Reihe war , hieß es vertraulich und gutgelaunt : » Ihr Weiber hört ja das Gras wachsen und nun gar erst das Gras ! Ich wäre doch neugierig , zu hören , an wen er sich vertan hat . Eine Vermutung hab ich und wette zehn gegen eins , an eine Freiin vom deutschen Uradel , etwa wie Schreck von Schreckenstein oder Sattler von der Hölle . « Und dann widersprachen beide Damen , aber doch so klug und so vorsichtig , daß ihr Widerspruch , anstatt irgend etwas zu beweisen , eben nur dazu diente , van der Straaten in seiner vorgefaßten Meinung immer fester zu machen . Und so kam Heiligabend , und im ersten Saale der Bildergalerie waren all unsre Freunde , mit Ausnahme Rubehns , um den brennenden Baum her versammelt . Elimar und Gabler hatten es sich nicht nehmen lassen , auch ihrerseits zu der reichen Bescherung beizusteuern : ein riesiges Puppenhaus , drei Stock hoch , und im Souterrain eine Waschküche mit Herd und Kessel und Rolle . Und zwar eine altmodische Rolle mit Steinkasten und Mangelholz . Und sie rollte wirklich . Und es unterlag alsbald keinem Zweifel , daß das Puppenhaus den Triumph des Abends bildete , und beide Kinder waren selig . Sogar Lydia tat ihre Vornehmheitsallüren beiseit und ließ sich von Elimar in die Luft werfen und wieder fangen . Denn er war auch Turner und Akrobat . Und selbst Melanie lachte mit und schien sich des Glücks der andern zu freuen oder es gar zu teilen . Wer aber schärfer zugesehen hätte , der hätte wohl wahrgenommen , daß sie sich bezwang , und mitunter war es , als habe sie geweint . Etwas unendlich Weiches und Wehmütiges lag in dem Ausdruck ihrer Augen , und der Polizeirat sagte zu Duquede : » Sehen Sie , Freund , ist sie nicht schöner denn je ? « » Blaß und angegriffen « , sagte dieser . » Es gibt Leute , die blaß und angegriffen immer schön finden . Ich nicht . Sie wird überhaupt überschätzt , in allem , und am meisten in ihrer Schönheit . « An den Aufbau schloß sich wie gewöhnlich ein Souper , und man endete mit einem schwedischen Punsch . Alles war heiter und guter Dinge . Melanie belebte sich wieder , gewann auch wieder frischere Farben , und als sie Riekchen und Anastasia , die bis zuletzt geblieben waren , bis an die Treppe geleitete , rief sie dem kleinen Fräulein mit ihrer freundlichen und herzgewinnenden Stimme nach : » Und sieh dich vor , Riekchen . Christel sagt mir eben , es glatteist . « Und dabei bückte sie sich über das Geländer und grüßte mit der Hand . » Oh , ich falle nicht « , rief die Kleine zurück . » Kleine Leute fallen überhaupt nicht . Und am wenigsten , wenn sie vorn und hinten gut balancieren . « Aber Melanie hörte nichts mehr von dem , was Riekchen sagte . Der Blick über das Geländer hatte sie schwindlig gemacht , und sie wäre gefallen , wenn sie nicht van der Straaten aufgefangen und in ihr Zimmer zurückgetragen hätte . Er wollte klingeln und nach dem Arzte schicken . Aber sie bat ihn , es zu lassen . Es sei nichts , oder doch nichts Ernstes , oder doch nichts , wobei der Arzt ihr helfen könne . Und dann sagte sie , was es sei . Vierzehntes Kapitel Entschluß Erst den dritten Tag danach hatte sich Melanie hinreichend erholt , um in der Alsenstraße , wo sie seit Wochen nicht gewesen war , einen Besuch machen zu können . Vorher aber wollte sie bei der Madame Guichard , einer vor kurzem erst etablierten Französin , vorsprechen , deren Confections und künstliche Blumen ihr durch Anastasia gerühmt worden waren . Van der Straaten riet ihr , weil sie noch angegriffen sei , lieber den Wagen zu nehmen , aber Melanie bestand darauf , alles zu Fuß abmachen zu wollen . Und so kleidete sie sich in ihr diesjähriges Weihnachtsgeschenk , einen Nerzpelz und ein Kastorhütchen mit Straußenfeder , und war eben auf dem letzten Treppenabsatz , als ihr Rubehn begegnete , der inzwischen von ihrem Unwohlsein gehört hatte und nun kam , um nach ihrem Befinden zu fragen . » Ah , wie gut , daß Sie kommen « , sagte Melanie . » Nun hab ich Begleitung auf meinem Gange . Van der Straaten wollte mir seinen Wagen aufzwingen , aber ich sehne mich nach Luft und Bewegung . Ach , unbeschreiblich ... Mir ist so bang und schwer ... « Und dann unterbrach sie sich und setzte rasch hinzu : » Geben Sie mir Ihren Arm . Ich will zu meiner Schwester . Aber vorher will ich Ballblumen kaufen , und dahin sollen Sie mich begleiten . Eine halbe Stunde nur . Und dann geb ich Sie frei , ganz frei . « » Das dürfen Sie nicht , Melanie . Das werden Sie nicht . « » Doch . « » Ich will aber nicht freigegeben sein . « Melanie lachte . » So seid ihr . Tyrannisch und eigenmächtig auch noch in eurer Huld , auch dann noch , wenn ihr uns dienen wollt . Aber kommen Sie . Sie sollen mir die Blumen aussuchen helfen . Ich vertraue ganz Ihrem Geschmack . Granatblüten ; nicht wahr ? « Und so gingen sie die Große Petristraße hinunter und vom Platz aus durch ein Gewirr kleiner Gassen , bis sie , hart an der Jägerstraße , das Geschäft der Madame Guichard entdeckten , einen kleinen Laden , in dessen Schaufenster ein Teil ihrer französischen Blumen ausgebreitet lag . Und nun traten sie ein . Einige Kartons wurden ihnen gezeigt , und ehe noch viele Worte gewechselt waren , war auch schon die Wahl getroffen . In der Tat , Rubehn hatte sich für eine Granatblütengarnitur entschieden , und eine Direktrice , die mit zugegen war ,