, dann steckte er es in die Tasche und antwortete mit großer Wichtigkeit : » Sehen Sie , meine Herren , das sind meine Geheimnisse . Jeder Mensch hat die seinigen ; der Major , als zweiter Chef der Adjutantur , kennt alle geheimen Ordonnanzen Sr. Majestät ; unser theurer angehender Rath blickt in die Entstehung der Gesetze hinein ; Sie , Graf Fohrbach , beschäftigen sich mit den Geheimnissen verschiedener Anzüge und unser junger Maler untersucht fast dieselben Geheimnisse , nur daß er sich gang an ' s Aeußere hält . - Aber mein Departement ist das der feinen Odeurs ; meine Forschungen sind emsig darauf gerichtet , und meine Arbeiter und Gesandten darauf hingewiesen , mich im Fach des Wohlriechenden beständig an kalt zu halten . « » Teufel auch ! « rief der Major laut lachend , » das war eine schöne Rede . - Aber jetzt wissen wir gerade so viel wie vorher . Nun , seien Sie ehrlich , wie heißt dieser kostbare Wohlgeruch und wo ist er zu haben ? « » Hier ist er vorderhand nicht zu haben , « entgegnete sehr ernst der Baron . » Ich bekomme ihn von einem Freunde aus Konstantinopel , wo fast das ganze Fabrikat in ' s Serail geht . Er wird nur von einem einzigen Künstler , einem Armenier , gemacht und heißt coeur de rose . « » Aha ! Daher kommt denn auch Ihr neuer Schwur ! « erwiderte der Hausherr . - » Ihr werdet doch bemerkt haben , daß der gute Baron seit einiger Zeit nur bei coeur de rose schwört ? - Aber ich kenne ihn , « setzte er mit einer Handbewegung hinzu , » morgen Früh erhalten wir Alle einen Flacon coeur de Rose . « » Das wäre in der That zu viel verlangt , « sagte bedächtig der Assessor , » denn der gute Baron , der im Punkte des Geruchs ein Monopol haben will , müßte sich augenblicklich ein anderes Odeur anschaffen . « » Aber halten Sie es nicht für gefährlich , Baron , « meinte lachend der Graf , » so ausschließlich ein Odeur für sich zu besitzen ? Das könnte doch bei Ihren vielen Eroberungen zu unangenehmen Verwicklungen führen . So ein armer Ehemann kommt in das Boudoir seiner Frau und merkt gleich , daß Sie da gewesen sind . « » Das ist gewiß schon oft passirt , « sagte der Major . » Und wenn man das recht in ' s Auge faßt , so kann man sich eine Verstimmung , die man hie und da bemerkt , erklären . - Apropos ! um von Verstimmungen zu reden , so muß dem alten Baron von W. auch wieder was in die Quere gelaufen sein . « » Ei der Teufel ! « versetzte Graf Fohrbach aufmerksam , » erzähl ' uns das , Major . « » Es war eigentlich nur ein Spaß , « entgegnete dieser , » denn wenn wirklich etwas daran wäre , so müßtest du an : Ersten davon wissen . « » Von dem alten Baron weiß ich verflucht wenig , « erwiderte der Hausherr . » Es ist dir bekannt , daß ich gar nicht in seinem Vertrauen stehe . « » Aber die Baronin kommt doch häufig in euer Hans . « » Ah ! die schöne junge Frau ! « sprach melancholisch der Baron Brand , indem er seufzend in die Höhe blickte . » In unser Haus ? « sagte der Graf . » Du weißt doch , daß ich mit Papa kein gemeinschaftliches habe , und was drüben geschieht , davon erfahre ich nicht besonders viel . « » Aber zu deiner Mutter kommt die Baronin häufig , « erwiderte der Major . » Das ist wohl wahr , « versetzte Graf Fohrbach ; » aber leider nie in den Stunden , wo ich drüben bin . « » Er hat leider gesagt , dieser vortreffliche Graf ! « mischte sich der Baron mit einem süßen Lächeln in das Gespräch . » Das Leider klingt mir ungeheuer verdächtig . « » Diesmal hat Sie Ihr gewöhnlicher Scharfsinn getäuscht , « entgegnete trocken der Hausherr . - » Aber was meintest du mit einem Auftritt ? « wandte er sich an den Major . » Oh , es ist eigentlich unbedeutend . Du weißt wohl , daß man von unserem Dienstzimmer in den gegenüberliegenden Flügel des Schlosses sieht , wo Seine Excellenz , der Generaladjutant des hochseligen Königs , der Baron W. , wohnt ; und du weißt auch , daß ich sehr gute Augen habe . Da stand ich nun vorgestern am Fenster , halb hinter dem Vorhang verborgen , und betrachtete mir die gegenüber liegenden Fensterreihen von oben bis unten . An einem dieser Fenster steht Seine Excellenz mit dem gewöhnlichen finstern Blick , aber nicht mit der gewöhnlichen Ruhe . Jetzt fängt er auf einmal an , auf den Fensterscheiben zu trommeln ; es schien mir irgend ein Sturmmarsch zu sein , aber er trommelte nur einige Takte . « » Wahrscheinlich zum Loslassen der Plänkler , « meinte der Assessor . » Vielleicht wohl . Es muhte etwas vom Loslassen darin vorkommen , denn gleich darauf ließ er sich selbst los . Sein nicht gerade schönes Gesicht wurde dunkelbraun , sein eines Auge blickte eine Zeit lang stier in den Hof hinaus , dann wandte er sich mit einer raschen Bewegung um und gesticulirte und telegraphirte in ' s Zimmer hinein , was ich mir ungefähr mit den Worten übersetzte : Madame , ich kann und will Ihren Worten nicht glauben , hol ' der Teufel die ganze Geschichte ! Aber wenn ich noch einmal sehe , Madame , daß Sie die Vorhänge Ihres immer verschlossenen Wagens hinaufziehen oder daß Sie Jemand Anders anblicken wie mich , so scheue ich einen öffentlichen Eclat ganz und gar nicht und schicke Sie nach Schloß Werdenberg , wo Sie mit