und kannst mir in allem folgen . Therese , die , wenn ich Andeutungen der Art machte , kaum mit halbem Ohr hinhörte , wollte nicht recht daran glauben . Das ist immer so . Was einem nicht paßt , das glaubt man nicht gern . Ja , liebe Mama , das war es , was die Tante mich wissen ließ . Es wird ganz gut sein , wenn Therese davon erfährt . Aber in Deiner Antwort bitte ich Dich , all dieser Dinge , trotzdem sie mir wahrscheinlich mitgeteilt wurden , um sie Dich wissen zu lassen , nicht zu erwähnen ; ich bin daran gewöhnt , Deine und der Schwestern Briefe beim Frühstück vorzulesen , und eine auf diese meine Mitteilungen bezügliche Antwortstelle würde mich nur in Verlegenheit bringen . Im übrigen hab ich seit vielen Wochen nichts von den Brüdern gehört . Wendelin , das fällt nicht auf , er schrieb immer nur Pflichtbriefe . Aber Leo ? Mitunter ängstige ich mich doch und denke , sein nächster Brief kommt aus Kamerun oder Namaqualand . Ehe nicht seine Verhältnisse geordnet sind , kommt er nicht zur Ruhe . Aber wo soll diese Ordnung herkommen ? « Es war Ende Mai , als Sophie diesen Brief schrieb , und sie vermied klugerweise , das darin behandelte Thema noch einmal zu berühren . Es genügte ihr , daß ihr Brief seine Wirkung getan und das ungerechte Kritteln der älteren Schwester in eine gerechtere Beurteilung umgewandelt hatte . Das stille Leben in Schloß Adamsdorf nahm mittlerweile seinen Fortgang und erfuhr nur einen Wandel , als der Hochsommer heran war und die Tante , eine passionierte Schlesierin , allwöchentlich einmal auf eine Fahrt ins Gebirge drang . Abwechselnd fuhr man bis Schreiberhau oder Hermsdorf oder Krummhübel , um dann von diesen Punkten aus höher ins Gebirge hinaufzusteigen , nach Kirche Wang oder dem Mittagsstein , oder selbst bis zu den Schneegruben . Sophie skizzierte irgendeine Szenerie für ihre alttestamentlichen Bilder und sagte dabei : » Das ist Abrahams Grab , das ist der Sinai , das ist der Bach Kidron . « Ihr größtes Vergnügen aber war immer , wenn auf dem Heimwege , da , wo man das Fuhrwerk zurückgelassen hatte , noch einmal Rast gemacht und das Tun und Treiben der Berliner » Sommerfrischler « beobachtet wurde . Das gab dann jedesmal Heiterkeitsstoff für die Rückfahrt , und Onkel Eberhard wurde nicht müde zu versichern : » Ja , diese Berliner , man mag sie nun lieben oder hassen , amüsant sind sie , und ihnen so zuzusehen ist immer wie ein Schauspiel . Eigentlich ist es auch wirklich so was ; denn sie kucken sich immer um , ob sie auch wohl ein Publikum haben , vor dem sich ' s verlohnt , den Vorhang aufzuziehen . « An den Bildern für die Kirche wurde den ganzen Sommer über fleißig weitergearbeitet . Ende August war Sophie schon bei » Saul in der Höhle « ( die Höhle dazu hatte sie dicht bei den Kräbersteinen entdeckt ) , und Saul selbst war halb Onkel Eberhard , halb der Kretschamwirt , der einen Vollbart trug und einen bösen Blick hatte . David aber war der Assessor . Onkel Eberhard freute sich aufrichtig am Fortschreiten der Arbeit und versicherte jeden Tag , daß er nie geglaubt hätte , von einer solchen Sache soviel Freude haben zu können . Er erging sich dann auch in wohlgemeinten Äußerungen über Künstlerleben überhaupt und nahm alles zurück , was er in seinen früheren Jahren darüber gesagt hatte . » Man kann darüber lachen , aber es ist doch immer eine kleine Schöpfung . Und schaffen macht Freude . Wenigstens kann ich mir nicht denken , daß Gott die Welt aus Verdrießlichkeit geschaffen hat . « » Mancher sieht doch so aus , Onkel . « » Ja , Fiechen , da hast du recht . Mancher sieht so aus . Aber was kommt nicht alles vor ! Und das einzelne beweist nichts . Das ist ein fataler Zug letzt bei den Menschen , daß sie den Ausnahmefall zur Regel machen wollen . Und wenn sie sich dabei nur was Hübsches aussuchten ! Aber nein , was recht Häßliches muß es sein . ' s war freilich vor dreißig Jahren auch nicht viel besser . Ich hab es noch erlebt , wie das mit den Affen aufkam und daß irgendein Orang-Utang unser Großvater sein sollte . Da hättest du sehen sollen , wie sie sich alle freuten . Als wir noch von Gott abstammten , da war eigentlich gar nichts los mit uns , aber als das mit dem Affen Mode wurde , da tanzten sie wie vor der Bundeslade . « Das war gerade am zweiten September , daß Onkel Eberhard und Sophie dies Gespräch hatten , oben in der Giebelstube , die die Adamsdorfer Herrschaften ihrer Nichte zum Atelier eingerichtet hatten . Eine Stunde später fuhr der Onkel nach Hirschberg , wo der Sedantag wie herkömmlich festlich begangen werden sollte . Natürlich auch durch eine Rede auf Kaiser Wilhelm . Und diese Rede , wie nicht minder selbstverständlich , hatte der alte General von Poggenpuhl zu halten , dem dabei schlechter zumute war als bei St. Privat im allerverflixtesten Moment . Sonst , wenn er die schöne Fahrt durchs Tal machte , lachten ihn die Felder in ihrem Segen an , aber heute sah er nicht , wie der Hafer stand , er sah ihn überhaupt nicht , sondern memorierte in einem fort und sagte sich in wachsender Unruhe : » Jetzt ist es eins . Noch drei Stunden , dann fängt mein Leben erst wieder an und vielleicht auch mein Appetit . Bis dahin ist es nichts . « Er hatte denn auch Kopfweh , ein leises Ticken an zwei Stellen , das sich bei der beständig wiederkehrenden Frage : » Wenn ich nun steckenbleibe ? « natürlich noch steigerte . Zuletzt aber fand er sich auch darin zurecht oder resignierte sich wenigstens