mehr sehen . Und er ringt die Hände und stöhnt . Er möcht am liebsten gleich hier bleiben - in der Einsiedlerwelt - Da raschelt was neben ihm . Safur fährt auf und sieht eine große - Schlange . Die Augen der Schlange leuchten wie zwei Rubine . Der Leib der Schlange glitzert klebrig . Safur sieht - es ist eine giftige Schlange - und er springt an die Seite , sieht im nächsten Augenblicke rechts neben den Oleanderbäumen in der Tiefe den Tigris - und springt runter in die Flut . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Safur ist gerettet - er schwimmt langsam und sicher dorthin , wo die Barken liegen und die Lagerfeuer vor den Zelten brennen . Die Flammen der Lagerfeuer qualmen mächtige Rauchwolken in den Abendhimmel hinein . Die glühenden Augen der Schlange starren aber unverwandt in die große gelbe Mondscheibe . Die Schlange richtet ihren Oberkörper hoch auf und starrt mit ihren glühenden Rubinaugen in den Mond - als wolle sie den vergiften . Zwölftes Kapitel Und nach vier Wochen stand der Vollmond über dem Mondtempel zu Hauran . Und im Mondtempel weilten Abu Maschar und Safur , Abu Hischam und Battany , Suleiman und Jakuby . Die anderen lauteren Brüder waren auf Saids Barke mit den drei Frauen nach Bagdad zurückgekehrt . Den beiden Dicken , Kodama und Osman , war die Reise nach Hauran zu beschwerlich gewesen . Auch mochten sie einem » Fastenfest « nicht beiwohnen - ein Fest ohne Essen nannten sie nicht ein Fest . Ein » Fastenfest « ward aber trotzdem in Hauran gefeiert . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Mondtempel ist ein Tempel der Ssabier . Die Ssabier sind nach der Meinung des Volkes Götzenanbeter - Heiden . Doch die Meinungen des Volkes sind ja niemals maßgebend . Die Ssabier sind mehr , als sie scheinen . Ihre Religion ist ein Abglanz altbabylonischer und altassyrischer Kulte . Der Mondtempel zu Hauran ist Jahrtausende alt - eine alte träumende Ruine , die wie eine sterbende Greisin von alter , alter Zeit erzählt - und Wunderdinge weiß . Der Mondtempel wird hell vom Vollmond erleuchtet . Und in das Mondlicht flammen aus eisernen Schalen mächtig lodernde Opferfeuer hinauf . Wohlriechendes Holz - zumeist Sandarakholz - wird in den eisernen Schalen verbrannt , sodaß der ganze Tempel und die ganze Umgegend des Tempels wundersam duftet - wie die Nähe eines Gottes . Man fastet drei Tage und drei Nächte . Zu bestimmten Stunden erklingt an den Mauern und auf den Terrassen des einsam und hoch gelegenen Tempels Musik - von Cymbeln , Flöten und Saiteninstrumenten . Abu Maschar hat die lauteren Brüder hierher geführt , er spricht jetzt mit einem großen Priester , dessen langer schwarzer Bart nach assyrischer Sitte sorgsam gekräuselt ist , sodaß es aussieht , als bestände er aus lauter kleinen runden Löckchen . Der lange weiße Kaftan ist mit goldenen Sternen übersät , die mit Goldfäden hineingestickt sind . Über dem dunkelbraunen Gesicht des Priesters erhebt sich ein mächtiger hellblauer Seidenturban mit sieben silbernen Vollmonden vorn über der Stirn . Die mit Silberfäden gestickten Monde sind von verschiedener Größe . Nur Männer , Jünglinge und Knaben weilen im Tempel - ein Weib darf den Tempel nicht betreten . Und ein eintöniger Gesang tönt durch die Mondnacht . Die Gläubigen sitzen oder stehen - einzeln - nicht in Gruppen - sie dürfen nicht miteinander sprechen - nur mit den sieben großen Priestern dürfen sie sprechen . Die sieben großen Priester sehen sich im Äußern fast gleich - tragen sämtlich den assyrischen Bart , den Sternenkaftan und den hellblauen Mondturban . Jakuby macht sich fortwährend Notizen . Suleiman und Battany hocken in einer großen Grotte , die der Mond nur zur Hälfte erleuchtet . Abu Hischam wandelt vor der großen Tempelpforte auf dem großen Opferplatze unruhig umher und erzählt jetzt dem einen der großen Priester von dem Geheimbunde der lauteren Brüder . Der Priester hört ernst zu und sagt dann mit großen Augen : » Euren Bund nennt Ihr einen Geheimbund ? Und Ihr sprecht doch zu allen Menschen von diesem Geheimbund ? Ihr wißt ja noch garnicht , was ein Geheimbund ist . « Unwillig wendet sich der Priester ab . Abu Hischam sieht ihm verblüfft nach . Der Gesang verhallt , es wird ganz still - nur die Opferfeuer knistern . Unheimlich still ist es . Auf einer der höchsten Terrassen , die den großen Mondtempel umkränzen , neben einem uralten Götzenbilde spricht der allgewaltige Oberpriester Tschirsabâl mit dem Dichter Safur . In der Tiefe an der Umfassungsmauer entlang zieht langsam eine feierliche Prozession vorüber , der ein offener leerer Sarg vorangetragen wird . Fackeln beleuchten die Prozession , und Tempeldiener schwingen die alten Räuchergefäße an langen Stangen . An vielen alten Götzenbildern zieht die Prozession vorüber - die alten starren Steingesichter der Götzen scheinen sich zu beleben , wenn der leere Sarg langsam vorüberzieht . Und Safur schaut von der Tempelterrasse in die mondbeglänzte arabische Wüste , in der die wilden Dschinnen hausen . Tschirsabâl , ein Riese , der fast zwei Köpfe größer ist als der durchaus nicht kleine Dichter , sagt zu diesem , während er mit seiner mächtigen breiten Brust tief aufatmet : » Atmest Du noch immer die schwüle Pestluft der Sinnlichkeit ? Woran dachtest Du ? « Safur erschrickt , besinnt sich einen Augenblick und spricht dann hastig : » Nein - nein - ich glaube - ich atme nicht mehr die schwüle Pestluft der Sinnlichkeit . Ich sehnte mich nur . Ich sehnte mich allerdings - nach einem Weibe . Aber diese Sehnsucht hatte nach meiner Meinung nichts mit Sinnlichkeit zu tun - wirklich nichts . Denn , versteh mich nur , das Weib , nach dem ich