den Arm erhob und mit dem Finger winkte . Caspars Herz klopfte laut . Irgend etwas zwang ihn , der stummen Aufforderung des Unbekannten zu folgen . Der Mann fuhr fort , mit dem Finger zu winken , und wie hingezogen trat Caspar ein paar Schritte auf ihn zu . Da ging der Mann tiefer in das Gehölz , hörte aber nicht auf zu winken . Caspar konnte sein Gesicht nicht sehen , das unter dem weit in die Stirn gedrückten Hut versteckt war . Er folgte dem Menschen , obwohl alle Fibern seines Leibes widerstrebten , mit Grauen fühlte er sich Schritt um Schritt gezogen , seine Augen waren aufgerissen , Staunen und Schrecken lagen in seinem Gesicht , und die Hände hielt er . mit gespreizten Fingern von sich gestreckt . Schon war er dem Unbekannten so nahe , daß er dessen gelbe Zähne zwischen den Lippen schimmern sah , und wer weiß , was geschehen wäre , wenn sich nicht in diesem Augenblick auf der andern Seite des Gebüsches ein Trupp betrunkener junger Leute hätte hören lassen ; der fremde Mann stieß einen gurrenden Laut aus , bückte sich rasch und war unter dem Schutz des Laubwerks im Nu verschwunden . Auch Caspar kehrte um und rannte gegen die Kirche ; er lief geradeswegs mitten in die Schar der Lärmmacher hinein , die ihn aufzuhalten suchten , und so vermischte sich ein Schrecken mit dem andern . Nur mit Mühe riß er sich los , einige folgten ihm schreiend , er verdoppelte seine Eile , der Hut fiel ihm vom Kopf , er ließ ihn liegen , rannte , so schnell er konnte , durch die Judengasse und weiter und ging erst wieder langsamer , als er sich auf der Brücke zur Insel Schütt befand . Daumer war schon unruhig geworden und wartete vor dem Haustor . Betroffen hörte er Caspars hastigen und unklaren Bericht an , und nach einiger Überlegung meinte er , er glaube nicht recht an das Abenteuer ; » da hat dir wohl deine allweil erregte Phantasie einen törichten Streich gespielt « , sagte er ungewöhnlich streng . » Nein , es ist wirklich wahr « , beteuerte Caspar . Dann klagte er , daß er den Hut verloren habe , und schließlich zeigte er , auf einmal ganz heiter geworden , das Heft , das ihm der Präsident geschenkt und das er während der ganzen Zeit krampfhaft in der Hand festgehalten hatte . Zerstreut besah es Daumer . » Hat dir Anna nicht gesagt , daß wir zur Magistratsrätin gehen ? « fragte er mißgelaunt . » Es ist höchste Zeit ; mach flink und zieh dir den Sonntagsrock an . « Caspar schaute ihn mit schrägem Blick von unten an und ging zögernd ins Haus . Daumer , der schon im Gesellschaftskleid war , wandelte zweimal bis zum Pegnitzufer und wieder zurück ; eine halbe Stunde verfloß , und Caspars langes Ausbleiben machte ihn endlich ungeduldig . Er eilte die Stiege hinan und betrat Caspars Zimmer , wo eine Kerze brannte . Zu seinem Ärger nahm er wahr , daß Caspar angekleidet auf dem Bette lag und schlief Er rüttelte ihn an der Schulter , ließ aber plötzlich ab , durchmaß ein paarmal das Zimmer , ohne seines Mißmuts Herr zu werden , dann stieß er zornig hervor : » Ach was , soll die Neugier der guten Leute um ihren Schmaus betrogen werden ! « Durch den finstern Flur schritt er ins Gemach der Schwester , die vor dem Klavier saß und spielte . Er legte ihr den Fall vor und Anna gab ihm ohne weiteres recht , daß er Caspar zu Hause lasse . » Dann muß jemand zur Rätin und unser Ausbleiben entschuldigen « , sagte Daumer in einem Ton , als ob das Versäumnis sonst schlecht ausgelegt werden könne und er Unannehmlichkeiten zu befürchten habe . Anna erwiderte , die Magd sei nicht da , und nach einigem Besinnen erklärte sie sich bereit , den Gang selbst zu tun . Als sie fort war , setzte sich Daumer zu den Büchern , rückte die Lampe zurecht und las . Doch er hatte ein schlechtes Gewissen und fuhr bei jedem Laut zusammen . Nach einer geraumen Weile hörte er Schritte ; Anna trat hinter seinen Stuhl und sagte hastig , die Magistratsrätin sei mitgekommen , um Caspar zu holen . Daumer sprang auf ; » das heiße ich den Spaß zu weit getrieben « , murmelte er entrüstet . Anna legte ihm die Hand auf den Mund , denn schon stand die Rätin in der Türe ; reich geschmückt , im Seidenmantel , ein kostbares Spitzentuch um den Kopf . Sie war eine nicht mehr ganz junge , aber sehr stattliche Frau ungewöhnlich groß gewachsen , mit ungewöhnlich kleinem Kopf . In ihrem Betragen vermischte sich das Modisch-Französische und das Nürnbergerisch-Provinzliche auf eine nicht immer ganz einwandfreie Weise , und wo jenes zur Geltung kommen sollte , guckte dieses wie der Zipfel eines schlechtverborgenen Armeleutgewands unter einer brokatenen Tunika hervor . Sie rauschte auf Daumer zu , majestätisch wie eine schaumige Woge , und der gute Mann , niedergeschmettert von so viel Glanz , vergaß seinen Groll und führte die dargereichte Hand der Dame an seine Lippen . » Muß ich selbst Sie an Ihr Versprechen erinnern ? « rief sie mit einer sonoren , kräftigen Stimme . » Was solls bedeuten , Professor ? Was ist vorgefallen ? Weshalb die Absage ? Sie sehen , ich verlasse meine Gäste , um ein Wort einzulösen , das Ihnen zu brechen so leicht wird . Keine Ausflucht , lieber Daumer , Caspar muß mit , wo ist er ? « » Er schläft « , erwiderte Daumer zaghaft . » Nom de Dieu ! Er schläft ! Daß dich das Mäusle beißt ! So wird man ihn halt wecken . Marsch , marsch , voran ! « Daumer hatte nicht den Mut , zu widersprechen , dies zupackende Gebaren