großen Park neben sich liegen . Die Umwandelung eines Waldes in diese regelrechte und kunstmäßige Zierlichkeit , mit zuweilen durchschimmernden Erlenbrückchen , kleinen von Hängeweiden bestandenen Inseln , künstlichen Felsgrotten , Wasserfällen , stammte schon aus dem vorigen Jahrhundert . Auch die erwähnten Pavillons mit Galerieen und chinesischen Dächern wurden sichtbar . Ein solcher , der auf der andern Seite lag und im untern Geschoß von einem alten Schloßdiener bewohnt wurde , sollte ganz für Lucinden eingerichtet werden , falls sie nicht vorn bei Vater und Sohn im Schlosse wohnte . Die sittlichen Vorstellungen des Kronsyndikus schienen von sogenannten Vorurtheilen völlig frei zu sein . Selbst wenn sein Sohn zu Lucinden in Verhältnissen gestanden hätte , in denen dieser nicht stand , würde er darüber mit Unbefangenheit gescherzt haben . Schloß Neuhof bot in seinem Hofe und in den Seitenbauten ein großes Oekonomiewesen . Den einen Theil seiner Besitzungen verwaltete der Freiherr selbst . Da gab es Ställe voll Rinder und Schafe , in der Ferne Ziegelöfen , eine Branntweinbrennerei , eine Brauerei , deren Grundstoffe und Erträge im beständigen Verkehr um das Schloß herum kamen und gingen und die nächsten Räumlichkeiten desselben so unschön wie möglich erscheinen ließen . Menschen umgaben den Besitzer von allerlei , aber durchgehends untergeordneter Art. Ihm mußte man nur dienen , nur gehorchen ; Weisungen von andern anzunehmen war seine Sache nicht . Von jeher hatte er auch deshalb Frauen lieber um sich leiden mögen als Männer . Gleiches , Ebenbürtiges , Höheres , zu dem er aufblicken mußte , duldete seine hohe Meinung von sich selbst nicht . Seine tyrannische Art schlug mit einer Handbewegung um sich und scherzte mit der andern . Ihm kam nichts auch nur , wie er ' s zu nennen pflegte , » bis an den Nabel « . Er hatte immer recht , ob nun eine andere Fütterung für verkommene Schafe oder der Bau eines neuen Ofens für die Ziegelei beantragt wurde . Die Mägde , die Knechte , die Verwalter der vielen Zweige , in denen gearbeitet und Gewinn angestrebt wurde , alle standen in der Regel in den Fällen , wo ' s , wie er sagte , » auf Grütze im Kopf « ankam , » wie die Heuochsen « und waren die Dummköpfe selbst . Er nur wußte alles und entschied alles . Und dann , wenn Er den » rechten Zapfen « eingeschlagen hatte , Er » den Nagel auf den Kopf getroffen « , Er irgendeinmal » den Karren wieder aus dem D. geschoben « hatte , mußte alles den Kopf schütteln und ohne viel Worte gleichsam nur ein : » Aber man muß sagen , unser gnädigster Herr - « mit den Augen andeuten . Wer das verstand , traf den Ton , in dem er die Menschen mit sich verkehren haben wollte . Es war dann schon vorgekommen , daß er in solchen Fällen , wo Er allein » dem Ding auf die Beine geholfen « , die Börse zog und einen Thaler austheilte , nur damit sich die Ochsen , die Esel , die Rindviecher dafür , daß sie sich ihm gegenüber als solche bewährt und bekannt hatten , einen guten Tag machten . Lucinde wurde unter zahlreichen neuen Menschen eingeführt als eine durch Familienbekanntschaft Empfohlene , der das Land nützen und die wiederum auch dem Lande nützen sollte . Da der Kammerherr nicht aufhörte , seine Liebe mit einer niemand an sie heranlassenden Eifersucht zu schützen und seine Sorgfalt , Obhut und Zartheit gegen sie die gleiche blieb , so durchkreuzte er die Plane des Vaters , der nicht wenig Lust bezeugte , der Rival seines Sohnes zu werden . Lucinde wohnte im Schlosse selbst nur bis zu dem Tage , wo mit dem mächtig hereinbrechenden Frühling eine Menge benachbarter Adelsfamilien erschienen und sie in den für sie bestimmten Pavillon des Parks zog . In dieser Zeit der Besuche mußte sie sich vom Schlosse sogar ausdrücklich fern halten . Vom Pavillon aus beobachtete sie die vornehmen Gäste , die kamen und gingen . Liebliche junge Mädchen , auch Kinder umschwärmten einige Stunden lang , während der Hof sich mit Livreen füllte , einen Weiher im Park . Besonders anmuthig war eine Comtesse Paula von Dorste-Camphausen , eine zarte , schlank aufgewachsene und , wie es schien , kränkelnde Blondine mit langem goldenen Haar , kaum zwölf Jahre alt und schon zur Reife entwickelt . Ihre treueste Begleiterin war ein kleiner schwarzer Lockenkopf , den man Armgart von Hülleshoven nannte . Auch flüchtig sah Lucinde jene Portiuncula von Tüngel , aus dem Geschlecht der Tüngel-Appelhülsen , die in diesen Tagen und bei diesen Berathungen und Bewillkommnungen durchaus die Kammerherrin von Wittekind , die Gattin eines Geistesschwachen , werden sollte . Sie sah sie eines Tages wieder , als sich der Park plötzlich mit Menschen gefüllt hatte . Sie war nicht auf diese Ueberraschung gefaßt gewesen . Sie hatte sich in träumender und verdrießlicher Langeweile für sich allein in ihrem Pavillon geschmückt und mußte an den Parkweiher , weil der Kammerherr , wie sie von den alten Leuten , bei denen sie wohnte , erfuhr , ihr im Vogelhause alle ihre Nähapparate versteckt hatte . Dorthin wagte sie sich . Sie hatte sich in einem vom Kammerherrn mit Goldlackfarbe bemalten schöngeformten Kahn , zu dem ein zierliches mit Goldfarbe gleichfalls überzogenes Ruder gehörte , an das in der Mitte befindliche Haus voll türkischer Enten , Tauben und Schwäne , die in drei Stockwerke vertheilt waren , hinrudern wollen , indem gerade die ganze Gesellschaft vom Schlosse kam . Alles eilte voll Staunen näher . Es war die phantastischste Ueberraschung , die man sehen konnte . Der Teich , der goldene Kahn , die schöne Schifferin ... Und der Kammerherr selbst konnte , da der Vater nicht sogleich in der Nähe war , dem Drange nicht widerstehen , der Welt seine wahre Liebe genauer zu zeigen . Lucinde erschrak und flüchtete sich in das Vogelhäuschen . Es bestätigte dieser Anblick