, wurde es auf einmal so dunkel , daß man eigentlich Licht hätte anzünden müssen ; man sah kaum , was man aß . Plötzlich krachte ein steinharter Donnerschlag , der sie alle miteinander von den Sesseln aufjagte , und damit ging ein prachtmäßiges Gewitter los , mit ununterbrochenen Donnersalven aus allen Himmelsgegenden , begleitet von einem sündflutlichen Platzregen , der aus unerschöpflichen Wasserpaketchen die Dächer dampfend überschüttete . Mitunter fegte ein Blitz , statt schräg von oben , waagrecht durch die Gasse , ähnlich dem Fintenstreiche eines weißglühenden Riesendegens ; dann überpurzelten sich aus den aufgeschlitzten Wolkenbäuchen die Regenströme mit verdoppelter Wucht , obgleich man schon vorher geglaubt hatte , jetzt heiße es tutti fortissimo . Ob dieser kräftigen Tafelmusik wurde den Kadetten , welche anfänglich ein wenig schüchtern getan hatten , so heimelig zumute , daß sie auftauten , herzhaft zulangten und dem Pudding tüchtig die Meinung sagten . » Warum sollten wir nicht die gesunde Luft hereinlassen ? « rief der Oberst , als der Donner fernwärts abgrollte und der Platzregen gleichmäßiger und senkrechter niederfiel . Da stellten sich die Buben ans offene Fenster , streckten die Köpfe hinaus , daß ihnen die Tropfen auf die Nase spritzten , und sangen aus Leibeskräften : » Guter Mond , du gehst so stille « . Sie möchten doch lieber das Lied vom guten Kameraden singen , lachte der Oberst , da sie doch auf der Reise so treu zusammengehalten hätten . Das taten sie . Dann kam die Frau Landammann und fragte , ob sie vielleicht das Lied Heimat , Heimat über alles wüßten , das höre sie so gerne . Hansli zuckte verächtlich die Achseln : » Das haben wir schon in der zweiten Klasse gehabt . « Hierauf sangen sie ihr das Lied . » Bitte noch einmal , falls ihr nicht etwa zu müde seid . « Und als sie es wiederholt hatten , mochte sies zum drittenmal hören . Dabei hielt sie aber das Taschentuch vor die Augen und seufzte , so daß Gerold sich wunderte , warum jemand ein Lied , das ihn doch traurig mache , öfter hören wollte . » Was ist das eigentlich , Heimat ? « fragte er . Der Oberst antwortete : » Wenn man einmal weit , weit weg ist . « Diese Antwort verblüffte ihn , er hatte gedacht , eher das Gegenteil . Unterdessen hatte sich der Regen erschöpft , und an mehreren Stellen guckte das frischpolierte Himmelsblau zwischen dem schmutzigen Gewölk hernieder . » Das bedeutet Glück « , sagte der Oberst , » und wenn ihr Geduld haben könnt - könnt ihr Geduld haben ? « » Ja « - » so gibt es eine Überraschung . « Dann rückte er zwei Stühle vor den Kamin , Front gegen den Feuerherd . » Setzt euch . Guckt nur fest in den Kamin - aber daß ihr euch ja nicht umdreht ! ! - bis ich klingle . « Hiermit verzog er sich mit seiner Frau ins Nebenzimmer , die Tür anlehnend . Die Buben aber guckten aus Leibeskräften in den Kamin . » Was meinst du ? « flüsterte Hansli , » was gibt es wohl für eine Überraschung ? am Ende eine böse ? « » Warum nicht gar , es gibt überhaupt keine bösen Überraschungen . « » Sie schreiben beide etwas im Nebenzimmer , der Oberst und seine Frau , ich habe es durch die Türspalte gesehen . Ich habe doch Angst . « Da wurde die Tür geschlossen . Nun starrten sie gewissenhafter in den Herd und enthielten sich überflüssiger Gedanken . Während dessen kam ein Sonnenstrahl zu ihnen zu Gast , der Stahlreif des Kohlenfängers begann zu glänzen , der goldene Spiegelrahmen zu leuchten , der Gabelschweif des ausgestopften Auerhahns erhielt einen blaugrünen Pfauenschweif gemalt , und die Kristallflasche daneben sprühte Kronen und Diamanten . Unvermutet schellte die erlösende Klingel . Und wie sie aufsprangen , stand der Oberst mit seiner Frau hinter ihnen . » Hier habe ich einen Brief geschrieben « , sagte er , » lest die Aufschrift . « Sie lasen : An Herrn Hauptmann Guggenbühler in Aarmünsterburg . » Und ich auch einen « , ergänzte die Frau Oberst . Sie lasen : An Frau Hauptmann Guggenbühler in Aarmünsterburg . » Und dieses kleine Briefchen hat Gesima gekritzelt . « Sie lasen : An Herrn und Frau Hauptmann Guggenbühler in Aarmünsterburg . - » Was darinsteht « , lächelte der Oberst geheimnisvoll , » wird euch die Regimentstochter verraten . « Und mit dem Finger winkend , führte er sie , auf den Zehen schreitend , ins Gastzimmer , dessen Balkontür flügelweit offenstand . » Kadettenbataillon Aarmünsterburg , vorwärts marsch ! « rief er mit schallender Kommandostimme und schob sie auf den Altan . Wer stand auf dem Altan ? Gesima ! Als Regimentstochter verkleidet , auf der Stirn ein impertinentes Mützchen mit einer Hahnenfeder , um den Hals , zum Zeichen ihrer militärischen Heldeneigenschaft , ein Miniaturfäßchen aus Schokolade an goldenen Zuckerbäckerfäden . Auf einer Art Estrade stand sie , gerade unter dem Regenbogen , als wollte sie ihn als Springseil benützen ; und in der rechten Hand hielt sie einen ziselierten Degen , den sie so weit als möglich von sich wegstreckte , wie wenn sie befürchtete , er könnte losgehen . Kaum betraten die Brüder den Altan , so gab sie sich durch Stirnrunzeln ein tyrannisches Ansehen und kommandierte , während sie mit dem Degen eigensinnig auf das Geländer klopfte , in die Straße hinunter : » Adjutant Oskar Wildstrubel ! Sapperment , wo bleibt denn der Faulpelz von Adjutant ? « Da klirrten Sporen , der Adjutant von heute nachmittag schnellte vor den Balkon , salutierte mit dem Säbel und fragte : » Zu Befehl ! was beliebt Ihrer Exzellenz der Regimentstochter ? « Gesima sägte mit ihrem Degen bedrohlich über das Geländer und schnauzte mit erboster Majorsstimme : » Alle Bomben und Granaten von Sevilla , aufgepaßt ,