reiche Freundschaft um leihweise Überlassung der Hausschätze angehen mußten , damit ja dem Kammer- oder Kuchelwagen , wenn er so öffentlich durch alle Gassen gefahren wurde , nichts mangelte an Prunk und Pracht . Da waren die Betten hoch und voller Flaum , und die Kästen gefüllt mit Leinwand , Flachs und reicher Wäsche ; hätt einer aber etlich Wochen nach der Hochzeit nachgewogen , da wär wohl manche Lade gar leicht und gering befunden worden , und hätt es ihn leichtlich kaum mehr gelüst ' , in dem Himmelbett zu schlafen , das erst so mollig war und weich , nun aber so dünn und mager wie eine Haut . War also die Mutter Nandl voller Freuden und schickte mich sogleich zum Pauli , daß ers halt wüßt und ' s Häusl grecht macht ' für den Einstand . Dem wars nicht sonder zuwider ; gab mir einen Groschen Botengeld und die Antwort , daß er mit Freud auf sie wart und alles richt . Also mußte der Wagen sogleich , kaum die Knecht mit ihm zurückgekommen waren , wieder aufgerichtet werden ; und die Weidhoferin räumte willig ihre Kinikammer aus und ließ Stück für Stück von den zierlich geschnitzten und fein bemalten Möbeln hinabtragen , stopfte selber den Kasten voll mit Linnen und Flachs , mit Wäsche und Wachs , mit seidenen und wollenen Tüchern und zierlichen Tassen und Gläsern . » Kannst es ja nach und nach wieder zruckschaffen bei der Nacht ! « meinte sie gutherzig ; » zu mir kimmt doch kein sterblicher Mensch in d ' Herberg ! « Der Kuchelwagen war eben vollendet und wieder aufgerichtet und sollt nun derweilen über Nacht in die Tenne geschoben werden , als der Weidhofer die Jungfer und Braut wieder zurückbrachte mit der Kutsche . Haha ! Machten große Augen alle beid ! Glaubten wohl , daß sie ein Blendwerk narrte ! Aber die Ziehmutter stand schon eifrig schwatzend da und berichtete , daß nun auch die Nandl am Irchtag ihre Hochzeit mach , und morgen sollt der Einstand sein . Worauf die Nandl kerzukam und sagte , daß sie noch am Montag zum Beichten ging und auch zum Vorsegnen , zumal sie schon aus den Kindlwochen sei . Herrschte also überall große Lust und Fröhlichkeit und gedachte niemand des Spruchs : Große Freud glangt nit weit . Brautfahrt Des Weidhofers alter Hund heulte in langgezogenen Klaglauten , als ich mich an jenem Morgen aus meinem Traum gähnte und mich noch lebend und wohlauf fand , obgleich mich eben mein Widersacher totgeschossen hatte . Die Sonne stand schon so hoch , daß ihr Schein nur noch ein Ecklein meines Fensterbretts streifte , und ich sprang eilends aus dem Bett . Da - bumm - die Scheiben des Fensters klirrten ; abermals erschreckte mich ein Schuß , während drunten im Hof ein Knecht den Hund mit lautem Schelten in seine Hütte wies . Und wieder und wieder krachte es und hallte von den Bergen zurück ; draußen vor der Kammer und auf der Stiege gings tripp trapp , der Meßmer gab kurze Befehle , die Ziehmutter lief hustend und schnaufend an meiner Tür vorbei , die Weibsleute schwatzten und lachten , und das Büblein , das Mathiasle , schrie und kreischte , als ob ' s im Messer steckt ' . Und mit einemmal fiel es mir ein : ' s ist ja der Hochzeitstag der Schwaigerin - und der Jungfer , meiner liebsten Kathrein . Da liefs mir siedigheiß den Rucken hinauf , und eiskalt überkams mich ; ich gedacht mit Zittern und brennendem Schmerz jener Nacht , die ich als die glückhafteste meines Daseins gepriesen , und da ich die Jungfer als mein liebstes Bräutl gewähnt und ihr mein ganzes armseligs Leben versprochen hatte . Nun sollt also ein anderer mit ihr hausen und für sie werken und sorgen , dessen ich mir selbsten ehmals so geschmeichelt hatte und darüber mich ein tiefes Schämen ankam . Doch stieg darnach erst leis , dann aber immer mächtiger eine boshafte Freud in mir auf , darob , daß dieser andere , der sie nun heimführen sollt , annoch nicht der erst gewesen . » Bist ja dennoch der Beschissene ! « dachte ich ; » ich bin lang vor dir dagewesen und hab sie mein herzliebs Kathreinl geheißen und meine Freud an ihr ghabt ! « Lachte voll bübischer Lust für mich hin : Ha ! Jungferlein ! Hast gewähnt , ein Kindl wärs gewesen , bei dem du geschlafen ; dachtest , ein Kind hätt dir deine roten Zöpf zerzaust , deine Wang gestreichelt und deine Augen und Lippen gebusst ! Mich dünkt , es war wohl ein mehrerer gewesen denn ein Kindl ! Ach , da mußt ein jeds Augenblicklein jener Lieb herhalten in dieser Stund für meine schändliche Freud , und ich wähnte , damit alles Schöne und Herzliebe leichtlich in mir totzumachen und nur noch Grimm und Verachtung für die falsche Dirn zu empfinden , da ich doch nachmals noch gar oft jene Zeit mit stiller Freud wieder durchlebte , ja , niemals im Leben hab aufhören können , des Maidls in tiefer , warmer Lieb zu gedenken und mich nach ihr zu sehnen . Hatt also das Herz voller Gall und Gift und fluchte meiner kläglichen Gestalt und meinem elendigen Aussehen , fluchte dem Schelmen , der es verschuldet , und schwur bei mir selber , daß ichs ihm , so ich ihn einmal unter die Finger bekäm , reichlich ausmessen wollt , was er mir eingemessen . Derweilen wurde es im Weidhof immer lebendiger ; vom Hof drang das Klingeln der Röllein herauf , mit denen die Geschirrung der Hochzeitsgäul geschmückt wurde ; pfeifend und singend taten die Knecht ihre Arbeit , putzten und striegelten die Rosse und behingen sie mit Buschen und Bändern . Das Kuchelmensch stand im Festgewand am Brunnen und wusch und schwenkte einen Korb voll Gläser und Krüg für den Eingang und Ausgang , das ist , für