dem Lande des äußersten Moghreb , denn er ist im Wadi Draha geboren , woher bekanntlich die klügsten Leute kommen , und sein Name - - - « » Kutub ! « unterbrach ich ihn . » Was ? Was meinst du ? « fragte er mich , in seinem Eifer nicht an die zwischen uns vereinbarte Bedeutung dieses Wortes denkend . » Kutub , Kutub ! « wiederholte ich . » Wahajahti ! « rief er aus , sich jetzt besinnend . » Bei meinem Leben , jetzt habe ich mich versprochen gehabt ! Ich hätte mich hinterher und dann dich voransetzen sollen ! « » Das hast du ja schon gethan ! « » Was ? Nein ! « » Doch ! Du hast dann mich vorangesetzt , nämlich dann ! « » Wallahi fasl - das ist eine sonderbare Geschichte , bei Allah ! Verzeihe mir , Effendi ! Ich werde es sofort besser machen und wieder von vorn anfangen , indem ich zunächst deinen Namen und dann erst den meinigen nenne ! « » Das ist nun nicht nötig . Nenne zuerst meinen , und dann lässest du deinen weg , weil du ihn schon genannt hast ! « » Aber er muß doch unbedingt hinterherkommen , sonst beleidigt es dich ! « » Aber wenn du ihn noch einmal sagst , so hast du den meinigen nur einmal und den deinigen aber zweimal genannt , was doch noch viel beleidigender ist ! « » Gut , du sollst deinen Willen haben , weil du aus dem äußersten Moghreb stammst und im Wahdi Draha das erste Licht der Welt erblickt hast ! Also dein hochberühmter Name lautet Hadschi Akir Schatir el Megarrib Ben Hadschi Alim Schadschi er Rani Ibn Hadschi Dajim Maschhur el Azami Ben Hadschi Taki Abu Fadl el Mukarram . « Es war wirklich lustig anzuhören , wie schnell und fehlerlos er diese lange Schlange herunterleierte . Und ebensoviel Spaß machte mir dabei der Anblick der fünfzig Haddedihn , welche die zwei Dutzend Worte leise mitsagten und dabei die Lippen wie kauende Kaninchen bewegten . Da der Münedschi ein Beduine war , hatte ich nicht zu befürchten , daß der Name und die vorhergehende Zurechtweisung ihm lächerlich vorkommen würden . Er hatte mit ungewöhnlicher Aufmerksamkeit zugehört und fragte nun : » Bist du vielleicht derselbe Scheik Halef Omar der Haddedihn , welcher vor einigen Jahren den Schatz der Schmuggler in den Ruinen des Birs Nimrud im alten Babylon entdeckt hat ? « » Ja , der bin ich allerdings ! « antwortete der kleine Hadschi mit großem Selbstbewußtsein . » Du weißt also von dieser meiner Ruhmesthat ? Wo hast du denn davon gehört ? « » In Meschhed Ali , der heiligen Stätte der Schiiten . « » Wann ? « » Jetzt , als wir dort waren . « » Du und El Ghani ? « » Ja ! « » Aber ihr seid doch nicht Schiiten ! « » Nein . El Ghani ging als Gesandter des Großscherifs hin und nahm mich mit . « » Darf ich fragen , was er dort sollte ? « » Das weiß ich nicht ; er hat es mir nicht gesagt . Es scheint eine religiöse Angelegenheit gewesen zu sein , von welcher nur der Großscherif und sein Bote wissen durften . « » Und dort habt ihr von mir gehört ? « » Ja . Es waren Perser da , welche euer damaliges Erlebnis ganz genau kannten65 . Die Schmuggler , welche von euch ergriffen wurden , sind , anstatt Strafe zu bekommen , mit der Anstellung als Zollbeamte begnadigt worden . Darum verkünden sie euern Ruhm , so oft und so weit sie nur können . So haben auch wir davon erfahren . « » Du sagst euer , sprichst also nicht von mir allein ? « » Weil noch jemand bei dir gewesen ist , ein Effendi aus dem Abendlande . Er war ein Christ und hat Emir Kara Ben Nemsi geheißen . Ist das richtig ? « » Ja . « » In welchem Reiche des Abendlandes ist er geboren ? « » In Dschermanistan . « » Das dachte ich mir allerdings , denn Ben Nemsi ist ja dasselbe wie Sohn von Dschermanistan . War er auch wirklich ein Christ ? « » Der beste , den es geben kann ! « » Es wird von ihm erzählt , daß er , obgleich er ein Christ ist , den ganzen Kuran auswendig könne . Ist das wahr ? « » Ja . « » Auch sollen ihm alle Auslegungen desselben besser und vollständiger bekannt sein als muhammedanischen Gelehrten . « » Auch das ist richtig . « » Ich bin ein armer Mann und habe keinen Besitz ; aber wenn ich reich wäre , ich würde gern die Hälfte meines Vermögens dafür geben , wenn ich ihn einmal einige Tage bei mir haben und mit ihm sprechen könnte ! « » Warum ? « » Weil ich die heilige Schrift der Christen so kenne , wie er den Kuran kennt . Es würde mir eine Wonne sein , mit so einem Manne , wie er zu sein scheint , die wirkliche Wahrheit zu ergründen und ihn zu den Lehren des Islam zu bekehren . « Als er dies sagte , holte er tief , sehr tief Atem wie einer , dem die Sache , von welcher er spricht , außerordentlich am Herzen liegt und schon viele Sorgen bereitet hat . Schon das war für seinen Kuranglauben kein günstiges Zeichen . Dazu kam , daß er erst mit mir » die wirkliche « Wahrheit zu erforschen wünschte , sich also noch nicht im Besitze derselben wußte . Wenn er trotzdem davon sprach , mich zum Islam bekehren zu wollen , so war das wohl nur eine Redensart und dazu bestimmt , seine eigene Unsicherheit zu verhüllen . Dieser Mann schien zu den vielen Dürstenden zu gehören , welche die Quelle