Sind Sie verliebt in ihn ? Soll ich ihn holen gehen ? Sie wissen doch schon ? « » Was denn ? « » Daß er sich von Babinsky getrennt hat ? « » Was , von seinem Busenfreund ? « » Ja der Busenfreund , den der edle Mink bis auf den letzten Heller ausgesogen hatte , besaß eines Tages nichts mehr . Da wurde Mink grob , ließ seinen Koffer in die Wohnung eines anderen Bekannten tragen und machte Babinsky öffentlich herunter . Mink hat eine weitherzige Natur . Er quartiert sich einmal bei diesem , dann bei jenem Freunde ein . Da lebt er ein paar Jahre , läßt sich erhalten , kleiden , macht alle Arten Vergnügungen mit , natürlich auf des Andern Kosten , und ist eines Tages der Gastgeber ausgebeutet , geht der edle Dichter schimpfend von ihm und sagt ihm die schändlichsten Dinge nach . So knappert er sich durch die Brotkörbe seiner Freunde hindurch « . In diesem Augenblick entstand eine Bewegung in der Gesellschaft . » Ei sieh , Lohringer ! « Tage schüttelte ihm die Hand . » Darf ich um die Ehre bitten , Sie zu Tisch führen zu dürfen , gnädiges Fräulein ? « Johanne legte lachend ihren Arm in den seinen . Lohringer sagte : » Auf Wiedersehen später « und ging , seine Tischdame zu suchen . Die Flügelthüren des Speisesaals wurden geöffnet , und in langer , glänzender Reihe verfügte sich die Gesellschaft an die festlich mit frischen Blumen und altem Silber geschmückte Tafel . Klingenberg kehrte den besorgten Hausherrn heraus und ließ seine Augen bald hier , bald dorthin spazieren . Das Diner begann mit gebackenen Austern ; die Diener reichten auserlesene Weine herum , wobei sie den Namen der Sorte diskret flüsterten . Tage trank Johanne mit glänzenden Augen zu . Dann sagte er leise : » Was wollte Lohringer ? Er schlug ja förmlich Wurzeln bei Ihnen « . » Ich war ihm sehr dankbar . Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich einsam in einer Ecke gestanden « . » Was Ihnen einfällt . Ich konnte mich Ihnen nicht gleich widmen . Es waren allerlei Bekannte da , die mit mir ein Wort sprechen wollten . Aber ich wäre längst gekommen , wenn ich ihn nicht wie angenagelt neben Ihnen erblickt hätte . Prosit Doktor ! « Ein Herr mit einer Glatze erhob sein Glas gegen Tage . Der Dichter trank ihm Bescheid . » Ein Freund von Ihnen ? « » Ein famoser Kerl . Denken Sie , er ist Unterlehrer gewesen . Eines Tages fällt ihm ein , eine Zeitung herauszugeben . Er pumpt sich einige tausend Mark , verschickt Prospekte , mietet ein Bureau und zwei kleine Buben , die für die Ehre , sich Redakteure nennen zu dürfen , ihm halb umsonst arbeiten . Aber keine Katze abonniert auf das Blatt . Das erste Vierteljahr vergeht . Dahlke gerät in Verzweiflung . Was thut er ? Er stellt jeden Tag ein Eingesandt , das er natürlich selbst schreibt , an den Kopf seines Blattes . Einmal heißt es : Wir entgegnen dem Herrn Einsender von gestern , daß unser Blatt Katholiken sowohl wie Protestanten freien Spielraum läßt sich auszusprechen . Dann : Herr Dr. H. meint , wir verträten weniger das Interesse unserer jüdischen Mitbürger : das ist ein Irrtum . Uns sind alle Menschen gleich , ob Heiden , ob Christen . Dahlke verschickte ein Jahr lang gratis das Blatt . Schließlich geriet er noch auf andere Kniffe . Er setzte auf Rätsel und Charaden , die jedes Schulkind lösen konnte , namhafte Preise . Er schimpft und poltert in dem Eingesandt gegen sein Blatt , dieses Blatt mit der humanen Tendenz . Schmeichelt allen Konfessionen , - natürlich figurierten alle möglichen Namen unter jenem Eingesandt - , und gewinnt schließlich Abonnenten . Heute zählt seine Zeitung ihrer dreißigtausend . Aber was ich sagen will , trauen Sie nicht dem Lohringer . Er ist falsch , neidisch « . » Das glaub ich nicht « versetzte Johanne und sprach etliche warme Worte zu Lohringers Gunsten . Tage zuckte etwas ärgerlich die Schultern und kam auf anderes . Man saß beinahe zwei Stunden bei Tisch . Dann verteilten sich die Gäste in Gruppen . Die Herren gingen ins Rauchzimmer . Tage wich den Rest des Abends nicht mehr von Johannes Seite . Einige Male tauchte Lohringer neben ihnen auf , lächelte heimlich und verschwand wieder . Um Mitternacht wurde das junge Mädchen müde und bat Tage , sie nach Hause zu bringen . Er nahm eine Droschke . Unterwegs sagte sie : » Es war sehr schön . Aber eigentlich nichts anderes , als eine Table d ' hôte , wo man nichts zu bezahlen braucht . Ich aß einmal mit Herrn und Frau Wewerka im Königshof an einer solchen . Aber da durfte man dem Kellner klingeln ..... « 13 An einem sonnigen Winternachmittag trat Johanne bei Alice ein . Sie fand die junge Frau seltsam verändert . Eine nervöse Unruhe sprach aus ihrem länger und schmäler gewordenen Gesichtchen . » Ein Wunder , daß du dich meiner noch erinnerst . Bitte nimm Platz . Was thust du immer ? Man sagt , du schriftstellerst . Hast du wirklich allein das Gebet geschrieben , oder nicht dein - Freund ? « Die kleine Zofe , kokett gekleidet wie ihre Herrin , kam herein und brachte den Theetisch in Ordnung . Als sie wieder hinausgegangen war , trat Johanne zu Alice und nahm ihren Kopf zwischen die Hände . » Was hast du denn ? Du bist ganz verändert . Wo ist Mathilde ? « » Im Spital . Sie fährt wohl nun bald ab . Er besucht sie alle Augenblicke « . » Aber Alice , jetzt , da sie geht , sei doch nicht so böse auf sie , vergieb ihr « . » Hahaha , vergeben ! Na ! Es giebt Dinge im Leben , die