Theil der Arbeit abnehmen konnten . Sogar in der Schule hatte er wenig zu thun , denn er hatte sich da einen geschickten jungen Bauerssohn , Namens Johanns Heiter , nachgezogen . Der war von armen Aeltern , und Oswald gab ihm bei sich Wohnung und Kost aus der Garküche , und unterrichtete ihn in gelehrten Dingen . Oswald hatte seinen Johannes sehr lieb , und dieser war in der Schule so meisterlich zum Unterricht , daß er Oswalden gleich kam . Und die Kinder liebten den Johannes , denn er war sanft und freundlich , und machte ihnen das Lernen beinahe noch leichter , als Oswald . Dieser ging oft ganze Tage seiner Feld- und Gartenarbeit nach , und freute sich , wenn er sah , wie im Dorfe Alles nach und nach anders ward . Und wirklich war es seltsam zu sehen , wie Leute , die vorder arme Schlucker gewesen , nach und nach sich von Schulden frei machten , und wie ihre Häuser ein stattliches Ansehen bekamen ; hingegen , wie vormals wohlhabende Bauern , die in ihrer alten Gewohnheit verblieben , nach und nach arm wurden , weil sie das Ihrige verwahrlosten , verlumpten , versoffen , verprozessirten , verspielten . Die zweiunddreißig Bundesgenossen Oswalds hielten sich wacker und waren allenthalben voran , wo eine neue Einrichtung von ihm gemacht ward . Ihr Beispiel munterte dann viele Nachbarn auf , es auch so zu machen . Die jungen Bursche , welche Oswald am Sonntage unterrichtete , und die Mädchen aus Elsbeths Nähschule trugen bei ihren Aeltern nicht wenig zum Guten bei . Andere aber waren und blieben im Dorfe unverbesserliche Lumpen . Und an der Spitze des schlechten Volks stand der Löwenwirth Brenzel . Dieser war ein geschworner Feind aller neuen Einrichtungen . Er fluchte beständig auf die Neuerer , und sagte , die Religion gehe dabei zu Grunde ; es müsse anders kommen ; so könne es nicht länger gehen . Doch hielt ihn der Herr Pfarrer , welcher ihn viel besuchte , immer im Zaum , daß er nicht viel Böses thun konnte . Dazu kam , daß Brenzel seine Hauptstütze , nämlich den dritten Gemeindsvorsteher , von seiner Seite verlor . Dieser hatte schon längst bemerkt , daß es mit seiner Wirthschaft den Krebsgang gehe , und sich darüber aus Verdruß dem Trunk ergeben , daß er keinen Tag nüchtern war . Und um schnell wieder reich zu werden , hatte er in mehrere Lotterien gesetzt und sein Geld verlottert , bis er nichts mehr hatte . Da kamen die Gläubiger , denen er schuldig war , und nahmen ihm das Letzte . Nun mußten neue Gemeindevorsteher gewählt und der hohen Landesobrigkeit vorgeschlagen werden . Da gab es im Dorfe zwei Parteien . Die Lumpen wollten Einen oder Zwei ihres Gleichen , denen sie schuldig waren , die rechtschaffenen Leute aber wollten das nicht . Es war viel Zanks . Viele fragten den Herrn Pfarrer darüber , wenn er sie nach seiner Gewohnheit besuchte . Er aber antwortete ihnen und sprach : » Ich wundere mich sehr , daß Keiner von euch noch an den braven Mann gedacht hat , der euch schon so viel Nutzen gestiftet , der so klug , so menschenfreundlich und so thätig ist . Ich meine den Schulmeister . Wenn ihr den wählet , so habet ihr den rechten Mann an der Spitze . Freilich , er gehört nicht zu denen , die sich zu einer Ehrenstelle drängen . Aber eben deswegen muß man zuerst auf ihn achten . Denn die , welche um Ehrenstellen werben , und Andern den Rang ablaufen wollen , haben gemeiniglich Nebenabsichten . Sie sind stolz und ehrgeizig , wollen nicht das Beste der Gemeinde , sondern ihren Hochmuth befriedigt sehen . « Ferner sprach er : » Es ist wohl gut , daß man einen wohlhabenden Mann zum Gemeindevorsteher wählt ; aber Reichthum nicht , sondern Uneigennützigkeit ist die höchste Tugend . Wehe der Gemeinde , die den zum Vorsteher macht , dem die meisten Bürger schuldig sind . Denn sie machen ihn zum Gewalthaber und Richter in seinen eigenen Angelegenheiten , und sie werden Sklaven eines Dorftyrannen durch eigene Thorheit . Sie sollen lieber den wählen , der auch den hartherzigen Gläubiger und den reichen Tyrannen in Schranken halten kann . « Ferner sprach er : » Ein guter Kopf thut viel , aber ein redliches Herz thut noch weit mehr . Darum fraget erst : ist der Mann ein grundredlicher , hülfreicher Mann ? nachher fraget : hat er Klugheit genug , und ist er keines Reichen Schuldner ? - Der Vorsteher einer Gemeinde soll unabhängig sein , sonst ist nicht er , sondern sein Gläubiger , den er fürchtet , Vorsteher des Ortes . « » Ihr könnet nicht leicht irren , den würdigsten Mann zu finden . Denket nur nach , welchen Mann würdet ihr auf euerm Sterbebette am liebsten zum Vogt eurer Wittwen und hinterlassenen Waisen machen , in der Ueberzeugung , er werde das Glück der Eurigen wohl besorgen ? Nun , diesen machet zum Vorsteher . - Oder , wenn ihr zu einem eurer Mitbürger in Dienst treten müßtet , welchen wünschtet ihr am liebsten zu euerm Herrn ? Nun , diesen machet zum Vorsteher ! « » Wenn an einem Orte die Mehrheit der Vorsteher guten Willen und redliches Gemüth hat , welche das Unrecht verabscheut ; so findet sich leicht zu Allem guter Rath . Ein einziger guter Kopf ist genug . Drei gute Köpfe , ohne gutes Herz , werden sich beisammen nicht vertragen . Denn Jeder will es besser verstehen , als der Andere , und so kommt Zwietracht unter sie , und von ihnen in die Gemeinde . « » Saget mir , wer ist der beste Vater bei seinen Kindern ; liebreich und doch nicht schwach , streng und doch nicht hartherzig ? Oder saget mir , wer ist der beste Hausherr , dem sein Gesinde gern dienet