eines etwas verliebten poetisierenden jungen Prinzen war – eine Huldigung , die , mal leichter , mal leidenschaftlicher auftretend , von Frau von Wreech abwechselnd als eine Zerstreuung , eine Ehre , eine Schmeichelei , aber gelegentlich auch als eine Last entgegengenommen wurde . Dem entsprechend gestalteten sich ihre Beziehungen . Der sinnliche Reiz der jungen Frau mochte denselben vorübergehend eine andere Färbung geben ; kein Zweifel , es kamen leidenschaftliche Stunden , aber sie kamen nur wie Fieberanfälle und ließen im wesentlichen das auf ästhetischen Interessen aufgeführte Verhältnis fortbestehen . Es war das geistreiche Bedürfnis , das immer wieder nach Tamsel hindrängte . Der Esprit der Küstriner Garnisonsoffiziere reichte nicht aus , ihr Verständnis für Verse war vollends ungewiß , und so sehen wir denn die Korrespondenz nach Tamsel hin nicht nur von zahlreichen Poetereien , von Hymnen , Sonetten usw. beständig begleitet , sondern auch die Briefe selbst in jener halb ironischen , halb humoristischen Weise abgefaßt , die sich immer da einstellt , wo junge Männer dem Zuge nicht widerstehen können , jeden Brief als eine kleine literarische Tat , als eine Anhäufung origineller Gedanken in die Welt zu senden . Den ersten Brief des Kronprinzen übergehe ich hier ; ich beginne mit dem zweiten , worin » der junge Poet « , dem nichts so sehr am Herzen liegt als das Schicksal seiner Verse , unverkennbar hervortritt . » Madame « , so schreibt er , » die Heuschrecken , die das Land verwüsten , haben die Rücksicht genommen , Ihre Besitzungen und Ländereien zu verschonen . Ein zahlloses Heer viel schlimmerer und gefährlicherer Insekten indes steht auf dem Punkte , sich bei Ihnen niederzulassen , und nicht zufrieden damit das Land zu zerstören , haben diese Geflügelten die Dreistigkeit , Sie persönlich und in Ihrem eigenen Schlosse zu überfallen . Diese Geflügelten führen den Namen Verse , sind Sechsfüßler , haben scharfe Zähne und einen langgestreckten Körper , dazu eine gewisse Kadenz , die genau genommen ihr Grundprinzip ist und ihnen das Leben gibt . Es ist eine böse Rasse , jüngst vom Parnaß angekommen , wo sie der gute Geschmack nicht länger dulden wollte . Ein gleiches Schicksal wird ihrer in Tamsel harren . Wie immer dem sein möge , ich freue mich , daß Apollo sich aufgerafft hat , um seinen Musenberg von der Spreu der nüchternen Poeten zu säubern . Sein Staubbesen hat gründlich aufgeräumt . Ich selbst freilich bin unter den zumeist Getroffenen ; aber ich verzeihe alles , verzeihe es um so lieber , als ich sehr wohl weiß , daß überall da , wo dem Bösen seine Strafe wird , auch das Gute seinen Lohn erhält . Sie , Madame , werden diesen Lohn empfangen , und ich bitte Sie dann um Ihr allergnädigstes Fürwort . Sagen Sie dem Apoll , daß er als Direkteur der Künste und Wissenschaften eigentlich doch zu grob operiert und mich kaum noch als einen Mann von Ehre behandelt habe . Bitte , sagen Sie ihm ferner , daß es eigentlich nur ein Mittel gäbe , solche Züchtigungen und Backenstreiche erträglich zu machen , nämlich die Stiftung eines Ordens vom schlechten Reim . Willigt er darin , so kann er uns von da ab treffen , wie er will , wir werden es ruhig und dankbar hinnehmen – Ritter , die wir dann sind . « So der Brief . Der Kronprinz hat in den ersten Zeilen desselben ein ganzes Heer von Versen angekündigt , » Sechsfüßler mit scharfen Zähnen und langgestrecktem Körper « , und diese Verse , die dem Briefe beiliegen , so wie andere , die später folgten , beschäftigen uns jetzt . Alle teilen sie sich in zwei Gruppen : in solche , die in direkter Huldigung gegen die schöne Frau geschrieben sind , und in solche , die ihr bloß zur Kritik vorgelegt werden . Eine Ode , an Frau von Wreech gerichtet , eröffnet den Reigen . Man muß es damals mit den Gattungseinteilungen nicht allzu genau genommen haben , denn die Zeilen verhalten sich zu dem Schwung einer wirklichen Ode , wie sich Kotzebues » armer Poet « zum Goetheschen Tasso verhält . Der Prinz erklärt , daß er Frau von Wreech liebe ; daß es freilich Menschen gäbe , die da meinten , Liebe sei Schwäche , daß er für sein Teil aber die schwachen Herzen angenehmer fände als die Herzen von Stein . In den mittleren Strophen heißt es dann in leidlich wohlgesetzten Alexandrinern : Hab ' ich zuviel gesagt und ging mein Lied zu weit , So wiss ' , in Bangen nur übt ' ich Verwegenheit , So denke , daß ich schwieg , als ich zuletzt dich sah , Ich schwieg , denn Göttin-gleich , wortraubend standst du da . Gebiet ' rin , die du bist , gestatte mir noch oft Geständnis all ' des Glücks , drauf meine Seele hofft , Geständnis dessen all ' , was ich bisher bezwungen , Darbringungen im Lied all ' meiner Huldigungen . Ein glücklicher Zufall hat uns auch die Reimzeilen aufbewahrt , mit denen Frau von Wreech diese poetische Adresse des Kronprinzen beantwortete . Sie wurden nämlich im Brouillon auf die Rückseite des kronprinzlichen Briefes geschrieben und lauten wie folgt : Welch ' Wunder trug sich zu ? Was ist ' s , das sich begab ? Es steigt ein Königssohn , ein Prinz zu mir herab , Besingt in Liedern mich und fordert mich zum Streit ; Antworten seinem Lied wär ' wie Verwegenheit , Ich kann es nicht , nein , nein , verwirrt in jedem Sinn Fährt , über was ich schrieb , die Feder wieder hin . Wohl hab ' ich oft gehört , an diesem , jenem Ort , Wer nur im Herzen fühlt ' , dem gibt sich auch das Wort , Doch trät ich keck zum Kampf mit dir , Erhabener , ein , Müßt ' ich an Witz und Wort zuvor dein Echo sein .