künftigen Kaisers , auf den das Reich so große Hoffnungen setzte , zumal gerade jetzt , wo die niederländischen Händel endlich beendigt waren wie sein Kampf mit Frankreich , und er nun einzog als ein ruhmwürdiger , sieggekrönter Held und , was bei den Nürnberger Kaufleuten die Hauptsache war , nicht mehr als ein König ohne Land und Einkünfte , schon im Besitz der Niederlande und Tirols , und im Begriff , seine Habsburgischen Erblande sich wieder zu erobern . Wußte man doch , daß er in allen Stücken der entschiedenste Gegensatz seines trägen , thatenscheuen , geizigen , immer nur die unmittelbarsten Vortheile berechnenden Vaters war , daß er viel mehr Geist und Herz von seiner Mutter , der schönen und heldenmüthigen Eleonore von Portugal geerbt hatte , die ihm leider schon 1467 im erst vollendeten dreißigsten Jahre entrissen ward . Ritterlich bis zu abenteuersüchtiger Kühnheit , freigebig bis zur Verschwendung , voll Begeisterung für die große Vergangenheit des Kaiserreiches schwärmte er in dem Gedanken einer Wiedererneuerung des alten Glanzes desselben , und war so ganz ein Mann nach dem Herzen des deutschen Volkes , das in seinem bessern Theil auch die Einheit des Reichs erstarken und durch eine achtunggebietende Gestalt vertreten zu sehen wünschte . Da erschien er nun hoch zu Roß in blitzender Rüstung von blankem Stahl mit goldenen Verzierungen . Darüber den purpurnen Sammtmantel mit goldener Strickerei und Hermelin besetzt , auf den goldenen Locken den blitzenden Helm mit wehenden Federn . Er war von ansehnlicher Größe , stark und schön gebaut , und eben jetzt in der Blüthe des Mannesalters von dreißig Jahren , in Kraft und Vollendung strahlend . Sanft gebräunt war sein Antlitz von den Strapazen im freien Felde , aber seine Wangen blühten in dem frischen Roth der Gesundheit . Unter der startgewölbten Stirn glühte aus seinen blauen Augen ein liebliches Feuer und die Adlernase hatte einen gebietenden Ausdruck . Ein blonder Bart umfloß ringsum die purpurnen Lippen . Nach allen Seiten winkte und grüßte er freundlich , nur auf ihn weilten alle Blicke , und die Jubelrufe , welche ihm zutönten , waren ein unwillkürlicher Erguß des Beifalls und der Begeisterung , die sein Anblick hervorrief . Als er an Elisabeth ' s Chörlein vorüberkam , bog sich diese weit aus demselben heraus , und indeß sich die Damen an andern Fenstern begnügten mit ihren Tüchern zu wehen , warf sie dem ritterlichen König Blumen entgegen . Sie sollten zu den Füßen seines Rosses fallen , aber eine davon traf an das Ohr des edlen Thieres , daß dasselbe darüber scheu werdend hoch aufbäumte - Elisabeth stieß einen Schrei aus - da sah sie , wie ein Reiter , der zunächst hinter dem König geritten , in abenteuerlich bunte Tracht gekleidet und mit einem jener wunderlichen Gesichter , die bald wie die harmloseste Gutmüthigkeit , bald wie die schalkhafteste Bitterkeit aussehen , zu ihm sprengte und dem Pferd in die Zügel fallen wollte . Max lachte über dies Beginnen und hatte es selbst schnell gebändigt , indeß sein Begleiter , der niemand Anders als sein treuer Freund und Hofnarr Kunz von der Rosen war , das Pferd von den an ihm haften gebliebenen Blumen befreite und das Schalksgesicht auf Elisabeth gerichtet , dem König einige Bemerkungen über sie zuflüsterte , die vielleicht nicht ganz zarter Natur waren . Aber Max lächelte zu ihr hinauf und neigte sein Schwert vor ihr , nahm die Blumen aus der Hand des Narren und mit ihnen dankend zu ihr emporwinkend steckte er sie an sein Schwertbehänge . Elisabeth neigte sich tief vor dieser königlichen Huldigung - durch sie fand sie die Schmach , die sie sich vorhin angethan wähnte , wieder gesühnt ; wenn dieser königliche Held sich dankend mit ihren Blumen schmückte , dann mochte immerhin der arme Steinmetzgeselle sie verächtlich bei Seite werfen ! Aber sie war noch eben so verwirrt von dem Schreck über das bäumende Roß , wie von der Ehrenbezeugung des Königs , wie dessen ganzer herrlicher Erscheinung , daß sie nur ihm unverwandt die Blicke ihrer Feueraugen nachsandte ; so bemerkte sie auch den Gruß des Markgrafen Friedrich von Brandenburg nicht , und nur Ursula verneigte sich vor ihm . Er ritt gleich hinter Max und trug einen kurzen Sammetrock , roth , grau und weiß getheilt , eben so die Aermel , darüber einen kurzen grauen Sammetmantel mit roth und goldener Stickerei . Seit er nicht hier gewesen , war das schöne Scheurl ' sche Haus neu entstanden , und er widmete ihm darum seine besondere Aufmerksamkeit . So hatte Elisabeth auch für die andern Ritter und Herren kein Auge , die im Gefolge des Königs waren , obwohl jetzt um so mehr aller Blicke auf ihr ruhten , seit sie dessen Huldigung in so auffallender Weise empfangen und allerdings in gleich auffallender Weise herausgefordert . Unter diesen Rittern befand sich einer ganz in schwarzen Sammet mit Silberstickerei gekleidet , den es nicht minder als Markgraf Friedrich zu verdrießen schien , daß Elisabeth ihn nicht gewahrte . Sein Gesicht sah ziemlich bleich und wüst aus , und in seinen dunklen Augen schien ein unheimliches Feuer zu drohen . Einen solch ' unheimlichen Eindruck machte er überhaupt auf Ursula . Zu ihr sagte Elisabeth , als Alles vorüber war : » Ursula ! das ist der einzige schöne Mann , den ich je gesehen - er verdient es zu herrschen ! - Das war seit langem der erste glückliche Augenblick ! « Elisabeth ' s ganzes Wesen war in solcher Aufregung , daß Ursula sie erstaunt betrachtete ; aber sie vermochte nicht weiter mit ihr zu sprechen , denn eben stürmte Stephan in das Zimmer , der eine günstige Gelegenheit gefunden , sich aus dem Getümmel fortzuschleichen , da er der Versuchung nicht widerstehen konnte , sich wenigstens auf Augenblicke der holdseligen Geliebten zu nähern . Siebentes Capitel Auf der Hallerwiese An dem Tage , an welchem König Max angekommen , ward auf der Hallerwiese von den Bürgern ein