Herrn fragen , was Gaston , der ihn gar nichts angeht , verbrochen hat ? - Daß er seinen Posten verlassen und oben in den fremden Zimmern sich herum treibt , welches ihm stets mit der Peitsche verboten ward , da sein Platz in der Vorhalle ist . - Und wohin ich ihn sonst mit mir nehmen will , rief Lucie , und wo Deine Wichtigkeit nichts zu befehlen hat . Gaston soll , anstatt in der Hundehütte , heute Nacht in meinem Bettchen schlafen , und ich will davor auf der Decke liegen . Allen anwesenden Dienern entfuhr ein kurzes , schnell unterdrücktes Lachen . Mistreß Dedington rief schaudernd : Lucie , Lucie ! mein Engel , Sie sind zu lebhaft ! Aber der kleine Schalk blickte seitwärts nach dem Antlitze der Großmutter , und da dies noch in seiner ungetrübten Klarheit leuchtete , wurde sie dreister und sagte schalkhaft , das reizende Köpfchen gegen ihre Mutter beugend : Erlaubst Du , liebe Mutter , daß Gaston diese Nacht in meinem Bettchen schlafen darf , und ich davor auf der Decke ? Die Herzogin zog hier ihren Blick von einem alten Wappenschilde ab , das ihr gegenüber an der Wand ihre Aufmerksamkeit gefesselt zu haben schien ; er fiel , wie erquickt , auf Luciens heiteres Gesicht , und sie ließ das liebe Kind seine Worte wiederholen . Doch schnell zu ihrer alten Strenge zurückkehrend , sprach sie ernst : Wie unschicklich und kindisch ist Dein Begehren , Lucie , ich hätte nicht gefürchtet , etwas der Art von Dir zu hören ! Ihr Blick streifte von dem beschämten Kinde die Tafel entlang und entzündete sich an Ramsey ' s lächelndem Gesicht . Ich fürchte , daß Ihr , Ramsey , mit Euren oft sehr weit gehenden Scherzen dies Kind zu dieser unziemenden Bitte gereizt habt . Ramsey wollte antworten , denn er verschwieg nie gern , was er zu sagen wußte , als Lucie mit Heftigkeit rief : Nein , liebe Mutter , schelte ihn nicht , Ramsey hat mich nicht darum gebeten , er ist ganz unschuldig , ich wollte es selbst , weil Gaston sonst in die Hundehütte gesperrt wird . Bei diesen Worten drangen Thränen in die schönen Augen des glühenden Kindes , und Ramsey hätte gern zu ihren Füßen dem Engel seine Neckereien abgebeten . Die Herzogin schien nicht ganz gegen den versöhnenden Anblick unempfindlich , denn sie sagte merklich milder : Laß uns hören , Ramsey , was Gaston verbrach , vielleicht können wir die Sache vermitteln . Euer Durchlaucht muß ich unterthänig um Vergebung bitten , sagte nun Ramsey , der von dem Edelmuthe Luciens sich zu gleichen Empfindungen erhoben fühlte , ich habe es allerdings gewagt , Fräulein Lucie mit der Nachricht über Gastons Uebelverhalten zu necken ; er hat nichts verbrochen , als daß er mir seit langer Zeit aus dem Gesichte gekommen ist . O du böser Ramsey , rief Lucie , hell auflachend vor Vergnügen und des Kummers nicht mehr gedenkend , daß Zeuge doch eben aus dem lachenden Auge in einer hellen Thräne über die glühenden Wangen rollte , das liebe Thier zu verläumden , ich werde es Dir gedenken ! Die Herzogin fühlte sich nicht geneigt , die Sache böslich zu verfolgen , aber sie fragte , wo Gaston geblieben sei . In den Zimmern der fremden Lady , antwortete Ramsey . Sogleich änderte sich das Gesicht der Herzogin , und sich gegen Mistreß Morton wendend , welche auf ihren Teller blickte , rief sie : Wie kömmt das , wem hängt er an in diesen Zimmern , ich hörte bis jetzt nichts davon ? Euer Durchlaucht halten zu Gnaden , sagte Mistreß Morton , indem ihr feines Gesicht von einer leichten Röthe bedeckt ward und sie den Blick nicht erhob , ich habe diesen Umstand nicht der Erwähnung werth geachtet . Der Herzogin Blick lag während dieser Worte unverwandt auf Mistreß Morton , sie schien sich mit Mühe Schweigen aufzuerlegen und benutzte das Ende der Tafel , um die alte Lady unter den gewohnten Formen nach den Zimmern zu führen , wo man sich nach der Abendtafel zu trennen pflegte . Stanloff ließ sich am andern Morgen bei seiner Gebieterin melden . Er fand sie mit niedergeschlagenen abgespannten Zügen in ihrem Armstuhle ruhend ; sie schien geschrieben zu haben . Stanloffs schnell überschauendem Blicke entging es nicht , daß mehrere beschriebene Blätter auf dem Schreibtische lagen , welcher in einer Fensternische im Rücken der Gräfin stand . Sie schien sich am Kamin in dieser ruhenden Stellung erholen zu wollen ; Stanloff sah aber mit Bekümmerniß den Ausdruck von Leiden in ihrem Gesichte , das müde Auge , das sich nicht bei seinem Nähertreten erhob . Doch wies sie seine besorgten Fragen nach ihrer Gesundheit bestimmt zurück und hieß ihn zum Feuer sich setzen . Stanloff entschuldigte sein gestriges Ausbleiben mit Geschäften in einem fernen Theile der Besitzungen , welches mit einem freundlichen Neigen des Kopfes angehört wurde . Ohne weiteren Uebergang sagte Stanloff nun : Mein Bericht über die Kranke ist heute sehr erfreulich . Er wollte fortfahren , als das Wort , das er zuletzt ausgesprochen , dumpf aus dem Munde der Herzogin wiedertönte und sie mit einem tiefen Seufzer die Augen aufschlug . Stanloff schwieg , denn er sah , sie wollte reden . Sie richtete sich auf , und sogleich trat Haltung an die Stelle der Abspannung ihres Körpers , indem sie mit einem Tone , der zwischen Schmerz und Unwillen schwankte , langsam zu Stanloff sprach : Mein guter Doktor , diese Fremde nimmt uns allen viel Zeit und Gedanken . Es ist wahrlich dahin gekommen , daß das Gefühl , das Alle in diesem Schlosse am nächsten erfüllen sollte , das Gefühl der tiefsten Trauer um ihren verehrungswürdigen Herrn , meinen theuern Gemahl , zurücktritt gegen die allgemeine Zerstreuung , die dieser Gegenstand unter uns verbreitet . Ich fühle die Pflichten , die mir hiermit auferlegt sind , etwas drückend