hinter ihm her . Endlich war er dem Hahne ganz nahe , er sah ihn dort auf dem Föhrenzweige groß und schwarz in der Dämmerung mit seinen wunderlichen steifen Bewegungen . Egloff legte an und schoß , etwas fiel zu Boden , man hörte Schlagen von Flügeln , dann wurde es still . Ein köstliches Gefühl des Triumphes machte Egloff ganz heiß , hinter sich hörte er Gebhard heranlaufen . Alle Aufregung war vorüber , sie gingen zur Schußstelle , da lag der schwarze Vogel mit seinen gebrochenen Augen friedlich da , nichts war an ihm mehr vom Erregenden , das Egloff noch eben jeden Nerv angespannt hatte . Egloff setzte sich auf einen Baumstumpf und zündete sich eine Zigarette an . Der Morgen graute , die Bäume und Sträucher , die eben noch so bedeutungsvoll und wichtig erschienen waren , standen nüchtern und gleichgültig da . Jedesmal nach solcher Jagd hatte Egloff dieses Gefühl der Niedergeschlagenheit und Ernüchterung , wenn das prächtige Raubtiergefühl des Heranschleichens und Horchens vorüber war . » Gehen wir « , sagte er zu Gebhard . Durch den aufdämmernden Morgen gingen sie nach Hause , der Tag versprach schön zu werden , der Himmel war weiß und dunstig , und zahllose Bekassinen sandten von der Höhe ihre schrillen Triller nieder , und die Elstern schwatzten in den Ellernbüschen . Egloff dachte jetzt nur daran , wie wohlig es sein würde , sich in seinem Bette auszustrecken , alles andere war vorläufig gleichgültig . Auf der Landstraße begegneten sie einem mit zwei Pferden bespannten Jagdwagen , Doktor Hansius vom Städtchen saß darin , sein großes Gesicht mit dem gelben Bartgestrüpp verschwand fast ganz in dem hohen Mantelkragen , die Augen hinter den blauen Brillengläsern waren geschlossen , er schlummerte . » Doktor ! Doktor ! « rief Egloff . Der Doktor fuhr auf und ließ den Wagen halten . » Ah , Baron Egloff , « sagte er , » guten Morgen . Auf der Jagd gewesen ? Na , ich sehe schon , gratuliere . « » Danke , « erwiderte Egloff , und blieb vor dem Wagen stehen , » wo treiben Sie sich so früh umher ? « Der Doktor machte eine müde , abwehrende Handbewegung : » Ich , ich , ach Gott , habe keine Ruhe . Gestern abend werde ich nach Witzow abgeholt . « » Wackeln die alten Herrschaften dort ? « fragte Egloff . » O nein , « erwiderte der Doktor , » die Alten wackeln nicht , es sind immer die jungen , die Baronesse Gertrud mit ihren Nerven . Na , und wie ich denn nachts nach Hause komme , finde ich die Nachricht vor , ich soll sofort nach Barnewitz kommen , die Baronin hat eine Nervenattacke . Nerven und Nerven , die sind auch solch eine moderne Erfindung , von der unsere alten Herrschaften nichts wußten . « » Ja , ja , Doktor , « meinte Egloff , » Sie stehen immer auf seiten der Alten . Na , guten Morgen , im Bette will ich an Sie denken . « Der Doktor fuhr weiter . Also die kleine Liddy ist krank , ging es Egloff durch den Sinn , während er an den Roggen- und Weizenfeldern , die grau von Tau waren , dem Schlosse zuging , meinetwegen vielleicht ? Das ist jetzt gleichgültig , das muß jetzt aus sein , war wegen des Fritz Dachhausen immer eine fatale Geschichte . Zu Hause ging er sofort ins Bett . Nach der Jagd sich ins Bett zu legen , sagte er sich , ist ein ganz fragloses und volles Glück . Egloff schlief fest und traumlos weit in den Tag hinein , er erwachte davon , daß Klaus vor seinem Bette stand und meldete , es würde bald Zeit zum Mittagessen sein . Egloff blinzelte in den Sonnenschein hinein , der das Zimmer füllte , und streckte sich , in den Gliedern war eine nicht unangenehme Steifigkeit von den Anstrengungen der letzten Nacht zurückgeblieben . » Also gutes Wetter « , konstatierte er . Gab es an diesem Tage etwas , worauf er sich freuen konnte ? Ja , er wollte am Abend mit Fastrade im Walde zusammentreffen . Nun , dann lohnte es sich also , diesen Tag zu beginnen . » Gibt es was Neues ? « fragte er . » Herr Mehrenstein war da , « berichtete Klaus , » als er hörte , daß der Herr Baron noch schlafen , fuhr er ab . « Egloff verzog sein Gesicht . » Mein Lieber , « sagte er , » ein für allemal , der Name Mehrenstein wird mir nie gleich beim Erwachen serviert , dazu eignet er sich nicht . So , nun werde ich aufstehen . « Als Egloff aus seinem Zimmer herauskam , fand er seine Großmutter und Fräulein von Dussa im Wohnzimmer mit Handarbeit beschäftigt . Sie lächelten ihm beide freundlich zu . Jetzt , wo er verlobt war , zeigten die beiden Damen womöglich noch mehr Freundlichkeit und Rücksicht gegen ihn als sonst , aber in der Freundlichkeit lag etwas wie Wehmut , etwas wie Schonung , die man einem erweist , dem man einen Fehltritt verziehen hat . Egloff setzte sich zu den Damen , sprach von der Jagd , von dem Auerhahn , von Doktor Hansius und erzählte , daß Gertrud Port und Liddy Dachhausen beide krank seien . Die Baronin zog die greisen Augenbrauen in die Höhe und meinte : » Die arme Gertrud hat sich da draußen ihr Leben ruiniert und Liddy Dachhausen , mein Gott , in den Familien , man weiß nie , was da für Krankheiten herrschen . « Egloff lachte . » Solche fremde Völker , meinst du , bringen fremde Krankheiten ins Land . « Die Baronin lachte nicht , sondern sagte ernst : » Fastrade , Gott sei Dank , ist wenigstens gesund . « » Sie ist doch mehr als nur gesund «