denn , wenn der Sinn ihres Vaters sich nicht ändere , zeitlebens fern von diesem und unglücklich sein solle ? Helmstedt hatte bei dem Ausbruch gefühlt wie der Ritter in dem Märchen von der » Schwanenjungfrau « , der sich ein Weib aus dem Feenlande gewonnen , das ihn wol hätte lieben können , wenn nicht die Sehnsucht nach ihrer schöneren Heimat sie verzehrt hätte , - und eine drückende Ahnung , daß ein solches Verhältniß für die Dauer nicht bestehen könne , hatte sich seiner bemächtigt . Die Worte des alten Pedlars , welche dieser noch kurz vor seinem Tode warnend zu ihm gesprochen : » Ich habe noch niemals rechten Segen aus einer Heirath zwischen Leuten entstehen sehen , die mit einer verschiedenen Art zu fühlen geboren , und mit so verschiedenen Gewohnheiten erzogen werden , wie Deutsche und Amerikaner ! « waren plötzlich vor seine Seele getreten , und ein starker Entschluß , allen Verhältnissen zum Trotz wenigstens seine äußere Ehre zu wahren , hatte sich in ihm gebildet . Was dann später kommen mochte überließ er dem Schicksal . Er hatte seiner Frau gesagt : entweder liebe sie ihn wie ein rechtes Weib ihren Mann lieben solle , das , wenn sie sich ihm einmal zu eigen gegeben , auch fest zu ihm stehe und wäre die ganze Welt gegen ihn , das kein anderes Interesse habe als ihr gemeinschaftliches - und dann werde sie gern seinem Wunsche Folge leisten und sich einstweilen unter Mortons Obhut begeben , - oder ihre Liebe zu ihm sei nur eine Selbsttäuschung gewesen , und dann würden sie weiter mit einander reden , wenn er von New-York zurückkäme ; bis dahin verlange es aber seine eigene Selbstachtung , daß sie von einer ihm befreundeten Hand beschützt werde , zu welchem Zwecke Mortons Haus vorläufig der geeignetste Aufenthalt für sie sei . Da war sie aufgesprungen und hatte ihn mit blitzenden Augen , denen man keine Spur von Thränen mehr angesehen , gefragt , ob er sie zwingen wolle , zu thun was ihr lästig sei , oder sich an einem Orte aufzuhalten , den sie nicht liebe ? Und Helmstedt , der in diesem Augenblick mehr als je die breite Kluft erkannte , die zwischen ihnen lag , hatte kalt erwidert , sie möge thun , was sie für gut halte ; mit dem morgenden Tage aber werde er ihr beiderseitiges lebendiges Eigenthum an Morton zum Verwahr übergeben und das Haus schließen . Wolle sie dann dem ganzen County Stoff zu einem Scandal liefern und dem Manne , den sie sich erst vor wenig Monaten allen ihren Freunden zum Trotz erkoren , davon laufen , so möge sie es thun , er werde auch das im Gefühle seines Rechtthuns zu ertragen wissen . - Da hatte sie von Neuem zu weinen begonnen , war an ihm vorüber zur Stube hinaus gegangen und hatte sich in ihr Schlafzimmer eingeschlossen . Sie hatte den ganzen Tag über Niemanden zu sich gelassen als ihr schwarzes Dienstmädchen , und jede Hoffnung Helmstedts , ihr noch einmal zu Herzen reden zu können , war fehlgeschlagen , selbst als er Abends das gemeinschaftliche Bett gesucht . Sie hatte sich dicht in eine besondere Decke gehüllt und keine Notiz von ihm genommen . Am Morgen , als Alles zur Uebersiedelung nach Mortons Farm fertig war , hatte er ihr durch ihr Mädchen Nachricht davon geben lassen , und sie hatte , ohne ein Wort zu Helmstedt zu reden , den Wagen bestiegen , nur an die Schwarze den Auftrag zurücklassend , ihre bereits gepackte Garderobe nachzubringen ; sie hatte auch kein Wort während der ganzen Fahrt nach Mortons Haus geäußert , obgleich Helmstedt mehrere Male versucht hatte , ihr freundlich zuzusprechen . Das Alles ging an seinem innern Blick vorüber , und dann trat wieder Paulinens Bild vor ihn , wie sie seine Frau empfangen und diese , als sie in deren verweinte Augen gesehen , bei Seite genommen und ihr zugesprochen hatte gleich einem unzufriedenen Kinde - und wie , als Ellen ' s Mißmuth vor ihrer Liebenswürdigkeit , wenigstens auf augenblicklich hatte weichen müssen , ein Lächeln ihr Gesicht verklärt hatte , das ihn an die Zeit erinnerte , wo er sie in New-York zuerst gesehen . Mit einem halb unterdrückten Seufzer strich er sich über das Gesicht und sprang dann auf , als wolle er jetzt alle Erinnerungen von sich abschütteln . Er sah nach der Uhr ; jedenfalls war es schon zu spät , um heute noch mit den Geschäften zu beginnen - lieber machte er noch einen Gang durch die Straßen , die er früher so oft durchwandert hatte . - Am nächsten Morgen war er frühzeitig aus dem Bette , kleidete sich sorgfältig an und begann das Studium des New-Yorker Wohnungs-Anzeigers . » Abraham Meier « hieß nach den hinterlassenen Angaben des Pedlars der Mann , bei welchem der Erbe des Verstorbenen in Pflege war . Aber wie viele hundert Meier , Maier , Mayer und Meyer und wie viele Abrahams darunter gab es . Helmstedt hatte lange nach usehen , war schon einmal , ohne zu finden was er suchte , zu Ende gekommen und hatte wieder mit größerer Vorsicht von vorne begonnen , ehe er einen Meier , der Pfandleiher war und auch Abraham hieß , entdeckte . Er notirte sich die Adresse genau , suchte aus seiner Brieftasche eine beglaubigte Abschrift der letzten Verfügung des Pedlars hervor und machte sich nach 10 Uhr auf den Weg nach Pealstreet . Das Haus war schnell gefunden , aber der Eingang war zu Helmstedt ' s Verwunderung verschlossen . Er klopfte , nachdem er sich vergebens nach einem Klingelzuge umgesehen hatte , mehrere Male stark an ; aber erst nach der dritten Wiederholung des Klopfens öffnete sich die Thür gerade weit genug , um ein verstörtes Mädchengesicht heraussehen zu lassen . » Ich wünsche Mr. Abraham Meier zu sprechen , « sagte Helmstedt . » Ich glaube nicht , Sir ,