und ehrt mich ; das wird dir die Art bezeugen , wie man mir im Hause begegnet . Liebe kann ich nicht fordern ; glaube aber meiner Erfahrung , sie ist zu unserem Glücke nicht nothwendig , und ich bin mit meinem Schicksale zufrieden . Nur Ein Wunsch bleibt mir jetzt übrig , der - auch dich ruhig zu wissen . Glaubst du dies durch deine Entfernung bewirken zu können , so thue die nöthigen Schritte . Geh , mein Freund ! - Verlaß einen Ort , der zu vielen Anlaß zur Unruhe , zu quälenden Erinnerungen für dich enthält ! Laß mich dann , wenn es dir gelungen ist , deine Ruhe herzustellen , aus der Ferne diese tröstliche Nachricht vernehmen , und sey versichert , daß sie nicht wenig zu meiner Zufriedenheit beitragen wird . Leb ' wohl ! Antworte mir nicht auf diesen Brief . Es ist weder nöthig , noch gut , daß wir oft von unsern Gefühlen mit einander reden . Gott , der unser Schicksal auf so unbegreifliche Weise geführet , und unser Wiedersehen gewiß aus weisen Absichten veranstaltet hat , wenn wir es gleich jetzt nicht einsehen , wird dich auf deinen Wegen leiten und schützen . Auch mein heißes Gebet wird dir überall folgen , und wenn einst der höchste , der einzige Wunsch , dessen mein Herz noch fähig ist , erfüllt werden sollte , wenn die Lehren der Kirche , in denen ich Beruhigung gefunden habe , auch in deiner Seele Eingang finden könnten : o Agathokles ! wie wollte ich den schmerzlichen Augenblick unsers Wiedersehens preisen , und die Leiden segnen , die er mich kostete ! Leb ' wohl ! Das ist Larissens Brief . Es war mir eine süße , eine traurige Beschäftigung , ihn für dich abzuschreiben ; es war mir ein Trost , aus so manchen Stellen zu ahnen , zu errathen , daß sie mich nicht vergessen hat ; daß sie mich vielleicht eben so heiß liebt , als ich sie ! - aber antworten darf und kann ich nicht . Was sollte ich ihr auch sagen ? Ich kann nichts , als meinen unendlichen Verlust fühlen , der in jeder Zeile , in der sich dieser reine Sinn , diese himmlische Güte abmalt , mir schrecklicher erscheint . Aber welche Religion muß das seyn , die dem Menschen solche Begriffe von Pflicht , und einer zarten weiblichen Seele so viel Kraft , ihr treu zu bleiben , ertheilt ? Ich verabscheue sie in diesem Augenblicke ; denn sie raubt mir jede Hoffnung - und ich muß sie im nächsten bewundern . Leb ' wohl , Phocion ! Wenn ich mich gesammelt habe , wenn ich wieder klar zu denken vermag und erst eine weite Strecke zwischen mir und der Ewigverlornen sich ausdehnt , schreibe ich dir wieder . Fußnoten 1 Apamäa , eine Stadt in Syrien . 20. Larissa an Junia Marcella . Edessa , im Junius 301 . Es hat dem Himmel gefallen , meine Junia ! mich auf eine schwere Prüfung zu setzen . Ich darf nicht klagen ; denn die Begebenheiten sind zu außerordentlich , als daß ich nicht deutlich die Spuren seiner Führung darin erkennen sollte . Es ist sein Wille , diese Leiden über mich zu verhängen , diese strengen Pflichten von mir zu fordern . Ich darf nicht fragen , warum ? Ich muß nur still tragen , kämpfen , und leisten , was ich kann . Soll ich in dem Streit bestehen , so wird Gott mir Kräfte dazu geben . Soll ich untergehen : o dann willkommen , du letzte süße Stunde ! die so vielen Schmerzen ein Ende machen , und mir eine schönere Welt eröffnen wird , wo es kein Verbrechen ist , die reine Tugend zu lieben , und ein schwaches Herz nicht aus alt gewohnten süßen Banden reissen zu können ! Als ich dir das letzte Mal geschrieben hatte , nahm ich mir vor , die Gegenwart desjenigen , den ich weder lieben durfte , noch vergessen konnte , so viel möglich zu vermeiden . Ich hielt den schweren Vorsatz treu durch fünf Tage . Am Morgen des sechsten brachte mir der treue Anicetas , der mir noch aus meines Vaters Haus gefolgt ist , sehr geheimnißvoll einen Brief . Ich stand eine Weile an , ob ich ihn nehmen sollte . Endlich erkannte ich , wie aus dunkler Erinnerung , die Züge der theuern Schrift . Er war von ihm ! Ich bebte - noch einmal drang der Zweifel , ob ich auch von ihm einen Brief annehmen dürfte , in mein Herz . Aber der Gedanke an die tiefe Kränkung , der ich ihn aussetzte , und , laß es mich dir gestehen , Junia , das heiße Verlangen , zu wissen , was er mir sagen würde , überwog jede Bedenklichkeit . Ich nahm den Brief , ich verschloß mich in mein geheimstes Zimmer , und las , und fand , was sich mit Flammenzügen in mein Herz grub , was weder Thränen , noch Kämpfe , noch Zeit je verlöschen werden , die feste Ueberzeugung , von dem edelsten aller Menschen mit eben der Treue und Wärme , wie vor acht Jahren , geliebt zu seyn , aber auch die Gewißheit , daß er durch diese Liebe und unser Schicksal unaussprechlich unglücklich sey . Er schmeichelte sich mit Hoffnungen , er suchte sie auch meiner Brust einzuflößen , er zürnte über meine Kälte , er wollte fliehen . O meine Junia ! Welch ein Brief ! Wenn die Gewißheit , geliebt zu seyn , mich mit süßen Gefühlen überströmte , so beugte der Gedanke an seine Leiden meine Seele bis zur Verzagtheit nieder . Agathokles unglücklich ! Was kann die Tugend für Lohn hienieden hoffen , wenn er leidet ? Aber soll sie denn überhaupt ihren Lohn hier finden , oder auch nur erwarten ? Nirgends auf der ganzen Erde sehen wir eine Veranstaltung , die dem