, während die Minister sie führten und die Leibgarde Spalier bildete , bis an die Landungsbrücke zurück , von der aus Hansen Zeuge des Ganzen gewesen war . « » Und nun ? « » Und von dem Tage an war eine große Sinnesänderung an ihr wahrzunehmen , und als sie den nächsten Winter wieder hier war und der , um dessentwillen sie beinahe unglücklich geworden wäre , seine Werbungen erneuern wollte , wies sie diese Werbungen , soviel ich sehen konnte , kalt und gleichgültig zurück . Und als Hansen ein halbes Jahr später wieder an Bord ging und Brigitte ihm erklärte , daß sie , vorausgesetzt , daß er nichts dawider habe , doch lieber zu Hause bleiben wollte , weil es ihr , nach solcher kaiserlichen Auszeichnung , etwas sonderbar vorkäme , noch wieder unter Matrosen leben und vielleicht in einem Hafenwirtshause schlafen zu sollen , wo man nur Negermusik höre und alles nach Gin rieche , da war Hansen nicht bloß einverstanden damit , sondern auch ganz entzückt darüber , daß sie die Reise nicht mehr mitmachen wollte , diese nicht und alle folgenden nicht . Denn von Eifersucht war keine Spur mehr an ihm wahrzunehmen . Er sah ja , was aus Brigitten geworden war , und äußerte nur noch Furcht , daß es doch wohl zuviel gewesen und ihr der siamesische Kaiser zu sehr zu Kopfe gestiegen sei . « Holk war in Zweifel , ob er die Geschichte glauben oder als eine kühne Phantasieleistung und zugleich als dreistes Spiel mit seiner Leichtgläubigkeit ansehen solle . Nach allem , was Pentz gestern angedeutet , war das letztere das Wahrscheinlichere . Schließlich konnt es aber auch wahr sein . Was kommt nicht alles vor ? Und so frug er denn , um sich durch etwas Ironie wenigstens vor sich selber zu rechtfertigen : » wo denn die weißen Elefanten gewesen seien ? « » Die waren wohl in ihrem Stall « , sagte die Hansen und lachte schalkhaft . » Und dann die Perlenschnur , liebe Frau Hansen , die müssen Sie mir zeigen . « » Ja , wenn das ginge ... « » Wenn das ginge ? Warum nicht ? « » Weil , als Brigitte wieder an Bord war , die Schnur mit einem Male fehlte ; sie mußte sie verloren oder in der Aufregung im Palast vergessen haben . « » Aber da hätt ich doch sofort nachgefragt . « » Ich auch . Aber Brigitte hat so was Sonderbares , und als Hansen , wie ich nachher gehört habe , darauf bestehen wollte , sagte sie nur : das sei so gewöhnlich und gegen den Anstand bei Hofe . « » Ja « , sagte Holk , der jetzt klarer zu sehen anfing , » das ist richtig . Und solche Gefühle muß man respektieren . « Zwölftes Kapitel Gleich nach dieser Erzählung , die schließlich , als sich ' s von der verlorenen Perlenschnur handelte , selbst dem leichtgläubigen Holk etwas märchenhaft vorgekommen war , erhob sich Frau Hansen , » um nicht länger zu stören « , und sah sich auch nicht weiter zurückgehalten . Nicht als ob Holks Geduld erschöpft gewesen wäre , ganz im Gegenteil , er ließ sich gern dergleichen vorplaudern , und das süspekte Halbdunkel , in dem alles ruhte , steigerte eigentlich nur sein Interesse . Nein , es war einfach ein Blick auf die Konsoluhr , was ihn von unbedingter weiterer Hingebung an die Erzählungskunst der Witwe Hansen Abstand nehmen ließ ; um elf Uhr war er bei der Prinzessin erwartet , keine volle Stunde mehr , und vorher mußte noch ein kurzer Brief mit der Meldung seiner glücklichen Ankunft an seine Frau geschrieben werden . Es hieß also sich eilen , was er unter Umständen verstand , und fünf Minuten vor elf stieg er in den Wagen , der ihn nach dem nur zwei Minuten entfernten Prinzessinnen-Palais hinüberführte . Die Zimmer der Prinzessin lagen im ersten Stock . Holk , in Kammerherrnuniform , in der er sich selbst nicht ungern sah , stieg die Treppe hinauf und trat in ein Vorgemach und gleich danach in ein behagliches , mit Boiserien und Teppichen reich ausgestattetes , im übrigen aber , den Schreibtisch abgerechnet , mit nur wenig Gegenständen ausgestattetes Wohnzimmer , darin die Prinzessin Besuche zu empfangen oder Audienz zu erteilen pflegte . Der Kammerdiener versprach sogleich zu melden . Holk trat an eins der Fenster , das der Tür , durch welche die Prinzessin eintreten mußte , gerade gegenüberlag , und sah auf Platz und Straße hinunter . Der Platz unten war wie ausgestorben , vornehm , aber langweilig , und nichts ließ sich beobachten als abgefallene Blätter , die der mäßige Wind , der ging , über die Steine hinwirbelte . Ein Gefühl von Einöde und Verlassenheit überkam Holk , und er wandte sich wieder in das Zimmer zurück , um seinen Blick auf die beiden einzigen Porträtbilder zu richten , die die glatten Stuckwände schmückten . Das eine , über dem Polstersofa , war ein Bildnis des Oheims der Prinzessin , des hochseligen Königs Christians VII. , das andere , über dem Schreibtisch , das Porträt eines anderen nahen Verwandten , eines ebenfalls schon verstorbenen thüringischen Landgrafen . Der Goldrahmen , der es einfaßte , war mit einem verstaubten Flor überzogen , und der Staub machte , daß der Flor nicht wie Flor , sondern fast wie ein Spinnweb wirkte . Des Landgrafen Gesicht war gut und tapfer , aber durchschnittsmäßig , und Holk stellte sich unwillkürlich die Frage , welche volksbeglückenden Regierungsgedanken der Verstorbene wohl gehabt haben möge . Das einzige , was sich mit einer Art Sicherheit herauslesen ließ , war Ausschau nach den Töchtern des Landes . Ehe Holks Betrachtungen hierüber noch abgeschlossen hatten , öffnete sich eine ziemlich kleine Tür in der rechten Ecke der Hinterwand , und die Prinzessin trat ein , ganz so , wie man sie nach Einrichtung dieses ihres Zimmers erwarten