alles in der Welt , nur dieses Stück nicht hergegeben , « sagte da Fräulein Reseda . » Was daran wahr ist , weiß ich nicht . Dergleichen Sagen gibt es ja wohl manche in alten Familien . Sie sind nur ein Phantasiespiel der Liebe um unser Herkommen , um unsere Vergangenheit sozusagen , « erklärte sie . » Aber es ging die Sage , daß ein Elf meiner Urmutter , die eine alte Adelsherrin auf einem Herrschaftssitz war , diese Uhr , eine Kette und einen Becher zutrug . « Und nun hatte sie ausführlich alles erzählen müssen , was Einhart unsäglich berückend schien , und ohne Farbentafel ein eitel vorüberwehendes , beglückendes Traumbild . » Erzählen Sie mir alles , « hatte er sie mit verzehrtem Blicke angesehen mit seinen Glutaugen und mit einem Lächeln tiefster Erregung , gar nicht einfältig , obwohl in ganz innigversunkener Hingabe , wie sie ihm in dieser ganzen Akademiezeit nie aus Seele und Auge aufgeblitzt . Denn hier auf einmal begannen sich Sehnsuchten zu stillen . Hier duftete etwas gar nicht nur wie Reseda . Hier schien wirklich von lange her ein einsames Glücksland . » Also einen Becher und diese Uhr und eine Kette brachte der Elf ? « Einhart war ganz im Wunder . » Meine Urgroßmutter hatte nämlich gerade einen Knaben geboren und lag im schweren Himmelbett im Schlosse in den Wochen , « erzählte Fräulein Reseda . » Innig verpflegt , brachte sie ihre Zeit in Halbträumen zu . Und manchmal , wenn sie die Augen auftat , schien in dem Dämmerraum eine kleine , feine Flamme von einem Öllämpchen her , das auf einem Ecktische stand . « » Und in einer Nacht hatte sie eine Erscheinung . Ein kleiner , bärtiger , wetterfester Kerl , der kaum zum Bett aufragte , steht gegen den Schein . Zuerst hatte sie ihn für einen Kleiderzipfel gehalten , der vom Bettstuhl ragte . Dann erkennt sie ihn , weil er ganz dienstwillig sein Zipfelhütchen lupfte und sie flüsternd anspricht : Du birgst ein Kind hier im Schutz . Und das ist gut . Aber mein Weib hat auch ein Kindlein geboren und sie kann es nicht schützen vor deinem Öle , sagte der kleine Mann ganz voll Kummer . Hätten wir hier nicht rasten gemußt , weil zu gleicher Zeit wie deine auch meines Weibes Stunde kam , wir wären nicht hier . Oh , Herrin , sieh nur hin ! Deine Öllampe sickert Tropfen um Tropfen durch die Tischspalte , und die Tropfen fallen gerade auf mein Weib und Kind . Gebiete doch , daß man die Lampe auf einen anderen Platz stelle . « » Am Morgen dachte meine Urmutter hin und her über den Traum . - Aber der Traum wiederholte sich die folgenden Nächte . Und endlich nach dem dritten Male befahl die bleiche Wöchnerin , die Öllampe auf einen andern Platz zu tragen . « » Und was geschah ? « fragte Einhart eifrig , dem der feine Mund im graubleichen Gesicht offen blieb , daß man seine gelben Zähne sah . » Ja , nun raten Sie einmal ! « sagte Fräulein Reseda drollig gewichtig . » Um aller Welt Wunder willen , wer kann solche Entzückungen aus der Luft greifen ? « gab Einhart ganz ernst zurück und schwieg . Da lud ihn Fräulein Reseda vor einen gläsernen Schrank , der von vier Mohren gehalten dastand , und öffnete lange nicht , weil sie selber ins Träumen geraten , nur lächelte . So daß nun beide von dem kleinen Öllämpchen träumten , und wie Tropfen um Tropfen auf das winzige Elfenbett niederfiel als wie der Schlag der Stunde . » Oh die Sache löste sich wunderbar , « rief dann Fräulein Reseda . » Denn in der vierten Nacht erschien das Männlein wieder und sagte , indem er einige schwere Dinge heranschleppte : Ihr habt mein Prinzeßlein gerettet . Mein Weib ist schwach und bleich noch wie Ihr , aber sie sieht mit leisem Lachen auf das Kind . Die Tropfen fallen nicht mehr , sie zu bekümmern . Habt Dank und nehmt , was ich Euch bringe ! Solange Euch die Uhr schlägt , wird Euer Haus eine glückliche Wohnstätte sein ! Solange Ihr aus dem Becher trinkt , werdet Ihr süße Träume haben ! Solange die Kette am Halse der Schloßfrau blinkt , werdet Ihr in Menschenliebe wandeln ! « Fräulein Reseda öffnete jetzt und zeigte Einhart alles , den Becher aus einem Stück Bergkristall , die feine Kette aus grünen Steinen , die sie gleich unter ihrem Halskräuschen hervorzog . » Man muß seine wahren Güter heimlich tragen , weil sie mehr wert sein müssen , als nur zu prunken , « sagte sie neckisch , als sie sie vom Halse abzog und ihm hinhielt . Nun , weiß Gott , Einhart war das alles , daß ihm die Augen weiter wurden . Die Geschichte hatte Fräulein Reseda nur so anspruchslos hinerzählt . So kam und ging es aber an allen Enden , vor Bildern seltsamer Ahnfrauen und vor Tischen und Schüben . Aus jeder Ecke ragte eine Geschichte , eine Fülle von Ereignissen , wovon in dem Glasschrank voller kleiner Spielgeschmeide schon allein an die Tausende saßen . Nicht etwa aufbewahrt , damit es andere hören oder sehen sollten . Ganz und gar nur zur Liebe für die Eine , wie überhaupt die ganze , feine , duftige Wohnstätte des einen , einsamen Fräulein Reseda . Sogar an den Fenstern besah Einhart lange Zeit versunken weiße , schattende Lichtbilder aus einer alten Zeit , wie Schäferspiele holde Dinge . Und Einhart achtete gar nicht , daß er vor dem Nähtisch des Fräulein Reseda versunken saß , vor den drolligen Gesichtern der elfenbeinernen Stopfkugeln im bunten Nähkorbe und den Nußknackern , die Nadelhalter darstellten . Alles hier atmete und hauchte feinen Sinn und liebes Leben . Er wußte gar nicht , daß er tatsächlich neugierig wie ein Dieb herumschlich