als sie will Wechsel auf England oder auf Holland kaufen ; aber am Ende - was hat sie bei mir zu thun ? - In der Welt Gottes nichts , als in Ohnmacht zu fallen . - Ist das etwa jetzt neuer Ton ? Macht man zu London und zu Paris solche Morgenvisiten ? Wie du nun bist ! sagte die Alte . Ein Frauenzimmer wandelt ja leicht etwas an . Ein Frauenzimmer ! - Warum denn aber dich und die Doctorinn nicht ? Je nun - eine ist ja nicht , wie die andre . Mutter ! - Wenn alle die Weiber , die den ganzen Tag , mit Roman und Komödie in der Hand , auf dem Sopha liegen , oder die auch den Morgen am Putz-und den Abend am Spieltisch vergeuden ; wenn sie hübsch , wie du und die Doctorinn , von früh bis spät auf den Beinen wären , um sich in ihrer Wirthschaft herumzutummeln : ich wette , wir würden von keinen Krämpfen und Schwindeln und Ohnmachten , und wie das Zeug alles heisst , weiter hören . - Zwar einmal - er drohte ihr erst mit dem Finger , und nahm dann ihre dürre , welke Hand , um sie zu liebkosen - einmal spieltest du mir auch einen Streich ; da war ich in rechtschaffner Angst . - Doch das war auf dem Bette der Ehren , bei der Niederkunft mit der Tochter ; und für so eine Ohnmacht alle mögliche Hochachtung ! Die hat denn doch Hand und Fuss . Böser Mann ! sagte die Alte , mit einer Miene die halb schmunzelte und halb schmollte : lass doch solche Dinge nun aus dem Kopf ! Das sind ja alte Geschichten . XXII . Bald nach dem Mittagessen erschien der Doctor : theils , um sich nach der Gesundheit , theils - oder wohl eigentlich und hauptsächlich - um sich nach der Gesinnung des alten Herrn zu erkundigen . Er fragte fast in einem Athem : Wie befinden Sie Sich ? und : Wie gefiel Ihnen die Witwe ? Auf das Erste , lautete die Antwort : Wohl ! und auf das Zweite : Nicht übel ! Sie werden gefunden haben , dass es eine sehr feine Frau ist . Nicht wahr ? Fein ? Je nun ja ! Wie Sie wollen . Figur und Gesichtchen sind ganz erträglich . - Es lässt sich schon denken , wie so eine Frau einen schwachen , thörichten Mann hat so weit bringen können , sich um ihretwillen zu Grunde zu richten . - Der Doctor , der sich einer günstigern Antwort versehen hatte , war ein wenig betreten . Indessen hielt er es nicht für gut , in gerader Richtung über den Strom zu schwimmen . - Sie ist zugleich von sehr sanfter Art ; meinen Sie nicht ? Sie scheint es . Die Weiberchen scheinen Manches , Herr Sohn . Aber sind doch Manches auch wirklich ? Wie man das nimmt . - Was sie jedesmal sind , sind sie wirklich . Heute dies , morgen das . Mein Gott ! Sie sind doch auch sehr gegen die Weiber . Für sie , für sie , Herr Sohn ! - Ich schätze , an dem lieben Geschlechte nicht bloss die Tugenden , sondern auch die Schwachheiten ; aber wohl gemerkt ! diese mit jenen verbunden . Die Welt- und die Modeweiber , die nur die Schwachheiten , aber nicht die Tugenden , und eben darum jene im höchsten Grade haben ; die , Herr Sohn - wie Sie schon längst gemerkt haben können - sind mir zuwider . Und zu diesen , glauben Sie , gehöre die Lyk ? Ob noch jetzt ? kann ich nicht sagen . Ich bin Arzt in dem Hause . - Da wissen Sie Bescheid um ihre Gesundheit . Ja . Aber auch wahrlich um ihre Denkungsart , ihre Sitten , ihren Charakter . - Ein Arzt hat manchen geheimen , vertraulichen Augenblick mit den Weibern . So ? - Und das sagen Sie mir so frei ins Gesicht ? Warum nicht ? - Mir , dem Vater von Ihrer Frau ? - Wenn ich nun der es wieder sage ? Gerne ! gerne ! In Gottes Namen ! Der muntre , freudige Ton des Doctors rührte den Alten , und er ergriff seine Hand . - Lieber , guter Doctor , sagte er , Sie und meine Tochter machen zusammen ein braves , ein herrliches Paar . - Gott erhalte euch so ! Ich habe ja ausser euch keine Freude . - Er hatte grosse Lust auf den Sohn zu kommen , dessen noch fortdaurendes Flussfieber ihm sehr zu missfallen anfing ; allein der Doctor liess ihn nicht los von der Witwe . Nehmen Sie einmal an , sagte er , dass die Frau wirklich ist , was sie scheint : sanft , liebreich , nachgebend , gefällig ; - wäre da der unsinnige Aufwand im Lykischen Hause nicht auch ohne sie zu erklären ? Liesse sich ' s nicht denken , dass eine so geartete Frau ihre eigene Neigung dem eitlen , auf lauter Pracht und Vergnügen erpichten Manne hätte aufopfern können ; dass sie sich bloss durch ihn , ohne den mindesten innern Trieb , von einer Gesellschaft zur andern , einem Balle zum andern , hätte fortreissen lassen ? Die Wirthschaft aber ging nach der Heirat erst an . - Natürlich ! Denn da wird das Haus erst ein Haus . Die Frau erst macht es dazu . Und der ganze Aufzug - der Staat - die glänzende Equipage - das Alles scheint mir mehr auf weibliche , als auf männliche Neigung zu deuten - Kam aber doch lediglich von dem Manne . Hm ! - Zwar sind manche Männer Weiber , und ärger als Weiber . - Das mein ' ich ! Und dann , liebster Vater : was hätte die Tochter eines armen Landpredigers - denn das ist die Lyk -