verschlossen geblieben , blickte Rudolf nach einer andern Stelle aus , von wo er die Fülle seiner Gedanken und Pläne verkünden konnte , das Nächstliegende war : Zeitungsartikel zu schreiben . Er versuchte es . Die Anschauungen und Grundsätze , die vor seinen Wählern keine Gnade gefunden , die brachte er nun in Form von Essays zu Papier . Doch fand er damit ebensowenig Gnade bei den großen politischen Blättern . Da herrschte ja die gleiche Parteienge , die er in den lebendigen politischen Kreisen gefunden , ins Papierne übertragen . Was außerhalb der gewohnten Schlagworte , der gewohnten Phrasengeleise lag , das wollten die Blätter nicht aufnehmen . Indessen das » Aktuelle « ist immer zeitungsspaltenfähig und so geschah es , als im Herbst 1891 die Telegraphenagenturen meldeten , in Rom werde unter Beteiligung offizieller Kreise ein Friedenskongreß und eine interparlamentarische Konferenz abgehalten - so geschah es , daß man in den Redaktionen doch auf jene Frage hinhorchte , und ein großes Wiener Blatt veröffentlichte einen von Rudolf Dotzky eingesandten Aufsatz , in welchem er ungefähr folgendes ausführte : » Millionenheere , in zwei Lager geteilt , waffenklirrend , stehen bereit , nur eines Winkes gewärtig - aufeinander loszustürzen . In der gegenseitig zitternden Angst vor der unermeßlichen Furchtbarkeit des drohenden Ausbruchs liegt einigermaßen Gewähr für dessen Verzögerung . Hinausschieben ist jedoch nicht Aufheben . Die sogegannten Segnungen des Friedens ( als wäre der bewaffnete Friede nicht selber ein Fluch ) die werden uns immer nur von Jahr zu Jahr garantiert , immer nur als hoffentlich noch einige Zeit anhaltend hingestellt . Von der Abschaffung des Krieges , von gänzlicher Aufhebung des internationalen Gewaltprinzips , durch Einsetzung zwischenstaatlicher Justiz , davon wollen die zur Aufrechterhaltung des Friedens waffenbrüderlich verbundenen Gewalten nichts wissen . Der Krieg ist ihnen heilig , unausrottbar , und man darf ihn nicht wegdenken wollen ; er ist ihnen auch - angesichts der Dimensionen , die er unter den gegenwärtigen Bedingungen annehmen müßte - furchtbar , vor dem eigenen Gewissen unverantwortlich , also darf man ihn nicht anfangen . Was ist das aber für ein unnatürliches Ding , das nicht aufhören kann und nicht anfangen soll ; das nicht weggewünscht und nicht herbeigeführt , nicht verneint und nicht bejaht werden darf ? Ein ewiges Vorbereiten auf das , was durch die Vorbereitung vermieden werden soll - ein Vermeiden dessen , was durch die Vermeidung vorbereitet wird . Dieses Widerspruchsmonstrum erklärt sich so . Jenes Gebilde aus historischer Vergangenheit , das man noch aufrecht erhalten will , - die gebietverschiebende , machtvergrößernde , nur einen geringen Bruchteil der Bevölkerung in Anspruch nehmende frische und fröhliche Kriegführung , die ist inzwischen im Entwicklungsgange der Kultur , zur moralischen und physischen Unmöglichkeit geworden . Moralisch unmöglich , weil die Menschen von ihrer Wildheit und Lebensverachtung verloren haben , daher nicht mehr fröhlich an das Totschlage-Werk gehen können , die Blutarbeit ist mir verhaßt schreibt Friedrich III. in seinem Tagebuch ; - physisch unmöglich , weil die während der letzten zwanzig Jahre angewachsene Zerstörungstechnik einen Grad erreicht hat , der den nächsten Feldzug zwischen den großen Militärstaaten zu etwas gestalten würde , das etwas ganz neues , anderes wäre , etwas , das sich mit dem Wesen und den Zwecken des landläufigen Begriffes Krieg nicht mehr decken würde . Ein Beispiel : wollte man durch lange Stunden ein Bad vorbereiten , das Wasser heizen , heizen , bis es siedet und überwallt - wäre dann dasjenige , was einen träfe , der endlich doch in die Wanne stiege - oder vielmehr hineinfiele - noch ein Bad zu nennen ? Noch ein paar Jahre solchen aufrechterhaltenden Friedens , solcher Heeresmehrungen , solcher Mordmaschinen-Erfindungen - elektrische Sprengminen , ekrasitgeladene Lufttorpedos - und kurz nach der Kriegserklärung sind sämtliche Kriegführende - - verbrüht . Jeden Augenblick kann die Explosion kommen . Diejenigen , welche die Lunte in Händen haben , geben zum Glück acht . Sie wissen , daß , bei solchem Pulvervorrat , die Folgen schrecklich wären , wenn sie unvorsichtiger- oder gar freventlicherweise den Funken hineinwürfen . Um also diese wohltätige Vorsicht zu steigern , wird der Pulvervorrat immer vergrößert . Wäre es nicht einfacher , freiwillig und übereinkommend die Lunte wegzutun , mit anderen Worten : abzurüsten ? Den internationalen Rechtszustand einzusetzen , die getrennten Gruppen - die einander stets zuschwören , daß sie , wenn von der andern Gruppe angegriffen , Schulter an Schulter kämpfen wollen - zu einer Gruppe zu verschmelzen , den Bund der zivilisierten Staaten Europas zu gründen ? « Diese zwei Postulate : Einsetzung internationaler Friedensjustiz und europäischer Staatenbund - die bildeten in Rudolfs Sinn das ganze , klare , einfache Ziel des von Friedrich Tilling aufgestellten Ideals . Das dritte Postulat - die Abrüstung - müßte sich als die mechanische Folge der beiden anderen einstellen . So wie das Rüsten die Geste der Kriegswollenden und Kriegsfürchtenden ist , die einander feindlich und mißtrauisch gegenüber stehen , so wäre bei verbündeten Mächten , die für etwaige Streitfälle ein Schiedstribunal bereit hätten , die natürliche Geste das Abrüsten . Jenen Artikel hatte er unterzeichnet und die Folge war , daß ihm aus den verschiedenen Schichten der Bevölkerung zahlreiche zustimmende Briefe zuflogen . Eine zweite Wirkung aber war , daß man ihn in seinem Kreise als » Exaltierten Menschen « klassierte . Manche seiner Freunde fanden diese Exaltation schädlich und gefährlich . Einigen flößte es geradezu Abscheu ein , daß ein Aristokrat , ein Offizierssohn Ideen Ausdruck gab , die so bedenklich an die Deklamationen der militärfeindlichen » Sozis « anklangen und an der bestehenden Ordnung der Dinge rüttelten . Dabei solch unpraktisches , unausführbares Zeug ! - » Utopie « sagten die Höflichen . Das Wort eignet sich so hübsch zum Wegfegen unbequemer Pläne . Es gibt zu , daß die Sache ja ganz schön und wünschenswert wäre - etwa wie die Überwindung des Todes - aber eben einfach unmöglich . Daß alle Errungenschaften von heute - alle , die technischen und sozialen - Eisenbahnen und