und der Sehnsucht , dahin verbergen könnte ! Amanda ! ich bin in Verzweiflung ! - In meiner Zerstreuung hab ' ich vergessen , dem Boten , der Briefe in die Stadt trägt , diesen Brief an Dich mitzugeben . Das Aussenbleiben desselben wird Dich beunruhigen , und ich kann diesen Gedanken nicht ertragen . Ich lasse das schnellste Pferd satteln , und fliege in die Stadt , um die Post noch zu erreichen . O ! daß es so unbändig wäre und sich nicht halten ließe , und mich ohne Rast zu Dir hintrüge ! Ich bin wieder besser , meine Amanda , ich bin ganz gesund . - Ach ! was habe ich gelitten , daß ich Dich so lange in dieser Ungewißheit lassen mußte , aber die Krankheit übermannte mich mit unbeschreiblicher Stärke und Schnelligkeit ; ein heftiges Fieber raubte mir das Bewußtsein , und vergönnte mir nur selten einen leichten Augenblick ; ich habe viel phantasirt , und bin sehr glücklich gewesen . Ganz deutlich erinnere ich jetzt mich dessen , was meiner Krankheit vorher gieng , und ich will es Dir erzählen , weil ich Dir nichts verheelen darf . - Ich ritt , nachdem ich Dir zuletzt geschrieben , mit fliegender Eil , um noch vor Abgang der Post in der Stadt zu sein . Auf meinem Weg lag eine Fähre , die ich passiren mußte . Es war so früh , daß man auf der andern Seite niemand vermuthete , und ich mußte lange warten . Die Luft wehte kalt , der Himmel sah schwarz umzogen , und meine Ungedult war fürchterlich . Schon wollte ich mich in die Wogen stürzen und hinüberschwimmen , als ein alter Schäfer herbei kam , und mich gutmüthig festhielt . Er stellte mir die Gefahr bei dem herannahenden Sturm so lebhaft vor , daß ich einige Augenblicke lang schwankte , und ein kleines Gespräch mit ihm anknüpfte . Und hier - so bitter war meine Stimmung - war ich recht bemüht , diesem Menschen , der mit seinem Dasein zufrieden schien , das Traurige desselben mit wilder Lebhaftigkeit aufzudecken . In dieser öden Gegend , wo Stunden weit keine menschliche Wohnung , nur Sand und dünner Graswuchs zu sehen ist , mußte dieser Mensch zwei mal 24 Stunden lang - allein mit seinem Hund die Schaafe hüten , wo dann ein andrer ihn ablöste . Bitter fragte ich den Mann : Wie magst du nur das Leben ertragen ? - Aber er begriff mich nicht , und erzählte mir nur , wie er dann Einen Tag in seiner Hütte zubrächte , und mit seinem Weibe des kleinen Lohns sich freue , und sein Gärtchen bestelle . - Dies Gespräch machte mich noch ungeduldiger , und da die Fähre noch immer nicht gekommen war , so nahm ich keine Gründe mehr an . Ich verließ mich auf mein gutes Pferd und meine Kräfte , und wünschte , daß ein verzweifelter Kampf mit den , Wogen , dem Leben , das in manchen Augenblicken keinen Reiz mehr für mich hat , wiederum Werth geben möchte . - Glücklich erreichte ich das Ufer , und nun weiter nach der Stadt . Ich kam zu spät , und das brachte mein Blut noch mehr in Wallung ; eine unnatürliche Glut rann durch meine Adern ; ich fühlte die Krankheit , aber ich faßte die Idee , sie zu bekämpfen , und ihr durchaus nicht unterliegen zu wollen . Unverzüglich ritt ich wieder fort , durch eine dunkle , stürmische Nacht . Aber mir war wohl , sehr wohl . Das Ungewisse der Schatten , erhöhete meinen gespannten Zustand . Allmächtig , wie ein Gott , wandelte ich allein in einer unendlichen Welt . Die ganze Natur schien mir unterthan , ich fürchtete , ich hofte nichts ; Leben und Tod lag in meiner Hand . Auf einer unermeßlichen Nebelbahn kam mir ein ferner , freundlicher Lichtstrahl entgegen . Du warst es ; wie eine leuchtende Sonne nahtest Du mir , und wir stiegen höher , immer höher . - Gegen Morgen kam ich an das Wasser und dachte mit Vergnügen der gestern überstandnen Gefahr . Diesmal fand ich die Fähre und ließ mich gleichgültig übersetzen . Meine Verwandten erschracken , als ich nach Hause kam . Ich sprach unbeschreiblich viel in Prosa und Versen , mit der größten Lebhaftigkeit . Nach einigen Stunden gelang es ihnen , mich ins Bett zu bringen , und von diesem Augenblick an weiß ich wenig mehr . - Mehrere Wochen sind mir ohne helles Bewußtsein vergangen , doch war Dein Bild in allen meinen Träumen . Sie sagen : ich soll noch nicht ausser Gefahr sein , doch fühle ich jetzt meine Kräfte täglich mehr zurückkehren , und meine einzige Sorge ist Deine Bekümmerniß . Fürchte nur nichts mehr , Geliebte ! Du liebst mich und ich lebe . Vier und zwanzigster Brief Amanda an Eduard O Du bist krank , Eduard ! Du bist es noch immer ! Dein Brief trägt unverkennbare Spuren Deines zerrütteten Zustandes . Weh mir , daß ich so Dich wissen und entfernt von Dir bleiben muß ! Diese innre Nothwendigkeit bei aller äussern Freiheit ist das Schrecklichste , was sich fühlen läßt , ist die größte Qual meines Lebens ! - Ich möchte , wie Clärchen , als sie Egmont im Kerker weiß , und ihn nicht retten kann , ich möchte gebunden sein , an allen Gliedern gelähmt , lieber , als so frei herum gehn zu können , und doch fern von Dir bleiben zu müssen ! - O ! jetzt - bei dem heiligen Gefühl der Liebe , beschwöre ich Dich - schone Dein ! gedenke des liebenden Herzens , dessen Qualen Dein Werk sind . Verbanne alle Schwärmereien , bändige Deine Phantasie , bedenke , daß mit der Gesundheit auch die Freude , mit dem Leben die Hoffnung verfliegt . - Wie heftig bist Du in Allem - o ! sei ruhig , vertraue dem