es ist zum Lachen . Denn schließlich ist er doch der Mann , der über uns entscheidet . Auch über mich . Du glaubst gar nicht , wie ehrgeizig ich bin . Ich habe dich eigentlich bloß aus Ehrgeiz geheiratet . Aber du mußt nicht solch ernstes Gesicht dabei machen . Ich liebe dich ja ... wie heißt es doch , wenn man einen Zweig abbricht und die Blätter abreißt ? Von Herzen , mit Schmerzen , über alle Maßen . « Und sie lachte hell auf . » Und nun sage mir « , fuhr sie fort , als Innstetten noch immer schwieg , » wo soll es hingehen ? « » Ich habe mir gedacht , nach der Bahnstation , aber auf einem Umwege , und dann auf der Chaussee zurück . Und auf der Station essen wir oder noch besser bei Golchowski , in dem Gasthofe Zum Fürsten Bismarck , dran wir , wenn du dich vielleicht erinnerst , am Tage unserer Ankunft vorbeikamen . Solch Vorsprechen wirkt immer gut , und ich habe dann mit dem Starosten von Effis Gnaden ein Wahlgespräch , und wenn er auch persönlich nicht viel taugt , seine Wirtschaft hält er in Ordnung und seine Küche noch besser . Auf Essen und Trinken verstehen sich die Leute hier . « Es war gegen elf , daß sie dies Gespräch führten , Um zwölf hielt Kruse mit dem Schlitten vor der Tür , und Effi stieg ein . Johanna wollte Fußsack und Pelze bringen , aber Effi hatte nach allem , was noch auf ihr lag , so sehr das Bedürfnis nach frischer Luft , daß sie alles zurückwies und nur eine doppelte Decke nahm . Innstetten aber sagte zu Kruse : » Kruse , wir wollen nun also nach dem Bahnhof , wo wir zwei beide heute früh schon mal waren . Die Leute werden sich wundern , aber es schadet nichts . Ich denke , wir fahren hier an der Plantage lang und dann links auf den Kroschentiner Kirchturm zu . Lassen Sie die Pferde laufen . Um eins müssen wir am Bahnhof sein . « Und so ging die Fahrt . Über den weißen Dächern der Stadt stand der Rauch , denn die Luftbewegung war gering . Auch Utpatels Mühle drehte sich nur langsam , und im Fluge fuhren sie daran vorüber , dicht am Kirchhofe hin , dessen Berberitzensträucher über das Gitter hinauswuchsen und mit ihren Spitzen Effi streiften , so daß der Schnee auf ihre Reisedecke fiel . An der anderen Seite des Wegs war ein eingefriedeter Platz , nicht viel größer als ein Gartenbeet , und innerhalb nichts sichtbar als eine junge Kiefer , die mitten daraus hervorragte . » Liegt da auch wer begraben ? « fragte Effi . » Ja . Der Chinese . « Effi fuhr zusammen ; es war ihr wie ein Stich . Aber sie hatte doch Kraft genug , sich zu beherrschen , und fragte mit anscheinender Ruhe : » Unserer ? « » Ja , unserer . Auf dem Gemeindekirchhof war er natürlich nicht unterzubringen , und da hat denn Kapitän Thomsen , der so was wie ein Freund war , diese Stelle gekauft und ihn hier begraben lassen . Es ist auch ein Stein da mit Inschrift . Alles natürlich vor meiner Zeit . Aber es wird noch immer davon gesprochen . « » Also es ist doch was damit . Eine Geschichte . Du sagtest schon heute früh so was . Und es wird am Ende das beste sein , ich höre , was es ist . Solang ich es nicht weiß , bin ich , trotz aller guten Vorsätze , doch immer ein Opfer meiner Vorstellungen . Erzähle mir das Wirkliche . Die Wirklichkeit kann mich nicht so quälen wie meine Phantasie . « » Bravo , Effi . Ich wollte nicht davon sprechen . Aber nun macht es sich so von selbst , und das ist gut . Übrigens ist es eigentlich gar nichts . « » Mir gleich ; gar nichts oder viel oder wenig . Fange nur an . « » Ja , das ist leicht gesagt . Der Anfang ist immer das schwerste , auch bei Geschichten . Nun , ich denke , ich beginne mit Kapitän Thomsen . « » Gut , gut . « » Also Thomsen , den ich dir schon genannt habe , war viele Jahre lang ein sogenannter Chinafahrer , immer mit Reisfracht zwischen Shanghai und Singapore , und mochte wohl schon sechzig sein , als er hier ankam . Ich weiß nicht , ob er hier geboren war oder ob er andere Beziehungen hier hatte . Kurz und gut , er war nun da und verkaufte sein Schiff , einen alten Kasten , draus er nicht viel herausschlug , und kaufte sich ein Haus , dasselbe , drin wir jetzt wohnen . Denn er war draußen in der Welt ein vermögender Mann geworden . Und von daher schreibt sich auch das Krokodil und der Haifisch und natürlich auch das Schiff ... Also Thomsen war nun da , ein sehr adretter Mann ( so wenigstens hat man mir gesagt ) und wohl gelitten . Auch beim Bürgermeister Kirstein und vor allem bei dem damaligen Pastor in Kessin , einem Berliner , der kurz vor Thomsen auch hierhergekommen war und viel Anfeindung hatte . « » Glaub ich . Ich merke das auch ; sie sind hier so streng und selbstgerecht . Ich glaube , das ist pommersch . « » Ja und nein , je nachdem . Es gibt auch Gegenden , wo sie gar nicht streng sind und wo ' s drunter und drüber geht ... Aber sieh nur , Effi , da haben wir gerade den Kroschentiner Kirchturm dicht vor uns . Wollen wir nicht den Bahnhof aufgeben und lieber bei der alten Frau von Grasenabb vorfahren ? Sidonie , wenn ich recht berichtet bin , ist nicht zu Hause . Wir könnten es also