an sich trug . Die Haare hingen auf die Schulter , und die Eitelkeit hatte die Graugewordenen durch metallische Mittel kupferbraun gefärbt . Die Augenbraunen waren auch mit trügerischer Farbe geschmückt , goldne Ringe hingen in den Ohren , glattgeschoren waren Wange und Kinn . Kostbare Fingerreife glänzten an den Händen . Die Fülle des Angesichts hatte viel dazu beigetragen , ihm ein jüngeres Ansehen zu geben , und die Augen wie der Mund hatten einen Anstrich von keckem Stolze gewonnen , der keine Spur der ehemaligen Klosterdemuth mehr durchblicken , ließ . Dagobert , von dieser Erscheinung , die er sich nicht träumen ließ , betroffen , neigte sich schweigend vor dem Prälaten , der durch eine nicht allzubedeutende Kopfneigung und Handbewegung den Jüngling einlud , zu sprechen . Dagobert hatte sich wenigstens eingebildet , von seinem Oheim bald erkannt zu werden , und schwieg , ihn unablässig betrachtend . Der Prälat fand hingegen das Betragen des Fremden sonderbar und fragte daher mit vornehmer dringender Rede ; Was bringt Ihr , junger Herr ? Was steht zum Befehl Sr. fürstlichen Gnaden ? » Ach , hochwürdiger Herr ! « begann Dagobert , bei dem die Rührung die Oberhand gewann : » Nicht des Herzogs Wille führt mich hieher ; sondern mein Herz , mein Herz allein ! « Der Prälat maß ihn mit staunenden Blicken . » Seltsam ! « sprach er alsdann : » was hätte ich mit Euerm Herzen zu schaffen , da ich Euer Gesicht nicht kenne , und Ihr Euern Namen hinter einem ehrenwerthen verbergen müßt ? « » Brauche ich einen Namen vor Euch ? « fuhr Dagobert dringender fort : » Sprechen nicht aus meinem Gesichte bekannte Züge zu Euerm Gefühl . « » Ei , junger Gesell , Du wirst doch nicht ... « entgegnete der Prälat betreten , und holte seine Brille aus dem Ärmel : » Sendet Dich etwa ... wie nennt sich Deine Mutter ? « » Wie mögt Ihr nach der Mutter fragen ? « sprach Dagobert weiter : » Die Edle ruht im Grabe ; doch des Vaters Name ...... « » Genug , genug , mein Sohn ! « Unterbrach ihn der Oheim mit wachsender Befangenheit , und sein Blick suchte den Boden , während er die Hand zum Kusse reichte : » Du bringst mir eine böse Nachricht . Rechinald ist todt ? Gott genade ihrer Seele .... Was willst Du aber beginnen ... ? Für Dich zu sorgen wird mir schwer werden ; .... wir armen Geistlichen werden in diesen neusten Zeiten , gedrückt und gepfändet , als hätten wir des Erdreichs Schätze allein ; ... ich werde wahrlich Nichts für Dich thun können . « Dagobert betrachtete ihn während dieser Rede , ohne zu wissen , ob der Prälat Ernst mache oder Scherz , oder ob er in einer plötzlichen Geistesabwesenheit , also irre und verworren spreche . » Wie ist Euch doch zu Sinne ? « begann er endlich , da die peinliche Verlegenheit des Geistlichen fortdauerte , und sein Auge gleichsam aus dem Boden die versagenden Worte auszugraben sich anstellte : » Was Ihr mit der Rechinald zu thun begehrt , der Gott ein langes Leben , - oder , wäre sie wirklich gestorben - eine fröhliche Urständ schenken möge , - das weiß ich nicht . Ich habe nie Eine dieses Namens gekannt , und meine Mutter hieß Wallrade , wie meine schlimme Schwester . Ich weiß jedoch ganz ausgemacht , daß ich nicht als zudringlicher Bettler mich bei Euch einfinde , sondern auf Euern ausdrücklichen Wunsch und Willen , hochwürdiger Herr Ohm ! Der Vater läßt Euch bestens grüßen , und die Stiefmutter . So Ihr mir zum frommen dienen wollt , werd ich ' s Euch herzlich danken . So sich aber Eure Willensmeinung geändert hätte , kehre ich stehenden Fußes um gen Frankfurt , ohne Groll und Reue . « Mit jedem Worte des jungen Mannes war der Prälat aufmerksamer , ruhiger und aufgerichteter geworden . Es spiegelte sich sogar eine Art von Freude in seinem Gesichte , als Dagobert geendet hatte . Durch die Brille studirte der Oheim einen Augenblick hindurch die Züge des Letztern , und rief alsdann , ihm beide Hände hinreichend : Ach du närrischer Kautz ! Das ist ja etwas ganz Andres ! Komm , umarme Deinen alten Ohm ! Die heilige Jungfrau benedeie Deinen Eingang ! » Dagobert umhalste den blödsichtigen Prälaten und setzte sich , wie dieser es begehrte , neben ihn auf das Ruhebette . « - » Ja , das ist ganz das Gesicht des Bruders ! « sprach Hieronymus : » Meine bösen Augen ! Vergib mir nur den Mißgriff , lieber Neffe . Du hast aber auch eine seltsame Weise , Dich einzuführen . Ich hätte darauf geschworen .... siehst Du ... diese Rechinald ... sie war mein frommes Beichtkind , da ich noch in Deutschland lebte , ... und .. ihr Sohn .... doch , ich werde Dir das bei gelegnerer Zeit erzählen . Gib mir noch einmal die Hand . So ! bist ein hübscher Bursche geworden . Nun , das ist ein Erbtheil unsers Geschlechts . Aber in Deinem Wesen hatte ich mir nicht weniger als Alles anders vorgestellt . Wo ist der geistliche Rock , das Piret ? der Rosenkranz und der niedergeschlagene Blick ? Du siehst aus , als ob Du zum Herrendienst an den Hof reiten wolltest , und nicht nach Wälschland in das Bartholomäistift . « » Vergebung , Ohm ! « scherzte Dagobert und zupfte neckend an dem blandamastnen Überkleid des Prälaten : » Das ist eben auch nicht das Klostergewand . « » Hm ! « lächelte der Oheim selbstgefällig : » Die Klausur und Regel ist nicht mehr für den Geistlichen meines Standes . Wir haben von unten auf gedient , und dürfen uns in reifen Jahren schon eine bequeme Freiheit erlauben , zumal hier in der Fremde , mit päpstlichem Dispens . « » Hier