nur den verdammten Ball aufgeschoben , wozu ich selbst vor ein paar Tagen rieth . Aber da war kein Halten , kein Abreden , der Ball mußte durchaus gegeben werden , weil die Vorbereitungen einmal getroffen waren . Nun haben wir die Folgen . Marianne lächelte . Mit dem Ball , sagte sie , hatte es eine eigne Bewandtniß , und da hat Clementine Ihnen einmal nicht die Wahrheit gesagt , wenn sie behauptete , die Einrichtungen wären nicht mehr zu ändern . Thalberg war nur länger nicht zu halten ; sonst hätte sie den Ball wohl aufgeschoben , da sie sich , wie sie selbst mir sagte , wirklich unwohl fühlte . Der Ball galt ja Thalberg ganz allein . Er galt Thalberg ? Was soll das heißen ? fragte Meining sehr verwundert . Sehen Sie , lieber Geheimrath ! das rathe ich so , denn bestimmt weiß ich es nicht - aber ich pflegte mich in solchen Sachen nicht zu irren ! Als ich neulich bei Clementinen vorfuhr , wurde ich abgewiesen ; es hieß , die Staatsräthin sei bei ihr . Was konnte sie mit dieser Geheimes zu berathen haben ? Nachher des Abends , als zuletzt die Partie bei Ihnen war , kam Thalberg , der erwartet wurde , nicht . Clementine sagte uns , er sei vorher bei ihr gewesen , sie hätte eine Weile mit ihm geplaudert und sie gestand mir , es sei die Rede von einer Verheirathung für ihn gewesen . Dabei war sie in bester Laune , also mußte er eingewilligt haben . Nun kommt Ihr Ball . Die kleine Johanne mußte die Tochter vom Hause machen , ich sah selbst , wie Thalberg ihr von Clementinen vorgestellt wurde , und - sie lachte - nun die Sache ist eben abgemacht . Ich glaube , Sie täuschen sich trotzdem , denn Thalberg ist abgereist , oder wird noch heute reisen , sagte Meining . Unmöglich ! rief Marianne mit ihrer ganzen Zuversicht , und es lag Meining nicht daran , sie eines Andern zu überführen . Befreiteren Sinnes sagte er ihr Lebewohl . Die Unterhaltung , bei der Marianne auch nicht im Entferntesten den Gedanken zu hegen geschienen , daß Clementine sich unglücklich oder nur unzufrieden fühle , war für Meining eine Beruhigung gewesen . Er ging rüstig seinen Tagesgeschäften nach und fand , als er zum Mittage nach Hause kam , seine Frau heiter und freundlich seiner wartend . Sie hatte , weil er ihr die größte Stille empfohlen , in ihrer Stube das Essen auftragen lassen ; sie war bemüht , den Schreck , den sie ihrem Manne am Morgen verursacht , so viel als möglich vergessen zu machen , und er verlangte es nicht besser , als ihrer Versicherung zu glauben , daß er Nichts für sie zu fürchten habe . Vierzehntes Capitel Aus Clementinen ' s Tagebuch . Den 27. Februar . Gott Lob ! Der erste Tag ist vorüber ! und noch ein Tag und noch einer , so geht das Leben hin . Armer Meining ! sollst Du es büßen , daß Du mich lieb hast , mir vertraust ? Soll das der Lohn Deiner Arbeit , die Freude Deines Alters sein , daß Dich in Deinem Hause ein kränkelndes , mißmüthiges Geschöpf empfängt ? Und wie gut er ist , wie er für mich sorgt ; und wie elend ich ' s ihm danke ! Nur zur Pein lebe ich noch in der Welt , mir und Allen . Wenn Robert - fort , fort mit den Gedanken . Ich bin Meining ' s Frau , sein Glück , sein Wohl allein dürfen mein Ziel sein , und Gott wird mir die Kraft geben , es zu erreichen , wenn er sieht , wie ernst ich danach ringe . Den 3. März . Ich bin wohler , Meining ist ruhig über mich . Es kann , es wird Alles noch gut werden , und warum sollte es nicht ? Konnte ich dafür , wenn ein Gefühl , welches ich nicht absichtlich hervorrief , sich nicht gleich unterdrücken ließ und mich beherrschte ? Habe ich nicht Alles versucht , was mir Pflicht und Recht geboten ? Nun ist es vorüber , er ist fort . Auch er wird seinen Frieden wiederfinden und wird glücklich werden . Ich ? - Ich muß es ja sein , weil ich nicht mir selbst gehöre . Im Landhause , den 2. April . So wäre ich denn hier eingerichtet ! Krank , traurig und müde ! o ! so müde ! Es gibt Leiden , die den meisten Menschen glücklicher Weise unbekannt bleiben . Nicht alt zu sein , und hoffnungslos in das Leben zu blicken , ohne Aussicht , ohne Wunsch für die Zukunft , nicht einmal den , daß es jemals anders werden möge . Wo ist die erste , frohe Jugendzeit hin , in der ich reich an Muth , an Lust , und so überreich an Liebe in das Leben sah ? Ich fühlte mich glücklich in der Liebe meines Vaters , kein andres Gefühl in meiner Seele , als ihm Freude zu machen und gut zu sein , um des Guten willen . Damals , es war , ehe ich Robert kannte , war ich frei ! Frei ? wenn ich es endlich würde , wenn mein Tod endlich diesem Elend ein Ende machte - das wäre das Einzige , was ich wünschen darf , was ich wünsche . Dann würden Meining und auch Robert freundlich mein gedenken , und ich schliefe still , wie mein müdes Herz es fordert . Den 10. April . Die Welt ist so schön , Alles scheint glücklich , warum kann ich es nicht sein ? Dadurch kommt oft ein Gefühl von Bitterkeit in mein Herz , das mich erschreckt . Der Vogel darf glücklich und fröhlich von Blatt zu Blatt fliegen , die Blume findet Sonne und Regen , so viel sie bedarf , um schön zu