einem , sich durch ein mystisches Verfahren - ich glaube durch absolute Selbstversenkung in das kosmische Urprinzip - dergestalt zu läutern , daß auch die geringsten Bestandteile von Molochitischem gebannt werden , gelingt es ihm , die kosmische Ursubstanz in sich allmächtig zu machen , so daß sie sein Wesen vollkommen durchdringt - nun , so wird eben er selbst allmächtig , und wer allmächtig ist , kann zaubern . Es gehört noch dazu , daß in seiner Umgebung starke kosmische Substanzen vorhanden sind - und ja keine molochitischen , die eben doch irgendwie auf ihn einwirken und jenes Verfahren beeinträchtigen könnten . - Daher Hallwigs große Zurückhaltung im Verkehr - er will nicht mit Belanglosen in Berührung kommen . Denn der Belanglose hat keine oder nur geringe kosmische Substanz und ist dem Molochitischen leicht zugänglich . Anmerkung Wir sind hier an einem der Punkte angelangt , verehrter Freund , die vielleicht eines Kommentars bedürfen - ob nämlich die Zauberhoffnungen Wahnmochings , beziehungsweise deren Erfüllung , wirklich im Bereich des Möglichen lagen . Sicher wird das Publikum die berechtigte Anforderung erheben , darüber aufgeklärt zu werden . Uns selbst schien es anfangs sehr zweifelhaft , aber als wir zu Ende gelesen hatten , fühlten wir uns doch geneigt , die Frage mit : Ja , oder : Höchstwahrscheinlich - zu beantworten . Sie werden ja auch sehen , daß die bedeutendsten Köpfe jenes Stadtteils einmütig daran glaubten . Trotzdem ziehen wir es vor , unsere Ansicht darüber von der Ihrigen abhängig zu machen . Ja - da wird es wohl begreiflich , daß so oft von Zeiten gesprochen wird , denen wir entgegengehen . - Zeiten , in welchen es gleichgültig sein wird , ob Schiffe fliegen oder ob Tische fliegen - begreiflich , daß die Atmosphäre unseres Vorortes mit gewaltigen Spannungen geladen ist . Man feiert Feste - man rast und taumelt , man lacht und plaudert , kost mit schönen Frauen , und dazwischen wieder kreisen gewitterschwere Geheimnisse , wehen mystische Erleuchtungen über letzte , äußerste , ungeheure Dinge . ( So sagt man hier . ) Seit dem Hofmannschen Abend hat sich rein persönlich alles mehr zusammengeschlossen , als wolle man dem Rest dieses Karnevals - der noch eine Woche dauert - durch stärkere Gemeinsamkeit eine bedeutsame Note aufprägen . Und ich hörte sagen , der Kreis sei bestrebt , möglichst viele kosmische Elemente um sich zu sammeln - ja , im Zentrum von Wahnmoching hoffe man auf das Zustandekommen einer neuen heidnischen Blutleuchte , die natürlich für die Zauberhoffnungen sehr wesentlich ist und alles ungemein erleichtern würde . ( Die letzte ist gewesen , als Hofmann , Delius und Hallwig sich kennenlernten und der Meister sein erstes Buch schrieb - in demselben Jahr hat Maria ihr Baby bekommen , deshalb legt man auch so viel Wert auf die Erhaltung ihrer heidnischen Substanz . ) So trifft sich abends alles bei den letzten Festen oder Redouten , und Wahnmochings bacchantisches Toben reißt manchmal auch die Menge mit fort . Und in den müden Tagesstunden findet man sich im Café oder bei Hofmanns und im Eckhaus zusammen . Der Professor entdeckt unermüdlich wundervolle Menschen und fabelhafte Frauen , die sich zu Mänaden eignen und , wenn er es ihnen sagt , auch sofort zu rasen beginnen . Maria beunruhigt sich um Hallwig , der all dieses Treiben meidet , aber ihre Zinnsoldaten haben gute Tage . Susanna liebt den Mann im Pantherfell - und ich selbst folge ihr nur noch als verurteilter Schatten , der erst viel Blut trinken müßte , um zum Leben zu erwachen . In dieser wilden Zeit gibt man mir ja auch manchmal Blut zu trinken und dann - schweig still , mein Herz . 13 Aschermittwoch , den 24. Februar Nur das Datum habe ich hier aufgeschrieben , und seitdem sind schon wieder mehrere Tage vergangen . Aschermittwoch - ein trübseliges Datum , aber wohl nur für den , der seine Besinnung schon wiedergefunden hat . Uns allen war sie völlig abhanden gekommen , es herrschte nur eine still glückselige Aufgelöstheit , und immer noch tönten uns Nachklänge der verbrausten Feste in die Ohren . Wir kamen die letzten drei Tage nur flüchtig und besuchsweise heim - ins Eckhaus , denn in dieser Zeit war das Eckhaus unser aller Heimat . Wir wußten längst nicht mehr , wer eigentlich zu uns gehörte und wer ein Fremder war - ob man sich als Freund gegenüberstand oder als Todfeind - und wer sich liebte , haßte oder völlig gleichgültig war . Und wenn es wirklich das Ziel dieses Stadtteils ist , daß alle Individualität aufhört , jedes Einzelleben sich an eine Allgemeinheit verliert - so konnte es wohl für erreicht gelten . Als ich Sendt diese Wahrnehmung mitteilte , lächelte er ein wenig und sagte : » Lassen Sie nur alle erst einmal ausschlafen , dann wollen wir weiter darüber reden . « Das war in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch , als die letzten Lokale geschlossen wurden und es hieß , der Karneval sei nun zu Ende . Die meisten gingen denn auch nach Hause - wir nicht , wir standen im Schnee auf der Straße und wollten glücklich bleiben . Dann lud uns jemand , den wir nicht kannten , zum Frühstück ein , das Frühstück ging in ein Souper , das Souper in ein Gelage mit Tanz über , dann wurde alles undeutlich , immer undeutlicher . Man war nicht mehr im Kostüm , war wieder in seiner gewöhnlichen Kleidung und fand sich eines Nachmittags um den Teetisch im Eckhaus versammelt . Die verschiedenen fremden Gesichter waren verschwunden , und der engere vertraute Kreis war wieder unter sich . Nur Susanna fehlte noch - aber man spricht nicht darüber . Orlonsky prüft seine Bergstiefel , jongliert mit den Tellern und tanzt einen scharrenden Niggertanz - lauter Anzeichen , daß er mit irgend etwas nicht einverstanden ist . 28. Februar Ein paar leere , verschlafene Tage - es ist , als wäre