zu bändigen ; in schwarzen Fluten und Wellen wehrten sie sich mit unbesiegbarem phantastischem Eigenwillen gegen die Goldbänder , welche sie zusammenhalten sollten ; triumphierend rollten sie nach anmutvollem Siege über die weißen Schultern . Und diese Stimme ! So bekannt und doch so verändert voll und tief . Trotz seiner Selbstbeherrschung stand der Bürger der amerikanischen Republik auf dem Punkte , sich ungeheuer lächerlich zu machen . Er griff nach dem silbernen Dessertmesser wie nach einem mexikanischen Dolch . Aber wieder gelang es ihm , das Zähnknirschen in ein sorgloses , heiteres Lachen zu verwandeln und dem Witz mit Witz zu begegnen . Ah , clear the wrack ! stöhnte er dabei in der Tiefe seiner Seele . Es ist alles aus , aber es wird sich finden - die Falsche , Schamlose ! Seine beiden holden Nachbarinnen wollten allerlei über die Theaterwelt jenseits des Atlantischen Meeres wissen , und mit komischer Kraft vertiefte sich Frederic in dies inhaltvolle Thema ; gleich einem Eingeweihten , gleich dem großen Barnum selber , redete er über managers , über actors und actresses und gestand zuletzt unter lautem und allgemeinem Bravoruf , er selbst habe eine Zeitlang als Sänger money gemacht und großen Beifall errungen auf mehr als einem deutschen Theater unter dem Sternenbanner . » Originell ! « lachte der Baron von Poppen , und die übrige Gesellschaft verlangte fast einstimmig den Beweis der Wahrheit . Eine kleine Ballettänzerin pirouettierte zu dem Pianino und öffnete es ; eine Sängerin bot dem sich ruhig erhebenden Amerikaner den Arm , und einen langen Blick warf Friedrich Warner auf die Wirtin . Diese hatte die letzte Zeit hindurch nicht mehr den gewohnten glänzenden Anteil an der Unterhaltung genommen ; ernst und stumm saß sie da , stützte das schöne Haupt mit der Hand und blickte starr vor sich hin . In den Lichterglanz ihres Festes , in die heiße Atmosphäre ihrer Gemächer war ein reinerer Schein gefallen , hatte sich ein berauschenderer Wohlduft gemischt . Sie sah den nämlichen Glanz leuchten , welchen der arme Robert sah , als er auf dem schmutzigen Straßenpflaster lag und Helene Wienand sich über ihn beugte . Eva Dornbluth war ihrer Umgebung entrückt ; sie befand sich in ihrer Heimat , sie sah die Morgensonne durch das niedere Fenster der Hütte strahlen , sie hörte den Kuckuck der alten Schwarzwälderin am Ofen und den Kuckuck draußen am Saume des Waldes , sie atmete das frische Wehen , das aus dem Winzelwalde herüberhauchte , und dazu klang ein Lied auf dem steilen Pfade , der von den Bergen niederführte ins Dorf . Die Träumerin fuhr empor ; Friedrich Warner hatte sich am Klavier niedergelassen und , nachdem er einige wilde Akkorde angeschlagen , folgendes Lied begonnen : Es war ein Schiff aus Portugal , Das südwärts , immer südwärts fuhr , Und durch der Tropenmeere Schwall Zog leuchtend seine Feuerspur . Die Nacht war schwül und düftevoll , Und Finsternis lag auf dem Meer ; Im heißen Wind das Segel schwoll , Und eilig zog das Schiff daher . Es drängt sich der Matrosen Schar : O blickt empor , o schaut empor , Wie Sternenbilder wunderbar Sich heben aus der Flut hervor ! Welch nordisch Auge blickte je Auf solchen Schimmer , solche Pracht ? O wundersame fremde See ! O glänzend Wunder fremder Nacht ! Ein stolz und glückhaft Schiff es war , Und glücklich war der kühne Mann , Der , mutig trotzend der Gefahr , Zuerst die Linie gewann . Ob fremd die See , ob fremd die Nacht , An seinem Steuer stand er da ; Trauend der fremden Sterne Macht , Im Herzen jauchzend : India ! Die Gesellschaft war außer sich vor Vergnügen und gab das durch die gewöhnlichen Zeichen und Worte zu erkennen ; Eva Dornbluth aber hatte die Augen noch mehr mit der Hand beschattet , hatte die Stirne noch tiefer gesenkt ; der Sänger begann ein Zwischenspiel , während welchem er halb über die Schulter zu der Gesellschaft sprach : » Well , ladies and gentlemen , ist das nicht ein Narr , mein armer Kapitän ? Armer Capitano ; wer glaubt , daß es sich verlohne , nach den Sternen auszusehen vom Stern des Schiffes ? Ein guter Kompaß und eine gute Seekarte sind besser und treuer als alle Leiern , Löwen , Kreuze und Jungfrauen am Firmament ! Go ahead ! « Und wieder begann er mit voller Stimme : Dem kühnen Seemann gleich ich bin , Steuernd mein Herz durch wonn ' ge Nacht , Hoffend auf seligsten Gewinn , Trauend auf neuer Sterne Macht . Ja , fremder Lichter fremder Lauf , Sternbild der Liebe himmlisch hehr . Stieg mir zu Häupten glänzend auf , Zieht seine Bahnen vor mir her . Nun schwebt mein Herz in Wonnen hin Durch fremde , nie geahnte Pracht ; Ob ich im Traum , im Wachen bin , Wer sagt mir das in solcher Nacht ? Wie ist mein Himmel sternenvoll , Wie ist mein Leben überreich ; Und wenn ich morgen scheitern soll , Den ew ' gen Göttern bin ich gleich ! Abermals sprach während des Zwischenspiels Frederic Warner zu der Gesellschaft : » Sollte man es für möglich halten , daß ein Tor sich dergestalt seiner Torheit rühmen könne ? Ich bitte Sie ! Es ist nur gut , daß der Ozean nicht mit sich spielen läßt und Träumer hinunterreißt zu den Nixen , Sirenen und andern Wasserweibern . Hier ist eine andere Weise : In sonniger Jugend fuhr ich hinaus , Wie blitzte das Meer , wie flammte der Mut ! Viel gute Gesellen führt ich hinaus , Die hielten das Schiff mir in wackerer Hut . Die Flagge der Liebe wehte vom Mast . Es lenkte die Hoffnung das Steuer recht ; Im Raume barg sich manch köstliche Last , Zu gut war kein Wind , und kein Wind war zu schlecht . Fein blank war das Schifflein , die Segel stark ,