ist das ? Das ist meine Hand ! « Er sah Ottilien an und wieder auf die Blätter , besonders der Schluß war ganz , als wenn er ihn selbst geschrieben hätte . Ottilie schwieg , aber sie blickte ihm mit der größten Zufriedenheit in die Augen . Eduard hob seine Arme empor : » Du liebst mich ! « rief er aus , » Ottilie , du liebst mich ! « und sie hielten einander umfaßt . Wer das andere zuerst ergriffen , wäre nicht zu unterscheiden gewesen . Von diesem Augenblick an war die Welt für Eduarden umgewendet , er nicht mehr , was er gewesen , die Welt nicht mehr , was sie gewesen . Sie standen voreinander , er hielt ihre Hände , sie sahen einander in die Augen , im Begriff , sich wieder zu umarmen . Charlotte mit dem Hauptmann trat herein . Zu den Entschuldigungen eines längeren Außenbleibens lächelte Eduard heimlich . O wie viel zu früh kommt ihr ! sagte er zu sich selbst . Sie setzten sich zum Abendessen . Die Personen des heutigen Besuchs wurden beurteilt . Eduard , liebevoll aufgeregt , sprach gut von einem jeden , immer schonend , oft billigend . Charlotte , die nicht durchaus seiner Meinung war , bemerkte diese Stimmung und scherzte mit ihm , daß er , der sonst über die scheidende Gesellschaft immer das strengste Zungengericht ergehen lasse , heute so mild und nachsichtig sei . Mit Feuer und herzlicher Überzeugung rief Eduard : » Man muß nur Ein Wesen recht von Grund aus lieben , da kommen einem die übrigen alle liebenswürdig vor ! « Ottilie schlug die Augen nieder , und Charlotte sah vor sich hin . Der Hauptmann nahm das Wort und sagte : » Mit den Gefühlen der Hochachtung , der Verehrung ist es doch auch etwas Ähnliches . Man erkennt nur erst das Schätzenswerte in der Welt , wenn man solche Gesinnungen an Einem Gegenstande zu üben Gelegenheit findet . « Charlotte suchte bald in ihr Schlafzimmer zu gelangen , um sich der Erinnerung dessen zu überlassen , was diesen Abend zwischen ihr und dem Hauptmann vorgegangen war . Als Eduard ans Ufer springend den Kahn vom Lande stieß , Gattin und Freund dem schwankenden Element selbst überantwortete , sah nunmehr Charlotte den Mann , um den sie im stillen schon soviel gelitten hatte , in der Dämmerung vor sich sitzen und durch die Führung zweier Ruder das Fahrzeug in beliebiger Richtung fortbewegen . Sie empfand eine tiefe , selten gefühlte Traurigkeit . Das Kreisen des Kahns , das Plätschern der Ruder , der über den Wasserspiegel hinschauernde Windhauch , das Säuseln der Rohre , das letzte Schweben der Vögel , das Blinken und Widerblinken der ersten Sterne : alles hatte etwas Geisterhaftes in dieser allgemeinen Stille . Es schien ihr , der Freund führe sie weit weg , um sie auszusetzen , sie allein zu lassen . Eine wunderbare Bewegung war in ihrem Innern , und sie konnte nicht weinen . Der Hauptmann beschrieb ihr unterdessen , wie nach seiner Absicht die Anlagen werden sollten . Er rühmte die guten Eigenschaften des Kahns , daß er sich leicht mit zwei Rudern von einer Person bewegen und regieren lasse . Sie werde das selbst lernen , es sei eine angenehme Empfindung , manchmal allein auf dem Wasser hinzuschwimmen und sein eigner Fähr-und Steuermann zu sein . Bei diesen Worten fiel der Freundin die bevorstehende Trennung aufs Herz . Sagt er das mit Vorsatz ? dachte sie bei sich selbst . Weiß er schon davon ? vermutet ers ? Oder sagt er es zufällig , so daß er mir bewußtlos mein Schicksal vorausverkündigt ? Es ergriff sie eine große Wehmut , eine Ungeduld ; sie bat ihn , baldmöglichst zu landen und mit ihr nach dem Schlosse zurückzukehren . Es war das erstemal , daß der Hauptmann die Teiche befuhr , und ob er gleich im allgemeinen ihre Tiefe untersucht hatte , so waren ihm doch die einzelnen Stellen unbekannt . Dunkel fing es an zu werden ; er richtete seinen Lauf dahin , wo er einen bequemen Ort zum Aussteigen vermutete und den Fußpfad nicht entfernt wußte , der nach dem Schlosse führte . Aber auch von dieser Bahn wurde er einigermaßen abgelenkt , als Charlotte mit einer Art von Ängstlichkeit den Wunsch wiederholte , bald am Lande zu sein . Er näherte sich mit erneuten Anstrengungen dem Ufer , aber leider fühlte er sich in einiger Entfernung davon angehalten ; er hatte sich festgefahren , und seine Bemühungen , wieder loszukommen , waren vergebens . Was war zu tun ? Ihm blieb nichts übrig , als in das Wasser zu steigen , das seicht genug war , und die Freundin an das Land zu tragen . Glücklich brachte er die liebe Bürde hinüber , stark genug , um nicht zu schwanken oder ihr einige Sorgen zu geben ; aber doch hatte sie ängstlich ihre Arme um seinen Hals geschlungen . Er hielt sie fest und drückte sie an sich . Erst auf einem Rasenabhang ließ er sie nieder , nicht ohne Bewegung und Verwirrung . Sie lag noch an seinem Halse ; er schloß sie aufs neue in seine Arme und drückte einen lebhaften Kuß auf ihre Lippen ; aber auch im Augenblick lag er zu ihren Füßen , drückte seinen Mund auf ihre Hand und rief : » Charlotte , werden Sie mir vergeben ? « Der Kuß , den der Freund gewagt , den sie ihm beinahe zurückgegeben , brachte Charlotten wieder zu sich selbst . Sie drückte seine Hand , aber sie hob ihn nicht auf . Doch indem sie sich zu ihm hinunterneigte und eine Hand auf seine Schultern legte , rief sie aus : » Daß dieser Augenblick in unserm Leben Epoche mache , können wir nicht verhindern ; aber daß sie unser wert sei , hängt von uns ab . Sie müssen scheiden , lieber Freund , und Sie werden