigen bis in den Kreuzgang hineinwuchs , hatte der Klostergärtner das Grab gegraben . Und um das Grab her standen die Nonnen von Arendsee : Barbara von Rundstedt , Adelheid von Rademin , Mette von Bülow und viele andere noch , alle mit Spitzhauben und langen Chormänteln , und in ihrer Mitte die Domina , klein und gebückt , und