fügen . Das war eine Zeit , Lisa , diese letzten acht Wochen und jetzt immer noch ! Zähneknirschen und Wutschäumen sind nur schwache Worte für das , was ich von Morgen bis Abend empfinde . Aber nun alles der Reihe nach : zuerst kam die Reise nach meiner alten Heimat . - Sie wissen , ich war bei Bekannten in Halmby , unsrer kleinen Seestadt bei Nevershuus . Es war so schön , alles wiederzusehen , ganze Sommertage am Strande zu liegen , die alten Wege zu gehen und ganz eigner Herr zu sein , denn dort kümmerte sich niemand darum , was ich tat . Ich habe wirklich einmal nur so hinausgeschrien vor Lebensfreude nach all den bedrückten Jahren . - Nachher besuchte ich dann noch verschiedene Verwandte weiter nach Norden - daß Allersen überall mit war , haben Sie wohl durch Detlev gehört . - Es war wie in einem Lustspiel , dies fortwährende Trennen und Wiederfinden . Und denken Sie nur , wenn an diesen entlegenen Orten ein Fremder mit schwarzem Bart und unheimlichem Aussehen auftaucht , von dem niemand weiß , wer er ist und was er da will , und wie wir uns dann immer heimlich trafen , meist in aller Morgenfrühe in irgendeinem obskuren Hotel . - Zuletzt unterschlug ich mit vieler List noch ein paar Tage , wir fuhren im Dampfschiff die Küste entlang und blieben , wo es uns gerade gefiel in den Fischerdörfern . Dann kam ich hierher nach Kronsee , alles war gut gegangen - und drei Tage später telegraphiert Papa an meinen Onkel , er möchte sofort zu ihm kommen und der Krach war da . Ich hatte zu Hause in einem Lexikon den letzten Brief von Allersen liegen lassen und meine Mutter hatte ihn zufällig gefunden . Daraufhin brachen sie meinen Schreibtisch auf - Sie können sich ungefähr einen Begriff davon machen , was alles zu Tage kam - mein ganzer Briefwechsel mit Friedl Merold - mit Allersen , Detlev , den Ibsenklubleuten und noch allerhand kleine Torheiten vom letzten Winter - der arme Allersen war ja nur ein verschwindender Faktor in dem ganzen Sündenpfuhl . Als mein Onkel zurückkam - mit mir selbst wollten meine Eltern nicht mehr unterhandeln - all diese Unterredungen , Ausfragen - ich habe getobt , Lisa , bis ich endlich so klug geworden bin , alles schweigend über mich ergehen zu lassen . Denn mir sind einfach die Hände gebunden - man läßt mich nicht aus den Augen , gibt mir kein Geld in die Hand , fängt jeden Brief auf . Außerdem behaupten sie , solange ich nicht mündig bin , könnten sie mich jederzeit zwingen zurückzukommen . Das muß ich erst alles ganz genau wissen . Ich will Ihnen keine Einzelheiten erzählen , Lisa , sonst gerate ich wieder in solche Wut , daß ich alles entzweischlage , und sie sind imstande , mich dann für tobsüchtig zu erklären . Es war schon einmal die Rede von unter Kuratel stellen . - Mir ist schon so zumut , als ob man mich in ein Tollhaus gesteckt hätte , um mich verrückt zu machen , ich schiele nach jeder Tür , um zu entkommen , aber jedesmal steht ein Wächter dahinter . So habe ich mich einstweilen zum Schein ergeben - man hat beschlossen , mich in ein Pfarrhaus zu geben , wo ich Moral und Haushalt lernen soll - und ich habe freudig ja gesagt . Zweitens ist Allersen und mir ein wöchentlicher Briefwechsel gestattet , und wenn wir uns sieben Jahre lang - nämlich bis er eine Stellung annehmen kann - musterhaft führen , dürfen wir sogar heiraten . Er hat sich schriftlich verpflichten müssen , ohne Einwilligung der Familie keinen Schritt in bezug auf mich zu unternehmen . Natürlich wollen sie mir auf diese Weise nur die Waffen aus der Hand winden - ach , Lisa , als ob ich daran dächte , ihn zu heiraten , mir geht es ja nur um meine Freiheit und ums Malen , aber ich hüte mich wohl , das durchscheinen zu lassen . - Ich warte nur auf den Moment , wo sich eine Türspalte auftut - es kommt mir ja schon vor , wie ein erstes Aufleuchten , daß ich einen Brief an Euch fortschicken kann . Mein Onkel ist heute zur Stadt gefahren , und wenn die Tante schläft , will ich versuchen , nach der Station zu rennen und ihn einzustecken . Noch ist nicht einmal sicher , ob es gelingt . Mein Gott , wenn ich doch jetzt soviel Geld hätte , um zu Euch zu fahren oder meinetwegen auch zu Fuß hinzulaufen . Aber dann würden sie mich ja doch erwischen . Kinder , denkt an mich - ich habe vielleicht noch schlimmere Zeiten vor mir . So lebt wohl und vergeßt mich nicht - schreibt mir nicht , ich würde es doch nicht bekommen . Ellen . Pfarrhaus Steensby - - Da bin ich nun als räudiges Schaf mitten unter der Schar seiner Gläubigen - in einem friedlichen Landpastorat - wasche Zimmer auf , putze Lampen und stehe am Herd - frühmorgens , wenn die Hähne krähen . Seit dem ersten Oktober bin ich hier - wurde wie ein sibirischer Sträfling hergebracht - man ließ mich keine Wagenstrecke allein fahren . - Vorher in Kronsee mußte ich noch eine Art Kontrakt unterschreiben , daß ich keine heimlichen Briefe abschicken , nie allein zur Stadt gehen und mich in die Hausordnung fügen wollte . Es ist nur gut , daß ich im Seminar von der reservatio mentalis gelernt habe . Am ersten Abend habe ich mir gleich das Haus darauf angesehen , wie man von hier ausreißen könnte - Türen , Fenster , alles . Ich war eigentlich auf lauter neue Quälereien gefaßt : Verhöre , Bußpredigten , Überwachung - aber nichts von alledem . Es sind sympathische Menschen , die mir nun mit Takt und Freundlichkeit entgegenkommen , - was ich im Gegensatz zu