doch lag etwas Ausländisches in der Erscheinung . Der leichte blaue Sammetrock , der kurz und mit Schnüren und Stickereien besäet war , mochte wohl schuld daran sein . Alles übrige an ihm war schwarz bis auf den ans Kinn quellenden vollen Backenbart und den übermütigen Schnurrbart und Henri quatre . Er war in den ersten Tagen sehr sanft und mild , von Tag zu Tage ist er aber ausgelassener und wilder geworden . Am meisten verkehrt er mit Valerius ; sie reiten auch täglich zusammen aus , und gehen so sicher männlich miteinander um , daß einem stark und wohlig zumut wird , wenn man sie zusammen sieht . Alberta ist seit Hippolyts Ankunft ganz verändert , unruhig , heftig , bewegt , ausgelassen , still , lauter Dinge , die zu ihrem früheren Gleichmaß gar nicht stimmen . Ich selbst erwehre mich einer gewissen Unruhe und Bangigkeit nicht , wenn ich bei ihm stehe und nur , wenn Valer hinzutritt , wird es beruhigter in mir . Weiß Gott , es ist , als ob ein Raubvogel ins Taubenhaus gekommen wäre , alles ist bestürzt - und doch ist der Raubvogel so zauberhaft schön . William hat sich auch ganz zurückgezogen , er lacht gar nicht mehr , und spricht fast nie mit Hippolyt ; Leopold springt wohl an ihm herum , aber er scheint auch nicht die rechte Courage gegen ihn zu haben , und wird oft verlegen , wenn ihn jener zum besten hat . Graf Fips spricht von seiner Abreise , der Graf ist sehr aufmerksam gegen Hippolyt und Valerius , aber er scheint auch nicht ganz sicher zu sein . Alberta grüßt Sie aus der Fülle des Herzens , und bittet Sie , doch ja recht bald hieher zu kommen . Adieu ! Adieu ! Man ruft mich zu Tisch , und unsere Mahlzeiten sind jetzt immer diplomatische Mittagsessen ; der Graf bringt lauter schwerfällige Gegenstände aufs Tapet , und es entsteht immer ein so klirrendes Gefecht , daß man das Essen ganz vergißt . Ich glaube , es würde oft Blut fließen , wenn nicht Valer immer die zürnenden Parteien vom Schlachtfelde wegführte . Meine Herren , pflegt er dann zu sagen , ich bitte , mir auf ein höher gelegenes Terrain zu folgen , und dann rückt er die Streitfrage der Parteien auf ein sogenanntes historisches Entwicklungsfeld ; stellt zuerst den blutig um sich hauenden Hippolyt zur Ruhe ; ihm folgt der Graf mit einigen leichten Einwendungen , die bald beseitigt sind , und Graf Fips ist dann immer sogleich still ; ich glaube , er versteht nicht viel mehr davon als ich . Doch hab ' ich mich schon sehr in des Valerius Gelehrsamkeit eingerichtet ; anfänglich kam sie mir stets wie ein Bergsturz vor , der mich verschüttete , jetzt hat er mich mit ein paar klaren einfachen Worten von dem Hauptgange seiner Ideen unterrichtet , und nun folg ' ich ihm mit Leichtigkeit , und es tut mir unbeschreiblich wohl , wenn er die Rede an mich richtet über die wichtigsten Dinge . Wenn man ihn erst ein wenig kennt , sieht man , wie äußerst einfach er redet , wie alles so schwer golden ist , was er bringt , wie er es dem Zuhörer so gutmütig zuschneidet und anpaßt . Ich antworte gewiß oft sehr einfältig darauf , aber wenn er meine Antwort in seiner Sprache wiedergibt , wenn er mit leisen Fingern die Wurzeln der Gedanken aufdeckt , so erscheint alles so eng verzweigt mit großen allgemeinen Ansichten , daß ich mich oft kindisch freue über meine Gelehrsamkeit , in die Hände klatsche und - ja , denken Sie , neulich hab ' ich den klugen lieben Mann wegen einer so schönen Auslegung meiner Worte beim Kopf genommen und ihm rasch einen Kuß gegeben . Ich schämte mich hinterdrein und alle lachten , aber Valer sah mich so freundlich lächelnd an , daß es mir nicht leid tat . Ach , nicht wahr , ich schwatz recht dummes Zeug - Adieu - Adieu ! 15. Konstantin an Hippolyt und Valerius . Ich danke Euch , meine Freunde , meine Freunde , ich danke Euch ! Wir wollen unsern Zug nach Westminster antreten , besorgt ein Paar hübsche Jungen für meine Schleppe . Ihr edlen Pairs meines Königreichs habt mir Geld geschickt , das war brav von Euch - mit dem Gelde hab ' ich gespielt , um rote Dukaten gespielt , und ich mußte mir einen neuen Rock machen lassen , weil ich nicht genug Taschen für den Gewinst hatte . Spiel und Soff sind zwei Laster ; aber beim heiligen Georg von England ! schöne Laster . Ich habe alle Tage einige Zeilen an Euch geschrieben ; hier folgen sie ; wundert Euch nicht , daß sie aphoristisch sind , ich bin selbst ein abgerissener Fetzen der Welt , wer hält mich fest ? Der nächste Sturmwind führt mich fort - die ganze Welt ist aphoristisch , es ist kein Zusammenhang darin als die Luft , will sagen , der Wind . » Die Welt ist lauter Wind , Juchhe ! « - Vaterland ! Wieviel abgerundeter und einiger würde ich sein , wenn ich mit dem Worte das verbände , was viele Leute dabei zu fühlen scheinen . Ganz Deutschland danke ich die deutsche Sprache ; für dies Geschenk bin ich um so dankbarer , als ich keiner andern mächtig bin . So bin ich sehr erklärlich - ein Deutscher , denn wenn man zu keiner andern Nation gehört , so muß man ein Deutscher sein . Übrigens bin ich es aus Gewohnheit , Temperament usw. - der Patriotismus ist einseitig , klein , aber er ist praktisch nützlich , beglückend , beruhigend ; der Kosmopolitismus ist herrlich , groß , aber für einen Menschen fast zu groß , der Gedanke ist schön , aber das Resultat für dies Leben ist innere Zerrissenheit , Humor . Eine gute Tragödie muß jetzt mindestens zum fünften