' s Wasser springt , und man zieht ihn todt heraus , da sagt ein Jedes : hätt ' er mir ' s nur gesagt , was ihm fehlt , ich hätt ' s ihm ja gern gegeben und ihm in Allem geholfen . Was gab ' ich nicht drum , wenn ich ihn wieder in ' s Leben bringen könnte ! - Aber ihn beim Leben erhalten , dazu wollte sich keine Hand aufthun . « Und eben dadurch , daß sich Barfüßele die ganze Schwere der Dinge immer voll auf that , lernte sie sie leicht ertragen . » Drum muß man sich nur auf sich selbst verlassen , « war ihr innerer Wahlspruch , und statt sich niederdrücken zu lassen von Hindernissen , wurde sie dadurch nur immer schnellkräftiger . Sie raffte zusammen und machte zu Gelde , was sie nur hatte , und der reiche Anhenker , den sie einst von der Landfriedbäuerin erhalten , wanderte zur Wittwe des alten Heiligenpflegers , die sich in ihrem Wittwenstande an einem ergiebigen Wucher auf Faustpfänder erfreute . Auch der Dukaten , den sie dem Oberbaurath auf dem Kirchhofe einst nachgeworfen hatte , wurde jetzt wieder gefordert und seltsamer Weise erbot sich nun der Rodelbauer , beim Gemeinderath in dem er saß , eine namhafte Unterstützung für den auswandernden Dami zu erwirken . Mit öffentlichen Geldern war er gern großmüthig und tugendhaft . Dennoch erschrak Barfüßele , als er ihr nach wenigen Tagen verkündete , es sei beim Gemeinderath Alles bewilligt , aber nur auf die Bedingung hin , daß Dami das Heimathsrecht im Dorf aufgebe . Das hatte sich von selbst verstanden , man hatte gar nicht anders gedacht ; aber jetzt , da es eine Bedingung war , erschien es als ein Schreckbild : nirgends mehr daheim zu sein . Dem Dami sagte Barfüßele nichts von diesen ihren Gedanken und Dami schien wieder froh und wohlgemuth . Besonders die schwarze Marann ' redete ihm viel zu , denn sie hätte gern das ganze Dorf in die Fremde geschickt , um endlich Kunde von ihrem Johannes zu bekommen ; und jetzt glaubte sie steif und fest , daß ihr Johannes über dem Meer sei . Der Krappenzacher hatte ihr gesagt : das Meer , die salzige Fluth , Verhindere die Thränen , die man um Einen weinen wolle , der am andern Ufer sei . Barfüßele erhielt von ihrer Dienstherrschaft die Erlaubniß , den Bruder zu begleiten , als er seinen Ueberfahrtsvertrag mit dem Agenten in der Stadt abschließen wollte . Wie erstaunten sie aber , als sie hier hörten , daß dies bereits geschehen sei . Der Gemeinderath hatte es schon bewerkstelligt , und Dami genoß des Armenrechtes und der entsprechenden Verpflichtungen . Er mußte vom Schiff aus , bevor dasselbe in ' s weite Meer segelte , eine Bescheinigung seiner Abfahrt unterzeichnen und erst dann wurde das Geld ausgezahlt . Traurig kehrten die Geschwister heim in ' s Dorf , schweigend gingen sie dahin . Dami war von Verdrossenheit überfallen , daß nun Etwas geschehen müsse , weil er ' s einmal gesagt , und Barfüßele empfand ein tiefes Wehe , daß doch ihr Bruder eigentlich wie auf dem Schub fortgeschafft würde . An der Gemarkung sagte Dami laut zu dem Stock , auf dem der Ortsname und Amtsbezirk stand : » Du da ! Behüt ' dich Gott ! Ich bin nicht mehr bei dir daheim , und alle Menschen da drin die , sind mir jetzt grad so viel wie du . « Barfüßele weinte , aber sie nahm sich vor , daß dies das Letztemal sein solle bis zur Abreise Dami ' s und auch bei dieser selbst . Sie hielt Wort . Die Leute im Dorfe sagten : das Barfüßele müsse kein Herz im Leibe haben , denn es waren ihr die Augen nicht naß geworden als ihr Bruder schied und die Leute wollen gern selbst die Thränen sehen . Was kümmern sie die heimlich geweinten ? Barfüßele aber hielt sich wach und straff . Nur in den letzten Tagen vor der Abreise Dami ' s versäumte sie zum Erstenmal ihre Pflicht , denn sie vernachlässigte ihre Arbeit und war immer beim Dami ; sie ließ sich von der Rosel darüber ausschelten und sagte nur : » Du hast Recht . « Sie lief aber doch ihrem Bruder überall nach , sie wollte keine Minute verlieren , da er noch da war , sie meinte , sie könne ihm in jedem Augenblick noch etwas Besonderes erweisen , noch etwas Besonderes sagen für Lebenlang , und quälte sich wieder , daß sie ganz gewöhnliche Sachen sprach , ja , daß sie sogar manchmal mit ihm stritt . O diese Abschiedsstunden , wie bedrücken sie das Herz , wie preßt sich da alle Vergangenheit und Zukunft in einen Augenblick zusammen und man weiß nirgends anzufassen und nur ein Blick , eine Berührung muß Alles sagen ! Amrei gewann indeß doch noch Worte . Als sie ihrem Bruder das Leinenzeug vorzählte , sagte sie : » Das sind gute saubere Hemden , halt ' dich gut und sauber drin . « Und als sie Alles in den großen Sack packte , auf dem noch der Name des Vaters stand , sagte sie : » Bring ' den wieder mit , voll lauter Gimgold . Wirst sehen , wie gern du dann hier wieder die Bürgerannahme bekommst , und des Rodelbauern Rosel , wenn sie bis dahin noch ledig ist , springt dir über sieben Häuser nach . « Und als sie die Axt des Vaters in die große Kiste legte , sagte sie : » O wie glatt ist der Stiel ! Wie oft ist er durch des Vaters Hand gegangen und ich mein ' , ich spür ' noch seine Hand da drauf . So , jetzt hab ' ich das Wahrzeichen : Sack und Axt . Arbeiten und Einsammeln das ist das Beste und da bleibt man lustig und gesund und glücklich .